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Liebe Mitleserinnen, Mitleser, Foristinnen und Foristen,

wer sich von Euch in letzter Zeit mit dem Gedanken getragen hat, Mitglied unseres wunderbaren IGDH-Forums zu werden und die vorher an dieser Stelle beschriebene Prozedur dafür auf sich genommen hat, musste oftmals enttäuscht feststellen, dass von unserer Seite keine angemessene Reaktion erfolgte.

Dafür entschuldige ich mich im Namen des Vereins!

Es gibt massive technische Probleme mit der veralteten und mittlerweile sehr wackeligen Foren-Software und die Freischaltung neuer User ist deshalb momentan nicht mit angemessenem administrativem Aufwand möglich.

Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das Forum neu aufzusetzen und es sieht alles sehr vielversprechend aus.

Sobald es dies bezüglich Neuigkeiten, respektive einen Zeitplan gibt, lasse ich es Euch hier wissen.

Das wird auch für alle hier schon registrierten User wichtig sein, weil wir dann mit Euch den Umzug auf das neue Forum abstimmen werden.

Wir freuen uns sehr, wenn sich die geneigten Mitleserinnen und Mitleser, die sich bisher vergeblich um eine Freischaltung bemüht haben, nach der Neuaufsetzung abermals ein Herz fassen wollen und wir sie dann im neuen Forum willkommen heißen können.

Herzliche Grüße von Eurem ersten Vorsitzenden der IGDH

Rainer Feile
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  1. #1
    Chef Benutzer Benutzerbild von Christoph Gebhard
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    Standard Alte Liebe rostet nicht - Revelator auf breiter Schallwand mit Pappe darunter

    Hallo zusammen,

    die Idee für dieses Projekt kam - ehrlicherweise - durch John Devore-Lautsprecher: 2-Wege auf eher breite Schallwand mit großer Pappe und zu wenig Höhe. Also eigentlich eine maximal ungünstige Mischung aus Stand- und Kompaktlautsprecher. Zugegeben, John Devore ist nicht der einzige der das so macht (beispielsweise geht der beliebte CT230 in eine ähnliche Richtung) und ich habe mich mit seinen Lautsprechern im Detail auch gar nicht beschäftigt, geschweige denn, sie gehört. Sie waren nur der Impuls über ein optisch vergleichbares Projekt nachzudenken (wobei klar sein sollte, dass die breite Schallwand nicht nur Optik ist, sondern sich auch akustisch einiges ändert).

    In der Vergangenheit war mir wichtig, möglichst ausführlich und nachvollziehbar alle Details und den Verlauf der Entwicklung zu dokumentieren. Mittlerweile sehe ich das entspannter und ich kann mir eher vorstellen, immer mal wieder ein paar Häppchen rauszuhauen, so wie es in Zeiten von TikTok, Instagram und Co. üblich ist. Die Posts werden also eher kürzer, improvisierter und spontaner.


    Ok, auf geht´s. Eigentlich wollte ich einen etwas spleenigen Ansatz wählen wie kleines Bändchen mit großem Tieftöner, der fast breitbänder-typisch sehr hoch und sanft ausläuft, auch auf die Gefahr hin, dass die Kiste etwas soundet. Im Endeffekt ist die Chassiswahl dann doch relativ vernünftig geworden.

    Als gutmütig auslaufenden Tieftöner hatte ich eigentlich den 22er-Fiberglas-Bass der Discovery-Serie von Scan Speak im Auge, habe dann aber einen SB Acoustics SB23NRXS45-8 bei mir im Keller entdeckt, der zwar oben raus unruhiger läuft und im Mittelton etwas mehr klirrt, aber dafür im Grundton- und Bassbereich sehr nette Eigenschaften aufweist und das Klischee weich ausgehangene, leichte Pappe, die etwas mehr Volumen braucht, dafür aber schön tief geht, ausreichend bedient.

    Im Hochton fiel die Wahl ebenfalls auf ein Chassis, das bei mir im Keller lag. Ein Chassis, was fast 30 Jahre alt ist und Mitte der 90er/Jahrtausendwende lange Zeit Teil meiner/unserer Abhörlautsprecher war: Scan Speak D2905/990000, früher einfach nur Revelator genannt. Damals in einer Kombination mit dem nicht mehr erhältlichen Kevlarbass von Scan Speak (8546), entwickelt von Speaker Heaven.

