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Kleiner Ghettoblaster im 90er Look mit DSP und coolen Features

Moin! Hier mal ein mehr oder weniger vollständiger Baubericht für eine Boombox mit außergewöhnlichem Design. Die Box ist als Geschenk gedacht und ich wollte ein Design, das es absolut nicht zu kaufen gibt. Von den Maßen her habe ich mich an Lautsprechern wie die Marshall Stanmore orientiert. Also eine Größe, die noch als mobiler Lautsprecher durchgeht, mit dem man aber schon ganz ordentlich Musik hören kann oder mal ne Küchenparty beschallt. Batteriebetrieben sollte das Ganze sein und den Sound sollte man auch anpassen können. Die Wahl der Innereien fiel also relativ leicht. Ein Sure 2x30 Watt DSP Verstärker plus Batterieboard mit 5 18650 Zellen. Damit sollte man schon recht lange steckdosenunabhängig Musik hören können.

Designtechnisch wollte ich es extravagant, möglichst rund und keine langweilige Kiste. Die Beschenkte mag es bunt. Rund und bunt war also die Devise.
Relativ schnell legte ich mich auf Farbe und Form fest und machte ein paar Zeichnungen. Letztendlich ist dann das dabei herausgekommen:
Der Korpus sollte aus einzelnen MPX Segmenten zusammengefügt werden. Front und Rückseite bestehen aus Corian, welches ich gerne verwende.
Es lässt sich genauso bearbeiten wie Holz, ist sehr fest, sodass man auch Gewinde reinschneiden kann. Durch einfaches Polieren kann leicht ein super Finish erzeigt werden.
Design und Maße waren in etwa geklärt. Nun ging es ans technische Konzept. Ich wollte es möglichst simpel halten - daher fiel ein 2.1 System aus.
Es musste also ein Breitbänder gefunden werden, der einen guten Kompromiss zwischen Wirkungsgrad und Tiefgang bietet.
Die gegebene Gehäusegröße von etwa 4 Litern pro Kammer sind nicht gerade üppig und limitiert die Chassisgröße auf 4 Zoll.
Ich verbrachte viel Zeit mit Simulationen, um einen geeigneten Kandidaten zu finden. Letztendlich bin ich beim Tang Band W4-1052SD gelandet, der in Sachen Wirkunsgrad unschlagbar ist.
Mit etwa 50€ sprengt der jetzt nicht wahnsinnig das Budget.
Da ich auch einen gescheiten Tiefton haben wollte, fiel ein geschlossenes Gehäuse aus. Ich überlegte mir allerlei unsinnige BR-Konstruktionen, um eine möglichst tiefe untere Grenzfrequenz zu erreichen.

Letztendlich entschied ich mich für eine Passivmembran, die die ganze Konstruktion maßgeblich vereinfachte und die Fläche der Rückseite optimal ausnutzt.
Die Wahl fiel auf den Peerless SDS-P830880 5,25" Passivradiator, der zu dem Zeitpunkt super günstig zu haben war.
Nach Klärung der technischen Details ging es auch schon an den Bau. Ich ließ mir eine Frässchablone drucken, um die einzelnen Segmente anfertigen zu können.
 
 
Spaßig war das überhaupt nicht. Für das nächste Mal lasse ich mir das CNC fräsen. Dann wurden die einzelnen Segmente verschraubt und verklebt und anschließend geschliffen.
 
Anschließend wurde der Korpus gebeizt und in mehreren Durchghängben mit Epoxidharz beschichtet und abgedichtet. Danach noch mehrere Schichten Klarlack mit abschließender Politur.
Zur Beruhigung wurden die Innenseiten mit Alubutyl beklebt.
 
Dann mussten Front und Rückseite sowie das Bedienfeld angefertigt werden.
 
Weiterhin wurden sämtliche Schalter, Buchsen, Knöpfe, Schrauben und Anbauteile in der passenden RAL Farbe "Erikaviolett" lackiert.
Das Lackieren war tatsächlich der nervigste Teil des gesamten Baus. Letztendlich waren 2 Spraydosen Farbe und ebensoviel Klarlack nötig, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.
Die Fassungen der Frongitter wurden gezeichnet, gedruckt und ebenfalls lackiert sowie die Gitter selbst.
 
