Moin,
die modernen RCF Hörner mit ihren Aussparungen für engen Abstand zum Midbass und der Moglichkeit in den Horizontalen durch Drehen den Abstrahlwinkel zu verändern haben mich auch interessiert, ideal für das Clustern mit 3,4,5 oder mehr mit nach hinten konischen Boxenume um vor der Bühne einen möglichst großen genauen definierten Abstrahlwinkel zu erreichen.
Es gibt ja viel fast ähnliche CD-Hörner, es muss ja nicht das ME90 sein.
Los mit diesen Konstruktionen ging es parallel bei vielen Herstellern ...wer von wem abgekupfert hat......wer weiß das.
Hier eine kleine Aufzählung
RCF H100
Limmer 255
Oberton H960
aus Alu:
P-Audio PH220
Visaton HT21
oder sogar die Pseudobacke
P-Audio PH 230
und viel andere mehr.
keine Frage, natürlich gibt es weitere interessante Hörner. Die Limmer hatte ich ja erwähnt, in Deiner Aufzählung würde für mich das 255 entfallen, da es mit 50°x50° zu eng abstrahlt. Die anderen kämen für mich nicht in Frage, da 1" Hörner und ich ja ein 1,4" benötigte. Aber selbstredend gibt da eben auch andere...
Hallo Andre,
So wie ich das sehe, ist das HF 94 halt tendeziell ein 'Diffraktionshorn' mit relativ langem Hals und daran anschließend horizontal schnellerer Aufweitung (weshalb es etwas tiefer lädt als das ME90), während sich das ME90 schneller und gleichmäßig öffnet.
Hallo Christoph,
Du hast recht, ich muss meine vorherige Aussage korrigieren.
Der Hals am HF94 ist in der Tat länger i.Vgl. zum ME90. Den angedeuteten Diffraktionsschlitz haben dennoch beide.
vielen Dank für die Fotos und dass Du DIr die Mühe gemacht hast. So wie ich das sehe, hat das HF94 einen knapp 7cm langen Hals, das ME90 knapp 3cm. 7cm sind immerhin fast die halbe Hornlänge...
hier soll es jetzt mit der Untersuchung der Anordnung der Treiber weitergehen.
Das Problem liegt ja bekanntermaßen darin, dass bei einer Anordnung der Treiber nebeneinander unter Winkeln aufgrund der Laufzeitunterschiede Interferenzen entstehen.
Ab einem Treiberabstand von halber Wellenlänge setzen die Interferenzen ein.
D.h. mit größerem Treiberabstand verschieben sich die Interferenzen zu tieferen Frequenzen.
Kleines Beispiel: Abstand 28 cm -> unter 600 Hz keine Interferenz:
D.h. um den Einfluss zu minimieren oder sogar auszuschließen, soll die Trennfrequenz mit der Intereferenz abgestimmt werden. Aus dem Bsp. oben ist schon klar, dass das mit 10"ern durchaus gehen kann, wenn der HT ab ~750 Hz übernimmt
Aber klar ist trotzdem, dass als erste Gegenmaßnahme die Treiber möglichst nah zusammen zu bringen sind. Das hat natürlich aufgrund der geometrischen Abmessungen Grenzen.
Etwas lässt sich noch durch Anwinkelung gewinnen. Außerdem muss der HT noch in die Mitte. Hier ist von Vorteil, dass das ein HT Horn verwendet wird, weil man das vor die MT setzen kann und damit den seitlichen Abstand verringern kann.
Man könnte den HT auch komplett vor die MT setzen. Aber damit steigt die Gehäusetiefe und für mich wichtig: wenn Deckel und Boden angewinkelt werden (Trapezgehäuse), steigt die Schallwandhöhe. Das Trapezgehäuse ist nötig, damit der Center bündig unter die Decke kommt und die Schallwand trotzdem zum Hörplatz ausgerichtet ist.
Achso, und schließlich lässt sich im Bereich der Trennfrequenz noch mit dem Delay 'spielen' - das kommt später.
Übrigens ist der Interferenzeinfluss nicht nur störend. Er hilft auch mit, die Abstrahlung zu tiefern Frequenzen hin zu kontollieren i.Vgl. zu einem einzelnen Treiber.
Bei Anwinkelung ist die Frage: nach innen oder nach außen Winkeln.
Ich habe Akabak verwendet um mir das anzusehen. ich bin da dabei mich da reinzuarbeiten und verwende erst mal die Testversion. Außerdem ist meine 'Tool-chain' hinsichtlich Anbindung CAD nicht beisammen, weswegen ich die Geometrie rein in Akabak erstellt habe (...nicht schön aber selten...und um generelle Aussagen zu treffen reicht mir das erst mal).
Das sieht dann wie folgt aus:
1. Treiber nebeneinander, 2. nach außen gewinkelt und 3. nach innen gewinkelt
Dargstellt je eine bildliche Darstellung der Anordnung, der Amplitudenfrequenzgag auf Achse, Horizontale Directivity, Polare bei 750 Hz (~Trennfrequenz), Feld bei 750 Hz
Daraus folgt schon mal, dass die Anwinkelung nach außen breiter abstrahlt und bei den hier angedachten 80...90° horizontal wohl im Vorteil sein wird. Die Anwinkelung nach innen passt eher, wenn man etwas eng abstrahlendes (<60°) bauen möchte.
Da das ja erst mal 'nur' Simulationen sind und um mehr Sicherheit bekomme, dass ich da keine allzu groben Fehler gemacht habe, habe ich gemessen.Dazu habe ich aus Holzesten ein 'Steckbrett' gebaut, mit dem sich die Konfiguration schnell ändern lässt und die dann jeweils gemessen. Das ist nicht vollständig dicht etc., reicht aber um das generelle Verhalten zu bestimmen.
Das ganze jetzt nur für Anwinkelung nach innen bzw. außen und nun jeweils mit HT in der Mitte.
Im ersten Ansatz habe ich keine Seitenwände und Rückwand verwendet. Das kam dann später dazu.
Die entscheidenden Kriterien sind Amplitudenfrequenzgang der Chassis und natürlich die horizontale Abstrahlung.
Dazu habe ich jeweils ein grobes Pre-set am Controller erstellt um das Verhalten mit Trennung zu sehen.
Anwinkelung nach außen:
Der Frequenzgang des MT ist deutlich von Einbrüchen durch den vorgesetzten HT geprägt.
Die Abstrahlung sieht ab ca. 500 Hz aufwärts gut aus.
Die starke Aufweitung unterhalb von 500 Hz kommt von der fehlenden Rückwand und der Anwinkelung nach außen.
Im Amplitudenfrequenzgang des MT ist ein starker Einbruch um 1 kHz zu sehen, der wieder durch den vorgesetzten HT hervorgerufen wird.
