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Projekt mit Germanium Transistoren - Testhörer gesucht
#81
Ich will den Thread nicht ins OT schießen aber der Grund, warum ich auf den B1 gehe ist eben die Einstellbarkeit.

Der zentrale Aufbau ist:
Quelle
  ↓
Eingangspoti
  ↓
JFET-Buffer
  ↓
Nutube-Triodenstufe
  ↓
JFET-Buffer
  ↓
Ausgang

Die Nutube muss also nicht gleichzeitig Impedanzwandler, Lasttreiber und Klanggenerator spielen. Zum Vergleich: Der Germanium-Buffer ist ein einfacher PNP-Emitterfolger ohne Spannungsverstärkung und liegt am Ausgang im mittleren einstelligen kΩ-Bereich. Das heißt: Der B1K trennt „Klang erzeugen“ und „elektrisch sauber treiben“ wesentlich stärker voneinander.

Der Nutube ist bei 12 oder 24 V nicht „starved plate“, sondern dort bestimmungsgemäß betrieben. Durch Veränderung der Plattenspannung verschiebt sich das Verhältnis der Harmonischen:
- bei ungefähr 12 V am Testpunkt T7/T8 liegt der H2-Nullpunkt; übrig bleiben ungefähr 0,3 % überwiegend H3,
- bei ungefähr 9,5 V erzeugt die Referenzeinstellung etwa 1,5 % THD bei 1 V Ausgang, überwiegend zweite Harmonische,
- oberhalb bzw. unterhalb des Nullpunkts bekommt H2 unterschiedliche Phase,
- die Verzerrung steigt außerdem mit dem Ausgangspegel. 
Das heißt: Die Nutube ist hier nicht bloß „irgendwie röhrig“ sondern ein einstellbaree Analog-Coloration-Prozessor. Beim Germaniumtest dagegen wechsel ich gleichzeitig Transistor, Kennlinie, β, Leckstrom und Arbeitspunkt.

Dazu kommt: kein eingebauter Hochton-Weichzeichner. Der Frequenzgang der Originalschaltung ist laut Pass erst ungefähr bei 80 kHz um 3 dB gefallen.

Doof ist: Das Ding ist eigentlich gar kein Buffer. Die Schaltung hat etwas über 16 dB Spannungsverstärkung, also ungefähr Faktor 6,3. Wenn mein DAC beispielsweise 2 V RMS liefert, das kann die Schaltung gar nicht unverzerrt ausgeben; Pass nennt ungefähr 5 V maximale Ausgangsspannung. Ich müsste also den Eingangspegel entsprechend reduzieren. Dann: Der B1K invertiert die absolute Polarität um 180°. Für einen umschaltbaren DIRECT/B1K-Test darf das nicht so bleiben. Korg weist selbst darauf hin, dass die direkt geheizte Nutube auf mechanische und sogar akustische Anregung reagieren kann und empfiehlt mechanische Dämpfung bzw. Abschirmung. Nutube Pass bestätigt ebenfalls, dass Klopfen auf die Nutube in den Lautsprechern hörbar sein kann.

Um wieder auf den Thread zu kommen: Ich würde den B1K Core technisch weitgehend unverändert lassen, aber außen herum anders bauen: TRUE BYPASS – NUTUBE, pegelgenau abgeglichen, Polarität korrigiert und eventuell drei reproduzierbare Bias-Einstellungen: CLEAN / SMOOTH / ROCK.
Dann daneben weiterhin deinen MП25Б und AD149. Das wäre dann kein esoterischer „Tube Buffer“ mehr, sondern ein ziemlich gutes kleines Experimentiergerät: Germanium-Kennlinie vs. kontrollierte echte Triodenkennlinie bei identischem Pegel. Und dafür halte ich gerade dieses Nelson-Pass-Setup für wesentlich interessanter als einfach eine Nutube-Platine oder einen beliebigen ECC82/ECC83-Buffer. Der eigentliche Wert steckt im Gesamtdesign aus Triodenstufe, kontrolliertem Arbeitspunkt, JFET-Impedanzwandlung und einstellbarer Nichtlinearität, nicht allein im leuchtenden Bauteil.