    Zum einen passt die weiche Seidenkalotte natürlich in den konzeptionellen Ansatz, zum anderen ist die Frontplatte waveguide-ähnlich geformt und hat akustisch - wenig überraschend - auch entsprechenden Einfluss. Das kann man gut erkennen, wenn man die Winkelfrequenzgänge des Datenblattes mit dem des ansonsten baugleichen 970000 vergleicht. Die leichte Einschnürung zwischen 2 und 5kHz dürfte bei der Trennung mit einem 20er Bass nicht schaden.

    Die Revelators waren über viele Jahre täglich im Betrieb (sind also schon mehr als eingespielt), aber seit fast 20 Jahre von keinen Strom mehr durchflossen worden. Deswegen habe ich sie - bevor das Konzept konkret wurde - genau wie den SB23 mal kurz vors Messmikro gehalten. Die Ergebnisse folgen dann im nächsten Post, Fotos ebenso.

    Bis dahin, Christoph
    Geändert von Christoph Gebhard (11.01.2024 um 10:51 Uhr)

  2. #2
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    Hier mal ein Bild von den Revelators:



    Am Aufkleber erkennt man, dass sie nicht mehr ganz taufrisch sind (PW 478 dürfte 47ste Woche 1998 sein, also fast 25 Jahre alt).
    An der Impedanz hingegen nicht:



    Resonanzfrequenz knapp über 500Hz, Z Max >20 Ohm, nahezu deckungsgleiche Verläufe der beiden Exemplare. Das sieht dem aktuellen Datenblatt sehr ähnlich.

    Auffällig ist auch der flache Anstieg der Impedanz. Scan Speak nennt das SD2-Antrieb (den aus dieser Serie sonst nur der 970000er hat). Das ist schlicht eine Kupferkappe über dem Polkern.

    In der Q&D-Klirrmessung (Chassis nicht in Schallwand eingebaut, deswegen Grundwelle etwas wellig, Dist-Rise -10dB weil in 30cm Abstand gemessen) kann man dessen Wirkung gut sehen:



    K3 liegt bis 1500Hz runter zwischen 0,01% und 0,03% K2 knapp über 0,3%, K4 und K5 nicht relevant.
    Scan Speak hat schon vor 30 Jahren gute Antriebe gebaut und dem Chassis sieht man das Alter aus messtechnischer Sicht nicht an. Kann also wieder aktiviert werden...
    Geändert von Christoph Gebhard (11.01.2024 um 12:10 Uhr)

  3. #3
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    Hier etwas zum Tieftöner.

    Testgehäuse sah folgendermaßen aus (Hochtöner fürs Bild nur aufgelegt): 18 Liter geschlossen, 40x25cm Schallwand



    Klirr bei 90dB:



    Die 50dB-Linie ist 1%, die 30dB Linie 0,1%. Im Grundton sehr klirrarm, im Mittelton etwas höher, ohne dabei dramatisch schlecht zu sein.

    Vom Frequenzgang habe ich leider nur ein Bildschirmfoto:



    Die Stufe knapp über 1000Hz kommt zum Teil vom Chassis, zum Teil aber auch von der schmalen Schallwand.

    Hier eine VituixCad-Simu dazu:



    Blau ist der Frequenzgang in der obigen, 25cm schmalen schmalen Schallwand, orange ist der Frequenzgang in einer 71x35cm großen Schallwand, in der das Chassis in diesem Projekt später laufen wird (Fotos folgen).
    Die Schallwand linearisiert den Frequenzgang im Bereich von 1000Hz, den Mittelton und stärkt den Grundtonbereich.
    Der für die Simu zugrunde gelegter Frequenzgang ist aus der Hobby HiFi 2/17 getract, da die Herstellermessungen von SB Acoustics in einer IEC-Schallwand durchgeführt wurden.

    Volumentechnisch werde ich dem SB Acoustics 43 Liter geben, was eine Gehäusetiefe von 25cm zu Folge hat. Die 43 Liter sind in etwa die Untergrenze der Herstellerempfehlung für Bassreflexgehäuse.