Die Abstrahlung zeigt eine deutliche Einschnürung im Bereich der Trennfrequenz
Die Variante mit Anwinkelung nach außen wäre durchaus zu bevorzugen. Nur die Aufweitung unten rum sollte abgeschwächt werden. Also habe Seitenwände und Rückwand hinzugefügt und gemessen:
Im Amplitudenfrequenzgang zeigt sich nun starkes Bandpassverhalten mit starkem Einbruch im Bereich der angedachten Trennfrequenz. Das hat mich so gestört, dass ich diese Variante nicht weiter gemessen habe.
Aber wie bekommt man die störenden Einflüsse nun weg?
Bandpass bzw. Vorkammer verringern durch Einkürzen der Seitenwände - eben so weit, dass schon noch Richtwirkung da bleibt aber die Vorkammer verringert wird und zweitens eine Hornblende einbauen.
Der Amplitudenfrequenzgang ist nun vom störenden Einbruch befreit und das Abstrahlverhalten passt auch erst mal. Damit kann ich leben und damit war die Anordnung klar und der nächste Schritt ist die Konstruktion des Gehäuses. Die kommt im nächsten Teil.
Falls ihr Anmerkungen oder Fragen habt, gern Bescheid geben. Habe ich etwas übersehen oder vergessen? Was hättet ihr ggf. anders gemacht?
Im Hinblick auf die Erfüllung der im ersten Beitrag aufgestellten Anforderungen fallen 8"-in Einzel-CB raus.
Ich habe durchaus auch aus Interesse bei BMS mal geschaut. Der 10"-Ferrit-koax ist ja duchaus interessant. Aber mit einem 8" wären die Kompromisse bei max. Pegel mit max. zulässigen Verzerrungen dann wohl zu groß.
Bei deinen Vorgaben fragt man sich ja schon wie groß ist den der Raum.
Ich verwende in einem 56qm Raum einen Center mit B&C 8“ und nem MHT Magnetostat, das geht allemal locker lauter als ich das abkann, und ich habe es schon recht gerne knackig laut.
🖖
Member of
"Stuttgart audio expert group - an association/community of interest of engineers, scientists (acoustics, physics), and musicians"
Danke für die Erläuterung. Ich dachte mir fast, dass es um die Pegelanforderung geht. Treiber ist die Möglichkeit der verzerrungsarmen Wiedergabe von Konzertmitschnitten in Originallautstärke.
Aber dazu würde ich auf die Beiträge #3 bis #7 auf der ersten Seite verweisen, in denen das beleuchtet ist. Wenn da noch etwas offen ist, am Besten nochmal nachfragen.
Vielleicht noch ein anderer Gesichtspunkt: das Hauptsystem sind Hörner, die sind bereits recht leistungsfähig. Da sollte der Center eben dazu passen, so dass er nicht mit deutlich anderer Eingangsleistung und damit Verzerrungen läuft.
Und ja, der Raum ist auch verhältnismäßig groß...aber ich hatte eingangs ja geschrieben, dass ich da in Bezug auf Hallradius, Bündelung, etc. konservativ rangehe.
weiter geht es..
Aber vorher noch eine Abbildung zum aktuellen Stand (habe heute nach wochenlanger Spachtelei und Schleiferei das erste mal (Probe-) Lack auf die Front aufgetragen:
(Zur Erklärung: der Lack soll mir dazu dienen Spachtelfehler besser zu sehen.
OK, nun aber zum Gehäuse.
Zum Einstieg eine kurze Rekapitulation:
- Es ist bekannt, wo die Reise hingehen soll (Teil 1)
- Es ist ein Ansatz zur Lösung definiert (Teil 2)
- Die Komponenten sind bekannt (Teil 3 &4)
- Es ist klar, dass das Vorhaben hinsichtlich der Abstrahlung funktionieren kann und was dazu notwendig ist (Teil 5)
Um mit dem Bauen zu beginnen fehlt ein Plan, genauer eine Gehäusekonstruktion.
Was fehlt dazu?
Das Gehäusevolumen / -Prinzip und wegen der Hornblende eben der dazugehörige Verlauf.
Außerdem sollen die Eingangsanforderungen (Abmessungen, Montage bündig unter der Decke, Ausrichtung zum Hörplatz und natürlich die elektroakustischen Eigenschaften, etc.) berücksichtigt werden.
Aus den Herstellerangaben und den TSP-Messungen ist klar, dass es sich beim B&C 10NW76 um einen Treiber für Hochleistungs-PA-Topteile handelt. Der Parametersatz ist auf eher hochabgestimmte BR-Boxen ausgelegt.
Ich möchte aber CB bauen. Ich mag nämlich kein BR im Stimmbereich und möchte die Probleme mit dem Resonator gern vermeiden.
Aus den Parametern wird schnell klar, dass jedes praktikable CB Gehäuse auf eine Güte < 0,5 führt. Für mich OK, wenn es auslenkungsmäßig passt. Der 'Kriechfall' wird ja wegen der Hochpassfilterung nicht eintreten.
Ich hätte gern, dass die Einbaureso um die 100 Hz liegt - selbst wenn ggf. die Trennung zu den Bässen höher liegt.
D.h. im Endeffekt muss ich mir um die TSP für CB keine Gedanken machen
Gut, mit geschätztem 20 - 25 l für Beide käme das hin. Und passt das mit der Auslenkung beo max. Eingangsleistung?
Um mir ein Bild zu verschaffen, habe ich Hornresp verwendet.
Nachfolgende Abbildungen zeigen den Amplitudenverlauf und die Membranauslenkung der beiden 10NW76 bei 60V für 25 l Gehäusevolumen bereits für das CB-Horn (grau) und zum Vergleich gegen BR (mit 90 Hz Abstimmung)
OK, bei 100 Hz ergäben sich 6 dB als 'Vorteil' für die BR. Aber die benötige ich bei tiefster Trennung eben dort nicht wirklich. Die Membranauslenkung erreicht im CB-Horn bei ca. 100 Hz das vom Hersteller angegebene xvar (geklippelter Wert für 10 % THD). Das passt für das CB-Horn also.
Nun benötige ich noch Infos, wie die Hornblende ausfallen soll.
Die Mundfläche stand schon aus den Vorvesuchen fest (ca. doppelte Membranfläche. Die Hornlänge war auch schnell klar: die Treiber müssen recht weit nach vorn, damit ein Gehäusewinkel von 15° für die Ausrichtung auf den Hörplattz ohne ausufernde Gehäusehöhe möglich wird. Das führt bei gekrümmtem Hornverlauf auf eine ca. Hornlänge von 8,5 cm.
Bleibt die Halsfläche als Variable.