Also falls sich jemand mit genug Röhren-Know-How daran wagt, ich spiele gerne das Versuchskaninchen und unterschreibe auch vorher jede "Strom macht Aua" Haftungsbefreiung.
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#82
Ich habe mal den Preamp von N. Pass aufgebaut, als um Weihnachten 2019 (?) rum von Papa Pass 100 Platinen mit gematchten J113 verteilt wurden. Die NuTube ist hier als normale Kathodenbasis-Verstärker geschaltet mit JFet Puffern an Ein- und Ausgang. Entsprechend resultiert ein Gain von 16dB, also kein Buffer.
Die Schaltung macht in dem dort verwendeten Betriebspunkt auch schön K2 und ich höre damit sehr gerne. Ich verwende ein 24V Meanwell SMPS mit angepassten Filtern im Ein und Ausgang. Mann kann auch gut Steckernetzteile verwenden und ist damit Sicherheitstechnisch fein raus.
Wurde hier glaube ich auch schon mal besprochen...
Gruß, Daniel
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#83
(30.09.2026, 10:52)curryman schrieb: Ich habe mal den Preamp von N. Pass aufgebaut, als um Weihnachten 2019 (?) rum von Papa Pass 100 Platinen mit gematchten J113 verteilt wurden. Die NuTube ist hier als normale Kathodenbasis-Verstärker geschaltet mit JFet Puffern an Ein- und Ausgang. Entsprechend resultiert ein Gain von 16dB, also kein Buffer.
Die Schaltung macht in dem dort verwendeten Betriebspunkt auch schön K2 und ich höre damit sehr gerne. Ich verwende ein 24V Meanwell SMPS mit angepassten Filtern im Ein und Ausgang. Mann kann auch gut Steckernetzteile verwenden und ist damit Sicherheitstechnisch fein raus.
Wurde hier glaube ich auch schon mal besprochen...
Gruß, Daniel

Jep, das ist GENAU das Gerät das ich meine. DAS wäre als Vergleich wirklich genial! Also falls Du das irgendwann mal für eine Woche entbehren könntest, man müsste sich auf eine passende Zeit einigen aber da könnte ich in München durchaus mal Probehören bei mir anbieten. Der Germaniumpuffer ist eh noch hier.
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#84
Hej!
Das wird ja hier was! Genau so habe ich mir das damals vorgestellt.
Bekommt man denn die Platinen noch. Bin nach wie vor zu doof für CAD.
Gruß
Arnim

Der letzte Diy Lautsprecher ist nur solange gut bis zur nächsten Idee.
Ein rein verstandesmäßiges Weltbild ganz ohne Mystik ist ein Unding. Erwin Schrödinger.
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#85
Ich kram den Preamp mal raus (die letzten Monate nicht in Benutzung) und dann melde ich mich per PN. Ich komme in nächster Zeit nicht nach München aber DHL kann da ja aushelfen...
Gruß, Daniel
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#86
Hallo,

hier wäre die Aufbauanleitung für beide Versionen.


.pdf   Aufbauanleitung Buffer Stand 2026_10_12.pdf (Größe: 826,72 KB / Downloads: 14)

Die Bestellung für die Platinen ist raus, ich habe jedoch ein paar mehr bestellt. Wer noch Interesse hat bitte melden.

Viele Grüße
Frank
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#87
Alles klar, lass dir ruhig Zeit! Wenn der Preamp ein paar Monate nicht benutzt wurde, ist es sicher sinnvoll, erst mal in Ruhe zu prüfen, ob alles noch funktioniert. Und ja, zum Glück gibt es DHL, da muss man nicht extra bis nach München fahren.
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#88
Der Preamp ist gut verpackt und auf dem Weg zum nächsten Tester.

Noch eine etwas ausführlichere Würdigung und Testempfehlung, die sich seit dem Probehören mit dem NuTube (auch in Reihe) rausgestellt hat. Dafür muss ich etwas ausholen.

Ich bin ersten absoluter AC/DC Fan und zweitens großer Schlagzeug-Becken-Fan. Ich kann mit meinen Jungs (spielen beide Schlagzeug) einen ganzen Tag in der Becken-Abteilung bei Thomann verbringen und immer nur verschiedenes Blech vergleichen. Und wenn eine Telko mal besonders öde ist, setze ich mich selbst ans Drumset und arbeite an Bonham Triplets. Soweit, so verrückt.