Dann konnte alles zusammengebaut werden. Ich habe noch Farblich passendes Gurtband in gelb und rosa zusammengenäht und mit zwei angefertigten Blechen als Griff angebracht.
 
Das Bedienfeld enthält einen Lautstärkepoti, An/Aus-Schalter, Bluetooth Pairing Taste, 20V Ladebuchse, Druckknopf um den Batteriestand anzuzeigen,
eine 3,5 mm AUX-in Buchse und die DSP Programmer Schnittstelle als 4-polige miniXLR Buchse.
Für die LED für Betrieb/BT Verbindung, Ladevorgang und Batteriestand ist mir eine ziemlich elegante Lösung eingefallen.
Corian ist zwar undurchsichtig, aber bei geringen Wandstärken lichtdurchlässig. Also bohrte ich Sacklöcher in die Rückseite der Front,
fertigte mir Bleche für die LED, um das Licht von hinten durchscheinen zu lassen. Man könnte sicherlich auf diese Weise auch eine Infrarot Diode
für die Fernbedienung verstecken.
 
Am Schluß wurde alles zusammengebaut und das Gehäuse locker mit Sonofil gefüllt.
 


Für einen gescheiten Schutz der Passivmebranen ist mir noch keine Lösung eingefallen. Eine Art Bügel oder Gitter wäre cool.
Jetzt folgt erstmal ausgiebiges Hören. Die Kiste läuft seit 3 Tagen für etwa jeweils 6 Stunden nicht gerade leise gurchgängig und die Batterien sind bisher halbleer.
Hier ist eine kombinierte Nahfeldmessung von Breitbänder und unbeschwerter Passivmembran. Das Membrangewicht laut Datenblatt passt schon so sehr gut, in der Simulation
brachte zusätzliches Gewicht keine besseren Ergebnisse.
Ich habe noch weitere Messungen im Raum durchgeführt, die aber nicht sonderlich aussagekräftig sind. Allein vom Höreindruck klingt die Kiste deutlich besser als mir bekannte Fertiglautsprecher
selber Größe. Man kann damit schon ziemlich ernsthaft Musik hören. Der Bass ist angenehm straff und fühlt sich mit einer Wand im Rücken oder klassisch auf dem Fensterbrett so richtig wohl.
Geändert von Malik (14.03.2025 um 21:24 Uhr)
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Tolle Idee und super umgesetzt. Echt Klasse, ich werde richtig neidisch.
viele Grüße
Thomas
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Sehr sehr schön!!
Da fällt mir ein, das ich so ein Projekt auch noch vor der Brust habe.
Gruß
Thomas
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Chef Benutzer
Sehr sehr schön entwickelt und extrem sauber umgesetzt!
LG Sven
Alle meine Beiträge bezüglich elektrischer Sicherheit haben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit.
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einfach mal abschalten...
Moin, schöne Doku, Interessantes Projekt.
Vielen Dank für das Vorstellen.
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Danke, Leute!
 Zitat von ThomasF
Sehr sehr schön!!
Da fällt mir ein, das ich so ein Projekt auch noch vor der Brust habe.
Ich kann alle relevanten Daten zur Verfügung stellen, sodass das Ding easy nachgebaut werden kann inklusive sämtlicher Druckdaten für Frässchablone und Co.
Durch den modularen Aufbau ist man bei der Materialwahl absolut frei.
Eine MK2 Version mit Coax Treibern (SB Acoustics SB12PFCR25-4-COAX) ist auch schon in der Planung.
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Hoch leben die Achtziger/Neunziger
Cooles Teil! Das erinnert voll an die quietschbunten Philips-Brüllradios. So eins hab ich noch im Original, steht immer noch im Schrank:
https://www.datistics.de/philips-mov...ller-der-80er/
It's only Rock'n'Roll but I like it
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Jep, oder diese Sony Sports Walkman Serie
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