Eine zu tiefe Horngrenzfrequenz führt wegen der kurzen Hornlänge und zu kleinen Mundfläche zu einer zu großen Fehlanpassung (unstete ak. Impedanz und Amplitudenfrequenzgang). Also, Hals kleiner und Hornfrequenz höher. Das passt auch, da ich die Wirkung erst ab ca. 500 Hz benötige um dem Bandpasseffekt der 'Vorkammer' entgegen zu wirken.
Mit etwas weniger als halber Membranfläch passt das für mich. Der Hornverlauf ist exponentiell, konisch ist zu wellig. Interessanterweise ergeben sich da trotz der kurzen Hornlänge (i. Vgl. zur Wellenlänge) nennenswerte Unterschiede.
Gut, und so stellt sich das CB-Horn ggü.reiner CB an 2,83 V dar (grau CB, schwarz CB-Horn, links Amplitudenverlauf und rechts Wirkungsgrad):
D.h., die Hornblende wirkt erwartungsgemäß v.a. um die 500 Hz. Insgesamt ist der Wirkungsgrad jetzt nicht ganz schlecht - wobei ein echtes Horn mit 30% bis 50% da mehr gewinnen kann, dafür aber eben auch größer ist.
Eine Frage ist noch, wie sich die Erwärmung der Schwingspule ggf. auswirkt (vermutlich bei mir im Betrieb irrelevant). Das stellt sich wie folgt dar:
Bei sich erwärmender Spule steigt die Güte der Gehäuseabstimmung. Da dieses hier groß genug ausfällt, sind hier keine negativen Einflüsse zu erwarten.
Prima, damit ist alles beisammen, um ein _Gehäuse zu zeichnen. Das ist straight-forward und sieht wie folgt aus:
Soweit erst mal dazu. Für mich hatte ich dann alles beisammen, um mit dem Bau zu beginnen. Darauf würde ich dann im nächsten Teil eingehen - und da sind wir schon beim aktuellen Stand. Und wenn der Bau abgeschlossen ist, geht es an die endgültigen Messungen der Komponenten und die Abstimmung und dann folgt die spannende Frage ob das so wie erhofft funktioniert.
Falls es soweit Fragen oder Anmerkungen gibt, würde ich mich freuen davon hier zu lesen.
In der letzten Zeit hatte ich mich etwas rangehalten die Kiste soweit zu bekommen, dass ich das gute Wetter noch zum draußen Messen nutzen kann.
D.h. nachdem es im letzten Teil um die Gehäuseauslegung ging, möchte ich nun etwas zum Bau zeigen. Zeigen steht dann wohl im Vordergrund, d.h. es gibt Bilder.
Gut, alles fängt mit etwas Holz an. Aus einer Platte 15mm Multiplex alle Teile zugeschnitten und für Lamellos sowie die Einschraub- und Anschraubmuttern vorbereitet.
Die Einschraubmuttern sind für alle Chassis und Rückwand, die Anschraubmuttern M10 sind normalerweise mit Schrauben verschlossen und erlauben es später die Box an der Wandhalterung zu montieren oder eine Hochständerhülse anzuschrauben oder Rinschrauben anzuschrauben oder, oder, oder...
Das sieht dann so aus: Anhang 75626
Durch das Trapezförmige Gehäuse verringert sich die Anzahl rechter Winkel. Insbesondere an den Schallwänden, die haben nämlich keine rechten Winkel mehr. Das war auch der Grund, warum ich die nicht mit Lamellos fixiert habe, sondern mir jeweils vorne eine kleine Anschlagplatte aufgeleimt habe, damit die vordere Lage fixiert ist.
Dann wurde das Ganze erst mal zusammengesteckt, auch um zu sehen, dass sich alles montieren lässt. V.a. bei den Tiefmitteltönern geht es eng zu. Aber es lässt sich letztlich alles montieren, was durchaus wünschenswert ist.
Dann wurde alles verleimt, hier habe ich tixothropes Epoxidharz mit eingerührten Baumwollflocken (Mumpe) verwendet. Das hält richtig gut - eher gibt das Holz nach. Die Schallwände haben übrigens ein leichtes Untermaß, damit das äußere Gehäuse wirklich dicht ist und sich die schrägen inneren Wände korrekt ausrichten lassen. Durch die Mumpe füllt sich der kleine Spalt.
Nochmal schauen, dass alles passt:
Dann ging es an die Rückwand. Neben der Aufgabe das Gehäuse dicht abzuschließen, müssen hier die elektrischen Anschlüsse ran und weil am Gehäuse kein Platz für Griffe ist (die Tiefmitteltöner lassen sich sonst nicht montieren) und ich mich ohne Griff unwohl fühle, sollte der auch noch hinten ran.
Weil ich keine Lust hatte mir eine Frässchablone dafür zu bauen, habe ich die Variante Löcher mit Forstnerbohrer, Gerade Ausschnitte mit Stichsäge und gerundete Kanten mit Fräse, entschieden. Wird nicht ganz so genau, fällt dahinten aber auch nicht weiter auf.
Die Neutrikbuchsen (4-polig für aktive Ansteuerung, zwei Stück parallel) sitzen dann in der Griffschale, so dass nachher der komplette Stecker darin verschwindet und später ein geringer Wandabstand ermöglicht wird.
Weiter geht es mit Kunsstoff/Harz, die TMT-Hörner müssen gebaut werden. Hier habe ich mich für Positivbauweise entschieden, weil ich keine Negativform bauen wollte. Nachteil: das wird weniger genau und bedeutet dafür mehr Spachtelarbeit.
Oben ist schon ein Teil der Styrodurkerne zu sehen. Die Grundlage der Hörner sind diese Kerne für die ich Styroduplatten mit Mumpe verklebt habe und dann in Form geschliffen habe. Schleifen ist da ein Stichwort, im Weiteren ist das immer kleben, schleifen, schleifen, schleifen...
Das sind die äußeren vertikalen Hornseiten (links) und die oberen und unteren Hornseiten.
Zusammen sieht das so aus:
Dann mit GFK belegen, dazu das Styrodur mit einem Nagelbrett lochen, Mumpe als Kupplungsschicht und dann drei Lagen 280 g/m² Köper und 1 Lage 25g/m² Leinen und darauf Abreißgewebe damit es danach einfacher wird weiterzuarbeiten.
Nach dem Aushärten kommt schleifen:
Bevor es mit Glas weitergeht, wurde die Außenkontur des Holzgehäuses mit dem Bandschleifer angepasst. Das dient dazu die Außenbreite zu verringern
Hier noch ein Blick ins Innere
Weiter ing es mit einer weiteren Lage 280er + 25er um die durchgeschliffenen Stellen abzudecken
Und nach dem Aushärten kommt wieder Schleifen...