Wo ich leider nicht dabei war, ist die Aufnahme von Highway to Hell. Deshalb stelle ich es mir rein vom Sound her so vor:

London, Frühjahr 1979. Am Abend ziehtdie Band um die Häuser um noch einen Happen zu essen. In einem Londoner Arbeiterpub waren die Gäste von den Touristen aus Australien sehr begeistert, von deren musikalischen Ambitionen keineswegs. In der Folge entwickelte sich ein Gesangswettbewerb zwischen Londonern, Bon Scott und der Jukebox - gleichzeitig. Um drei Uhr morgens wusste niemand, wer gewonnen hat, aber das ganze Viertel kannte AC/DC. 
In der einzigen noch offenen Kneipe erklärte Bon dem Barkeeper nach dem sechsten Whisky, dass er die Qualität eines Scotch nicht am Geschmack, sondern am Geräusch beim anschließenden Räuspern erkennen könne. Es folgte eine Blindverkostung von sieben Sorten, bei der Bon nach jedem Glas ein tieferes, zunehmend kieshaltiges „Aaaah“ von sich gab. Der Barkeeper erklärte ihn zum Sieger, nachdem sämtliche übrigen Gäste das Lokal verlassen hatten.
Auf dem Heimweg geriet Bon mit einem Londoner Taxifahrer in Streit, weil dieser behauptete, seine Taximotor-Geräusche seien musikalischer als alles, was aus Australien komme. Bon verbrachte die nächsten 40 Minuten damit, jede Beschleunigung, jeden Schaltvorgang und jedes Geräusch des Auspuffs stimmlich nachzuahmen. Der Taxifahrer war beeindruckt und verlangte den doppelten Fahrpreis: Einmal für den Transport und einmal für die musikalische Begleitung.

Als Bon Scott am nächsten Vormittag ins Studio kam, fragte Produzent Mutt Lange besorgt, ob er überhaupt noch singen könne. Bon räusperte sich. Es klang, als hätte jemand einen Sack rostiger Schrauben in einem Betonmischer mit Whisky gewaschen.
Mutt Lange hörte sich das an, schaltete das Mikrofon ein und sagte nur: „Perfect. Don't drink any water.“
Und dann sang Bon Highway to Hell.

So vermute ich es, wenn ich Highway to Hell höre. Man hört, wie sich schnapsgetränktes Zigarettenteer in großen Fetzen von Bons Stimmbändern löst. Also ich höre es mit guten Kopfhörern oder mit meinen besten Lautsprechern. Und zwar, wenn ich AC/DC in artgerechter Haltung höre, also nicht laut oder LAUT sondern ROCKENROHLRICHTIGLAUT. Das ist sehr, sehr geil und so möchte ich das. Aber: Wenn ich mit meinen Kumpels zusammensitze und eine Schorle trinke, ist das eben einen Ticken zu analytisch - ich will dann still werden, mich zurücklehnen, zuhören. Das wäre reichlich unkommunikativ. 

Jetzt kommen wir zum Germaniumbuffer. Der fräst die störende Detailschicht weg. Genau das, was mich bei anderer Musik richtig wegbeamt, das manchmal minimal anders angeschlagene Ride-Becken, der Schwingungsverlauf des Crash-Beckens, das ist jetzt weg. Es bleibt die Mucke aus der Kindheit, die man dreimal von einer Kassette auf die andere kopiert hat und dann auf Papas Stereoanlage gehört hat wenn die Eltern im Theater waren. 

Daher empfehle ich allen, die probehören: Legt ne Musik auf bei der ihr mitsingen wollt, mit einem Bier in der Hand und euren Schulkumpels im Raum. Lauft durch den Raum und dreht laut auf. Wollt ihr euch hinsetzen und zuhören oder noch lauterdrehen und mitgrölen? Probiert das einmal direkt und einmal mit einem Buffer aus. Voraussetzung für die Wirkung ist natürlich, dass die Kette diese Präzision im Direktbetrieb auch liefert. 

Und das liefert der Germaniumbuffer, zumindest mit den großen Kloppern eingesetzt. Vielleicht nicht so dramatisch, aber ich finde sehr hörbar. Ich finde es echt, echt cool.
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