Achso, hier wird alles mit hartem Schleifklotz geschliffen, erst 40er und 80er Korn. Das muss alles trocken geschliffen werden. Nass geht erst, wenn das Glas wirklich abgedeckt ist..
Hier noch eine Abbildung des Übergangs vom TMT-Horn zum HT-Horn. Das HT-Horn konnte ich nicht ganz einkleben damit es herausnehmbar bleibt. Aber der Spalt sollte möglichst verschwinden.
Nächster Schritt ist Spachteln mit tixothropiertem Harz und Microballoons (mikrofeine Glasbubbles)
Aushärten lassen und Schlleifen...nass erst 80er, dann 120er, 180er
Darauf dann eine Schicht thixotropiertes Harz. Achso, Thixotropiermittel ist Aerosil.
Dann wieder schleifen, nass 180er, 240er und 400er Korn und immer noch auf hartem Klotz.
Dann folgt noch Polyesterspachtel für letzte kleine Dellen, Einschleifen nass mit 240er und 400er.
Und dann kommt Lack,
...der dann wieder eingeschliffen wird:
Da hat sich gezeigt, dass ich eine Reparaturstelle hatte. Die wurde mit Gewebe, Mumpe und Glasspachtel gefixt. Bei der Gelegenheit habe ich noch am Holzgehäuse alle Stoßkanten abgespachtelt.
Als das dann eingeschliffen und getrocknet war, konnte endlich Farbe aufs Holz. Erst zwei Anstriche Lacklasur blau, Kanten schwarz, anschließend mit thixotropem Harz als Lack mit der Rolle abgedeckt (gibt eine feine Struktur...). So sind die anderen Boxen im WoZi-Heimkino ebenfalls lackiert, so passt das dann gut zusammen.
Treiber montieren, dämpfen und konnte ich messen.
So sieht das aktuell aus. Der Lack im Horn ist noch nicht endültig, da sind noch Stellen zu verbessern.
Das kommt dann noch. Erst mal geht es elektroakustisch weiter.
Wie eingangs erwähnt konnte ich am Samstag draußen messen und damit würde es im nächsten Teil weitergehen.
Bis dahin freue ich mich über eventuelle Anmerkungen, Fragen, Kommentare etc.
hier soll es nun mit der elektroakustischen Betrachtung weitergehen.
Ende September gab es ja nochmal schönes Wetter um draußen zu messen. Dabei habe ich die Daten der einzelnen Wege gemessen um Daten für die Simulation des gesamten Übertragungsverhaltens zu gewinnen.
Erst mal zur Messtechnik, falls das relevant sein sollte:
Mikrofon: MTG MK201 auf MV203 an MN921. (Meine 201er Kapseln waren zu Jahresbeginn in Gefell zur Wartung und Werkskalibrierung. Ich kalibriere die vor Ort mit Pistonfon PF101unter Beachtung des statischen Luftdrucks und der Höhe - bei mir 600 m. Mikrofonheizung eingeschaltet, Hochpass aus.)
Soundkarte: RME Babyface
Messverstärker: Crest VS900 (alte Class AB Endstufe mit extrem lauten Lüfter...250W@8Ohm / 450W@4Ohm / 550W@2Ohm; 105 dB Störabstand A-bewertet an 4Ohm bei Vollaussteuerung).
SW: Arta 1.9.7
Gemessen wurde, wenn nicht anders angegeben bei 2,83V gemessen an 8Ohm Lastwiderstand.
Die Box wurde zunächst im Freifeld auf Stativ gemessen in 1 m Abstand gemessen. Der Abstand wurde später vergrößert und auch die akustische Umgebung habe ich variiert. Dazu kommen wir gleich.
So sieht das dann zunächst aus:
Die dabei ermittelten Frequenzgänge sehen wie folgt aus:
Soweit erst mal wenig überraschend. Das war ja aus den Vorversuchen und Simulationen schon bekannt. Der Tiefmitteltöner steigt bis 530 Hz sehr linear mit 9dB/oct (also Ordnung 1,5) an, um dann zu fallen.
Es zeigt sich eine Senke/Delle bei 800Hz und schmalbandige Einbrüche bei 1800 Hz und 2800 Hz. Die Empfindlichkeit/Wirkungsgrad ist soweit recht anständig und bestätigt die Simulationen (aber wie da bereits geschrieben, lässt sich mit einem echten Horn bei größerem Volumen mehr rausholen). Wenn man die nominale elektr. Belastbarkeit der TMT zugrunde legt, liegt der max. Pegel dann nochmal 27 dB höher (+30 dB bei 1kW-3dB wg. 4Ohm). Das sollte also gut ausreichen.
Insgesamt liegen gute Voraussetzungen für die Entzerrung vor. Mit einem breitbandigen Hauptfilter sollte sich bereits ein weitgehend ausgeglichener Frequenzgang einstellen lassen.
Der Anstieg von 9 dB/oct resultiert einerseits aus der geringen Einbaugüte der TMT im geschlossenen Gehäuse und den Hornblenden, die zum Maximum bei 530 Hz führen. Die Senke bei 800 Hz trübt das Bild etwas. Aus den Messungen des rohen TMT im 8l Testgehäuse war aber bereits deren Existenz bekannt. Nun könnte ich noch mit Phaseplugs experimentieren um dort durch mechanische Filter anzuheben. Mal sehen, erst mal mache ich mit dem aktuellen Stand weiter.
Was erst jetzt mit dem realen Gehäuse möglich war, ist die Messung des Impedanzfrequenzgangs der TMT, die unten gezeigt ist.
Die Einbauresonanzfrequenz liegt bei 110 Hz. Die Einbaugüte bei 0,5. Das geschlossene Gehäusevolumen der Rückkammer beträgt 23 l.
Die Resonanz bei 500 Hz stammt vom Horn, ansonsten ist soweit alles sauber.
Zum Hochtöner schreibe ich jetzt nichts weiter, das ist alles so wie bereits bekannt.
Interessant ist jetzt noch das Abklingspektrum, v.a. wieder bei den TMT, da sich dann klären lässt ob man die Senke um 800 Hz elektrisch korrigieren kann.
Daher nachfolgend die folgenden Abildungen zum periodenbasierten Zerfall:
Bei den TMT sieht das doch gut aus-zumindest scheint eine aktive Anhebung bei 800 Hz durchaus möglich zu sein.
Beim HT sieht das wie bereits bekannt aus: die Membranresonanzen oberhalb von 13 kHz fallen auf. Ansonsten soweit auch OK.
Dann noch zu den THD an 2,83V:
Auch hier sieht soweit alles gut aus. Bei der Interpretation muss man natürlich die erforderliche Entzerrung berücksichtigen. Dann werden die THD v.a. der TMT im Mitteltonbereich entsprechend abgesenkt. Die sind so schon gering (<0,1%).
Beim HT zeigt sich das typ. Bild eines Komperssionstreibers mit erhöhtem K2, der zu höheren Frequenzen ansteigt. Aber K2 bei 1kHz und 110 dB von 0,5% ist durchaus OK. K3 und höher entsprechend noch weit geringer. Insgesamt ist die anvisierte Trennfrequenz um 750 Hz durchaus machbar.
Für den TMT habe ich noch die Kurvenschar der Amplituden und THD für Eingangsspannungen bis 20V gemessen (100W für die TMT) und die zu erwartenden K2 und K3 bei Trennungen von 100 Hz und 750 Hz simuliert. Die Messungen fanden wegen der hohen Pegel von >130 dB im Maximum, jedoch indoor statt.
Das Ergebnis ist unten für 110dB und 120dB gezeigt. Dabei ist zu beachten, dass wegen der Indoormessung und fehlenden Gates Störungen durch Reflexionen vorhanden sind. Das betrifft die Spitzen bei 110Hz und 210 Hz, die real so nicht das sind.
Im Mittelton (ab 200 Hz) auch bei 120dB unter 0,5%! Und auch bis 100Hz hinab nur moderat ansteigend. D.h. soweit alles gut, die gesetzten Pegelziele scheinen also erreichbar zu sein.
Dann habe ich auf dem Stativ noch die Richtwirkung gemessen.
Der Messabstand wurde auf 1,7 m erhöht und ich habe zur Verringerung von Windeinflüssen den Nasenkonus auf das Messmikro geschraubt (senkt Störungen um ~20dB ab), allerdings muss dann eine Frequenzgangkorrektur anwenden (ist bekannt, aber wenn wenn ich die Kapseln normal verwende, sind die linear genug, um ohne Frequenzgangkorrektur zu messen).
Die Ergebnisse sind im Vollkreis horizontal für TMT und HT nachfolgend dargestellt.
Der HT ist soweit bereits bekannt. Die TMT entsprechen dem Verhalten aus der Simulation und der Messungen aus den Vorversuchen mit dem Steckbrettproto.
Die Herausforderung wird darin bestehen hier ein weitgehend ausgeglichenes Verhalten in der Kombination von TMT und HT zu erreichen. Das kommt dann noch.
Schließlich habe ich noch eine Amplitudenfrequenzgangmessung unter Bedingungen, die den späteren Einsatzbedingungen entsprechen, durchgeführt. D.h. die Box soll ja über die Leinwand and die Wand unter der Decke, also 1pi, bzw. in einer Raumkante.
Die entsprechende 'Draußenmessung' sieht wie folgt aus:
Das Ergebnis im Vergleich zum Freifeld sieht wie folgt aus (mit Pegelanpassung):
Es zeigt sich eine leichte Welligkeit auf der ansteigenden Flanke, resultierend aus dem Abstand der TMT zur Wand und Boden. Unter 100Hz zeigt sich eine Pegelerhöhung um 190Hz eine Senke. Gut, das nehme ich erst mal so mit. Wenn alles so klappt, wie ich mir das vorstelle, stört das nicht sonderlich. Wir werden sehen...
Gut, zusammenfassend lässt sich sagen, dass es keine großen Überraschungen gibt bzw. die Messungen den Erwartungen entsprechen oder die Simulationen und Vorversuche eben bestätigt wurden. Bis dahin sieht es so aus, als wenn die eingangs gestellten Anforderungen erreicht werden können.
Es liegen nun die Daten zum Füttern von Vituixcad und MATLAB vor.
Mit den Simulationen und entsprechenden Messungen soll es dann weiter gehen.
Bis dahin freue ich mich über evtl. Rückmeldungen, Anmerkungen, Fragen, etc.
in der letzten Zeit habe ich mich mit der Erstellung des Controller-Presets beschäftigt und möchte den aktuellen Stand zeigen. Zunächst geht es nur um die Trennung von TMT und HT, also noch ohne Anbindung an die Bässe.
Die Filtertopologie ergibt sich aus den Einzelmessungen gedanklich jeweils so, dass ein breitbandiger Hauptfilter (PEQ) mit starker Absenkung den Frequenzgang begradigt. Dieser wird ggf. von weiteren Filtern unterstützt.
Idealerweise sollte der Frequenzgang für Filter 4.O. bis eine Oktave über die angepeilte Trennfrequenz hinaus linearisiert werden. Ich bin vom Ideal v.a. beim HT etwas abgewichen, wie ich noch zeige.
Auf den linearisierten Frequenzgang werden dann eine Pegelanpassung und die HP-/TP-Filter angewandt.
Wieder ideal erfolgt eine Laufzeitanpassung, so, dass die Phasenverläufe von HT und TMT im Übergangsbereich deckungsgleich sind. Auch hier bin ich abgewichen, wie ich noch zeige.
Startpunkt war für mich den Achsenfrequenzgang in MATLAB zu laden und mit einem kleinen Tool, welches ich mir vor fast 20 Jahren gebaut habe, die Filterkennwerte abzuleiten. Das ist in seinen Möglichkeiten zwar eingeschränkt, erlaubt aber deutlich schneller als direkt in Vituixcad zu Startwerten für die ausführliche Simulation in Vituixcad zu kommen.
Dazu passe ich den Filter zunächst mit Anhebung soweit an, dass er möglichst gut mit dem zu korrigierenden Bereich übereinstimmt. Das sieht dann so aus:
Mit Änderung des Vorzeichens am Filtergain wird er dann angewandt:
Das wird dann fortgesetzt, bis das Ergebnis soweit passt. Hier sind es für den TMT zwei PEQ und an den Rändern des Übertragungsbereiches ein Low bzw. Highshelv:
Das gleiche Spiel beim Hochtöner:
Hier sind es drei PEQ und ein LS zum Anheben der unteren Flanke. Für eine Trennung bei 750 Hz hätte ich bis 375 Hz begradigen müssen. Ich habe jetzt nur bis 500 Hz ausgeglichen, einfach wegen Bedenken hinsichtlich der elektr. Belastung. Obwohl die Simulation des Klirrverhaltens vorab ja zeigte, dass auch mit Hinbiegen auf ideales Verhalten die Verzerrungen noch im Rahmen bleiben müssten.
Im Ergebnis sieht das so aus.
Insgesamt sieht das für den Achsenfrequenzgang dann so aus (hier ist der Bass mal mit dabei, aber denn vergessen wir dann erst mal wieder):
Die so gewonnenen Parameter dienen als Startwert für die Simulation in Vituixcad, in der dann auch Energiefrequenzgang, bzw. das Verhalten unter Winkeln mit berücksichtigt wird.
Debei haben sich einige leichte Anpassungen ergeben, die Grundstruktur bleibt aber. Das sieht das wie folgt aus:
Für die Trennung werden linearphasige Filter verwendet, so dass sich eine sehr geringe Gruppenlaufzeit ergibt. In der Simulation sind das eben linearphasige Filter, im Conroller wird das später das, was Linea Research als Linear Impulse Response Filter bezeichnet. Nach meinem Verständnis ist das ein IIR auf begrenzten Teilstücken, so dass sich insgesamt eben ein FIR-Filter ergibt. Laut Hersteller (Linea Research) soll der Vorteile in der Totzeit gegenüber klassischen linearphasigen Filtern haben...
Ansonsten sind die Filterverstärkungen im Rahmen. Insbesondere für den TMT erfolgt im Bereich der unteren Trennfrequenz (da wo später der Bass anschließt) eine Anhebung. Die ist so festgelegt, dass bei max. Eingangsleistung (ca. 1kW) der max. Hub gerade nicht überschritten wird.
In diesen Darstellungen ist jetzt primär die Horizontale berücksichtigt, da diese wegen der beiden nebeneinanderliegenden TMT die schwierigere ist. Und in der Tat ist der Einfluss durch die nebenanderliegenden TMT in der horizontalen Abstrahlung durchaus sichtbar, bleibt letztlich aber begrenzt. Die Einschnürung der -6dB-Kurve bleibt auf ca. 60° begrenz. Der mittlere Abstrahlwinkel (-6dB) liegt bei 80°. D.h. die eingangs gestellte Anforderung an die max. Abweichung (+/-30°) wird wohl erfüllt. Die gewünschte max. Abweichung (+/-15°) wird im Bereich der Einschnürung nicht erfüllt, aber im sonstigen Frequenzbereich durchaus. Damit kann ich ert mal leben.
Um zu diesem Ergebnis zu kommen, musste ich mit den Laufzeiten zwischen TMT und HT vom Ideal etwas abweichen. Überhaupt ist es so, dass ein bestmöglicher Kompromiss zwischen der Aufweitung des HT-Horn unter 1kHz und der Einschnürung und der Nebenkeule der TMT gefunden werden muss. Die Parameter, die hier zur Verfügung stehen, sind die Amplituden der Einzeltreiber und die Laufzeiten (Phasen). Primäerer Faktor ist die Lage der Trennfrequenz. Hier hat sich den Trennung bei 750 Hz als ideal herausgestellt. Die weiteren Möglichkeiten der Amplitudenanpassung sind eingeschränkt, da ja ein ausgeglichener Frequenzgang angestrebt wird. Bleibt die Phase / Laufzeit. Im Prinzip ähnlich wie bei Antennenarrays in der HF-Technik...
Was sich bei Verbesserung des Abstrahlverhaltens durch Laufzeitanpassung positiv bemerkbar macht, stört u.U. bei der Gruppenlaufzeit, die sich dann im Bereich der Trennfrequenz verschlechtert. Das sieht man in den Abbildungen an der Welligkeit. Ideal wäre eine durchgezogene Linie.
Um nun die Einstellungen am Controller vorzunehmen, habe ich die Frequenzgänge, die sich unter Anwendung der jeweiligen Filter ergeben, aus Vituixcad exportiert, so dass ich sie in Arta als Target laden kann. Hintergrund ist, dass reale Controller ggf. spezifische Algorithmenimplementierungen haben, die von den Lehrbüchern abweichen. Die Lehrbuchfilter sind in Vituixcad mit dem 'Generic' DSP erzielbar. Eine Reihe praktischer Ausführungen von Controllern ist in Vituixcad vorhanden. Aber nicht der von mir genutzte ASC-48F, so dass ich eben durch Messung die Einstellungen kontrolliere. Der Filterausgang ist dabei statt des Messmikrofons mit dem Soundkarteneingang verbunden.
Gut, das ist dann straightforward: solange an der Filtergüte drehen, biss sich die gemessene Kurve mit dem Target deckt. Beispielhaft ist das in nachfolgender Abbildung gezeigt:
Im Ergebnis liegt damit ein Controllersetup vor, mit dem es dann an die akustischen Messungen gehen kann.
Diese liegen inzwischen auch vor. V.a. wurden zig Varianten durchgespielt. Neben anderen Vorteilen ist die einfache Umsetzung und Untersuchung von Varianten auch einer bei der Verwendung eines DSP.
Auf die akustischen Messunge werde ich dann im nächsten Teil eingehen.
Bis dahin würde mich durchaus interessieren, wo ihr anders vorgegangen wärt, sei es im allgemeinen Vorgehen oder im Speziellen, z.B. bei der Filtertopologie?
Viele Grüße
André
Edit: Abbildungen neu eingefügt - die waren im Beitrag verschwunden.
im Anschluss an die Erstellung des Controllersetups wurden die elektroakustischen Eigenschaften messtechnisch ermittelt bzw. überprüft. In Realität wurde dann aber doch etwas iteriert, d.h. es wurden verschiedene Varianten mit jeweils leicht modifizierten Parametern vorher simuliert und dann gemessen. Die ganzen Variationen will ich aber gar nicht darstellen, sondern den Fokus auf die zu den im letzten Beitrag gezeigte Simulation legen.
Gestern war das Wetter auch ganz gut, so dass ich nochmal draußen messen konnte und die Ergebnisse der Indoormessungen ergänzen konnte. Indoormessungen sind ja immer etwas kompromissbehaftet (entweder Gatelänge oder akustische Umgebung und Vergleichbarkeit).
Und obwohl ich zwischendurch auch immer schon mal reingehört habe, lass ich das auch weg. Es soll nur um die Messergebnisse im Vergleich zu den Anfangs aufgestellten Anforderungen gehen, d.h. die Verifikation ('Habe ich die Box richtig gebaut'). Die Validierung ('Habe ich die richtige Box gebaut') kommt dann nach Integration in das gesamte Setup und da kommen dann die Höreindrücke.
Amplituden- und Phasenfrequenzgang
Zunächst sind nachfolgend die Frequenzgänge der Einzeltreiber mit Filter und Summenfrequenzgang, jeweils für Amplitude und ak. Phase sowie die Gruppenlaufzeit gezeigt.
In rot ist der Summenfrequenzgang, blau der des Hochtöners und grün der Tiefmitteltöner abgebildet. Für den Amplitudenfrequenzgang des TMT und der Summe ist die Frefeldkorrektur ergänzend mit dargestellt.
Frequenzganglinearität ist bei einem DSP-gefilterten System jetzt nicht so aufregend - ist eben weitgehend linear. Für die Messungen ist ein Hochpass bei 114 Hz gesetzt (der wird später für den Übergang zum Bass aber angepasst). Die Filter sind die im Simulationsteil bereits erwähnten LIR Filter.
Interessant ist vielleicht das Phasenverhalten. Das ist in der Abbildung in Referenz zum HT dargestellt. Der Phasengang der Summe ist ziemlich linear (linearphasiges System eben). Einzig eine Beule um 1kHz fällt auf. Die ergibt sich aus den im Übergangsbereich zwischen HT und TMT unterschiedlichen Steigungen der Phase über der Frequenz, welche wiederum auf der Laufzeitanpassung zur Modifikation der Richtcharakteristik beruht.
Der gemessene Phasenfrequenzgang im Vergleich zur Minimumphase ist unten gezeigt.
Dabei ist zu sehen, dass die gemessene Phase sehr nah am Idealfall der Minimumphase verläuft.
Die im Phasenverlauf sichtbare Beule schlägt sich auch in der Gruppenlaufzeit nieder. Der Anstieg des GD im Bass relativiert sich, wenn der Bass (ebenfalls mit LIR) dazukommt.
Insgesamt ist die Gruppenlaufzeit aber schön niedrig und ausreichend gleichmäßig. Im Vergleich zum als Anforderung aufgestellten Leckschat-Kriterium ist da ein deutlicher Abstand zu sehen.
Eine kleine Anmerkung noch: die Messungen oben stammen aus einer Indoor-GP-Messung. Die Messung unten wurde draußen auf Stativ gemessen. Daher dazu zum Vergleich noch die entsprechende Amplitudenfrequenzgangmessung (mit und ohne Gate)
Zerfallsspektrum In unten stehender Abbildung ist das periodenbasierte Zerfallsspektrum abgebildet.
Darin ist einzig die bereits bekannte Membranresonanz des Hochtöners sichtbar. Ansonsten ist das Abklingen sehr sauber und resonanzfrei.
Richtcharakteristik
Nachfolgend gehe ich auf das Richtverhalten ein. Zunächst zeige ich eine Abbildung in der der bereits erwähnte Einfluss des Delays (in diesem Fall des HT) auf horizontale Richtwirkung gezeigt ist. Die zugehörigen Messungen erfolgten Indoor.
Für diese Abbildung wurden der -6dB-Winkel und Directivity Index (DI) aus Arta exportiert und in MATLAB ausgewertet. Diese beiden Kennwerte, -6dB-Winkel und DI erlauben einen guten numerischen Vergleich (hier über Mittelwert und Standardabweichung der Schwankung von Winkel bzw. DI), viel einfacher als die Interpretation der Polardiagramme oder Spinoramas.
Der -6dB-Winkel erlaubt dabei eine Aussage über das Verhalten im nominalen Abstrahlbereich, während der DI im Zusammenhang mit der gesamt abgestrahlten Energie über alle Winkel steht. Daher sollte eben auch die rückwärtige (bis 180°) Charakteristik gemessen werden.
Man kann schön sehen, dass sich über geeignete Laufzeitanpassung ein gewisser Feinschliff erzielen lässt.
Die letztlich gewählte Abstimmung stellt sich wie folgt dar. Die Messungen wurden draußen auf Stativ mit 2m Abstand zwischen Mikro und Box vorgenommen.
In blau ist dabei die Horizontal, in orange die Vertikale gezeigt. Dabei sind zusätzlich die Grenzen gemäß der eingangs aufgestellten Anforderungen (+/-15° und +/-30°) dargestellt.
Die mittlere horizontale Breite der Abstrahlung (-6dB) beträgt 73°. Das HT Horn hat eine nominale Abstrahlung von 80° und die werden in dessen Wirkungsbereich auch gut eingehalten. Die Abweichung des Mittelwertes resultiert aus der Verringerung der Abstrahlbreite im Bereich der TMT durch deren nebeneinanderliegende Anordnung. Insgesamt fällt diese Einschnürung aber vergleichsweise gering aus. Das +/-15°-Kriterium wird eingehalten und eine Standardabweichung des horizontalen Abstrahlwinkels von nur 10° sind gute Ergebnisse.
Im DI zeigt sich ein Maximum der Bündelung bei 800Hz. Das resultiert wieder aus der TMT Anordnung und der starken Auslöschung (starke Bündelung) außerhalb des nominalen Abstrahlwinkelbereichs (sieht man in der unten gezeigten Polarmap). Aber auch hier ist die Standardabweichung mit 0,6dB recht gering.
In der Vertikalen zeigt sich ein insgesamt zunehmendes Bündelungsverhalten. Der mittlere Abstrahlwinkel ab 1kHz beträgt 76°. Die Standardabweichung 16°. Das +/-15°-Kriterium wird in der Vertikalen nicht eingehalten. Das +/-30°-Kriterium jedoch durchaus.
Die zugehörigen Polarmaps sind unten gezeigt.
In der Horizontalen ist die Einschnürung im Bereich der Trennfrequenz erkennbar. Aber insgesamt verläuft das recht ausgewogen. In der Vertikalen sieht man die zunehmende Bündelung zu hohen Frequenzen.
Verzerrungsverhalten Dazu sollen einige unterschiedliche Darstellungen dienen.
Zunächst die Darstellung von K2 und K3 bei verschiedenen Pegeln. Zunächst für geringe Pegel von 87dB und 95dB. 'Gering' deswegen, weil die Verzerrungen hier nur schwer messbar sind, da sie so gering ausfallen und daher alles Mögliche (Lüfterrauschen der Messendstufe, Umgebung etc) gemessen werden, aber eben kaum das, was der Lautsprecher beisteuert. Gemessen habe ich das wegen des besseren Störabstandes mit Steps. Die Messungen erfolgten Indoor und enthalten daher Raumeinflüsse.
Nachfolgende Abbildungen zeigen die dabei ermittelten Werte bei 87dB und 95 dB jeweils in Amplituden- und Prozentdarstellung:
Da diese Messungen nur bedingt aussagekräftig für das Pegelvermögen der Box sind, wurde eine Messreihe (ebenfalls Indoor) für Pegel von 105dB bis 125dB (jeweils relativ zu 1m) mit Arta nach der Farina-Methode durchgeführt.
Im Überblick lässt sich das gut als K2- bzw. K3-Map, d.h. Verzerrung farbcodiert über Frequenz und Pegel, darstellen. Dazu wurden die Messungen aus Arta exportiert und in MATLAB ausgewertet. K2 wird dabei ab 0,5% und K3 ab 0,1% dargestellt. Die weißen Flächen zeigen daher Bereiche an denen diese Verzerrungen unterschritten werden.
Man sieht dabei sehr schön, wie die Verzerrungen mit den Pageln zunehmen. Im Mitteltonbereich sind die Verzerrungen bis zu sehr hohen Pegeln sehr gering. Man sieht auch, dass auch bei 125 dB noch sehr moderate Verzerrungen vorliegen.
Um gegen die Anforderung aus dem Eingangspost zu vergleichen, sind K2 und K3 gegen die festgelegten Kriterien nachfolgend gezeigt.
Die gesetzte Anforderung wird erfüllt.
Der Anstieg v.a. des K2 zu hohen Frequenzen ist typisch für Hörner. Die Werte sind jedoch ca. eine Größenordnung niedriger für den verwendeten 1,4" als für 1" (s. auch die Simu/Messung im früheren Post)
Insgesamt ist schon interessant, wie gering die Verzerrungen im Mittelton sind. Der B&C 10NW76 ist da schon gut, das gepaart mit den Hornblenden und der Absenkung des Pegels im Mittelton sorgt dann für ausgesprochen niedrige Verzerrungen.
Vielleicht noch eine Abbildung, die sich aus der gewonnenen Kurvebschaar gewinnen lässt: der max. Pegel für einen bestimmten Verzerrungswert, hier für max. 3% K2 und 1% K3, die unten im oberen Diagramm gezeigt ist. Das untere Diagramm dient der Bewertung der Messung (wurde der Pegelwert gemessen? Wurde der Klirrwert erreicht?):
Für 3% K2 und 1% K3 sind 125dB dann der resultierende Pegel.
Abschließend zum Verzerrungsverhalten noch die Messung der Total Distortion (also THD und IMD und alles was sonst noch vorhanden ist). Diese wurden mit der Arta Multitonanregung mit angewandtem EIA-426B-Filter gemessen. Das Filter entspricht weitgehend der spektralen Verteilung von Musik. Daher lässt sich so eine Aussage über die im Betrieb wahrnehmbaren gesamten Verzerrungen, treffen.
Für die Erstellung des Diagramms wurden die gemessenen Spektren aus Arta exportiert und in MATLAB die Anregung entfernt (die vertikalen Linien des MT-Spektrums) und über die verbleibenden Werte für jedes Anregungsintervall ausgewertet.
Hier wurden wieder verschuedene Pegel untersucht, beginnend bei einem RMS von 82 dB mit Peaks bei 94 dB (ergibt sich aus dem Crest der Anregung von 12 dB), bis RMS 107 dB mit Peak von 119 dB.
Für die Messung bei 82 dB ist der Pegel eigentlich schon zu gering. Bei höheren Pegeln sinken die Verzerrungen.
Auch hier zeigt sich das ausgesprochen niedrige Verzerrungsniveau. D.h. auch IMD tragen hier nicht bei. Bei dieser Messung bleiben die Verzerrungen unter 1%!
Unterm Strich lässt sich also festhalten: Das Ding kann laut, sogar sehr laut, ohne dass es grätzig klingt.
Fazit
Für das Fazit kopiere ich die Anforderungen aus dem Eingangspost hier rein und gebe eine Aussage zur Erfüllung an.
- Frequenzgang: MUSS: 180 Hz - 10 kHz; SOLLTE: 100 Hz - 20 kHz
MUSS und SOLLTE Bedingung erfüllt.
- Abstrahlung hor MUSS: min. 80° ab 1 Khz mit Abweichung min/max +/-30°, SOLLTE: min 80° ab 500 Hz mit Abweichung min/max +/-15°
Nominale Abstrahlung ist leicht geringer (v.a. ab 1kHz).
Schwankungsbreiten werden eingehalten.
Abweichung erscheint tolerabel und wird akzeptiert
- Abstrahlung vert: > 35° ab 1kHz...(s.o für Bedg.)
s.o., akzeptiert
- Gruppenlaufzeit: MUSS Leckschat-Kriterium indoor, SOLLTE: Leckschat-Kriterium Outdoor
MUSS und SOLLTE Bedingung erfüllt
- max SPL: MUSS: >120 dB@1m im gesamten Frequenzbereich; SOLLTE: >125 dB@1m im gesamten Frequenzbereich
MUSS und SOLLTE erfüllt
- THD: MUSS: K2 < 3% @ 120dB @ 1m; K3 < 1% @ 120 dB @ 1m für 200Hz<f<4kHZ & K2 < 10% @ 120dB @ 1m; K3 < 3% @ 120 dB @ 1m für 100Hz<f<200 && 4kHz<f<20kHz
Bedingung erfüllt
D.h. insgesamt passt das so.
Fortsetzung folgt, wie eingangs erwähnt mit der Integration und Validierung. Vorher geht es nochmal in die Werkstatt um die Lackierfehler auszubessern.
Anmerkungen, Fragen, Kommentare etc. bis dahin sind überaus willkommen.
Viele Grüße
André
Edit: komisch, die ersten Abbildungen waren wieder verschwunden. Neu eingefügt...
Donnerwetter, das Dinge verzerrt echt wenig. THD sind mir egal, aber die nicht-harmonischen Verzerrungen sind klasse.
Detail am Rande: ich bin erstaunt, dass Simulation und Realität bei dem MT-Horn so gut passen. Denn bei den Wellenlängen habe ich erheblich Zweifel, ob man mit der vereinfachten Methode aus Hornresp/AJHorn noch arbeiten darf. Aber scheinbar reicht es noch für ausreichend Ergebnisse.
Danke für die Rückmeldung. Genau, das Ding verzerrt wenig, was mich natürlich freut.
Wie ich das sehe folgt das aus Folgendem: Da ja IMD und THD voneinander abhängen, ergibt sich das. Man kann sich die IMD ja aus THD berechnen (muss ich irgendwann nochmal in MATLAB umsetzen...). Die Mischprodukte mit K3 fallen dann zwangsläufig recht gering aus, wenn K3 gering ist. Für die Mischprodukte mit K2 ist eigentlich nur der Differenzanteil relevant. Wegen der großen Bandbreite des Hochtöners ist das ja relevant, aber der Anteil der niedrigeren Frequenz ist ja schon gering, so dass das insgesamt eben auch wieder gering ausfällt...
Zu der Hornsimulation möchte ich anmerken, dass das grundsätzlich nicht schlecht aussieht, richtig. Aber: gezeigt wurde der Leistungsfrequenzgang in der Simulation. Wenn man sich den Achsenfrequenzgang simuliert, ergibt sich durchaus eine Abweichung. Meine Erfahrung ist aber, dass das auch im Bassbereich geschieht. Zumindest für meine Basshörner ergibt sich da eine Abweichung, während der Leistungsfrequenzgang ganz gut passt.
Für mich ist die Simulation aber nur ein Anhaltspunkt. Ich finde, dass man sich eben einfach bewusst sein muss, dass das 1P-Modell eben Einschränkungen hat.
Ja, ich bin sehr zufrieden, macht was es soll.
Das erinnert mich daran, dass ich mich noch aufraffen wollte den letzten Teil mit der Integration und Validierung zu posten...mach ich noch.