    Hier die Simulation mit folgenden TSP:





    Blau ist 43 Liter geschlossen in unendlicher Schallwand (2Pi).
    Türkis ist 43 Liter Bassreflex mit 28 Hz Abstimmfrequenz ebenfalls in unendlicher Schallwand.
    Braun ist 43 Liter geschlossen in der geplanten 35x71cm Schallwand (4Pi).
    Violettblau ist 43 Liter Bassreflex mit 28 Hz Abstimmfrequenz ebenfalls in der geplanten 35x71cm Schallwand.
    Hellblau ist der Anteil des Bassreflexrohres.
    Alle Simulationen berücksichtigen den Einfluss der Schwingspuleninduktivität.
    Oberhalb von 1000Hz sieht man in den 4Pi-Simus auch gut die von den Schallwandabmessungen provozierte Stufe, die aber spiegelbildlich zur Stufe des Chassis verlaufen sollte.

    Die Abstimmung ist bewusst so gewählt, dass sich ein flacher Abfall zu tiefen Frequenzen ergibt, der mit dem Roomgain erfahrungsgemäß sehr gut harmoniert und Grenzfrequenzen um 30Hz erwarten lässt.
    Ob ich geschlossen oder Bassreflex baue, weiß ich noch gar nicht so genau. Ich probiere vermutlich erstmal geschlossen und wenn mir Druck fehlt, werde ich mir die knapp 3dB mehr Wirkungsgrad im Tiefbass gönnen. Oder was meint ihr?

    Ein paar Bilder von den ersten Klebungen folgen gleich auch noch. Dann habt ihr einen besseren Eindruck von den Dimensionen der Box.

    Schönen Gruß, Christoph

  4. #4
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    Hallo Christoph!
    GHP ist keine Lösung? Mal simuliert?
    Gruß
    Arnim

    Das Universum schuldet einem nichts.

  5. #5
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    Lächeln Wie, einfach ein Entwicklungsbericht?

    Hi Christoph,

    du willst hier einfach so deine Entwicklung dokumentieren? Wo kommen wir denn da hin, wenn nicht seitenlang diskutiert wird?
    Klappstuhl steht, freue mich!

    Grüße
    Chlang



  6. #6
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    Ja moin,

    Zitat Zitat von ArLo62 Beitrag anzeigen
    Hallo Christoph!
    GHP ist keine Lösung? Mal simuliert?
    Nein, war nie eine Option. Zum einen habe ich durch die breite Schallwand genug Volumenoptionen (ich hätte in der Tiefe auch noch Reserven und könnte 50-60 Liter hinter der Schallwand unterbringen), zum anderen möchte ich ja einen sanften Abfall zu tiefen Frequenzen. Ziel ist, den Druckkammereffekt des Raumes zu nutzen. Das geht mit steil abfallenden Kurven nicht. GHP macht den Frequenzgang "hackiger" und steiler.

    Zudem mag ich GHP nicht sonderlich. Das ist für mich ein Scheinriese. Den "gewonnenen" Schalldruck holt man aus einer größeren Belastung des Verstärkers, allerdings im Gegensatz zu einer aktiven Entzerrung mit einem Schwingkreis, der zwischen Kondensator und induktivem Anteil der Chassisimpedanz schwingt. Das ist für mich aus technischer Sicht eine Krücke. Kann man machen, ohne Not muss man es aber nicht.

    Zudem steht auch noch nicht fest, ob ich die Box aktiv oder passiv betreibe. Im Aktivbetrieb werde ich sowieso über den Bassbereich drüber bügeln und da spielen die 1-2dB Unterschied mit GHP eher eine untergeordnete Rolle. Im Bassbereich macht sowieso der Raum die Musik (siehe Begründung oben), weswegen ich dem theoretischen Streben nach dem tiefst möglichen f3 nicht mehr so viel Bedeutung wie früher beimesse.
    Ich glaube mit Raumeinfluss werden sich viele GHP-Konstruktionen vielleicht sogar ohne Kondensator besser messen und auch anhören

    Zitat Zitat von Chlang Beitrag anzeigen
    Hi Christoph,

    du willst hier einfach so deine Entwicklung dokumentieren?
    Ja. Doch. Schon. Wirkt irgendwie ein bisschen aus der Zeit gefallen, oder? Aber an Traditionen muss man festhalten. Ohne Doku im Forum würde mir auch was fehlen.

    Zitat Zitat von Chlang Beitrag anzeigen
    Wo kommen wir denn da hin, wenn nicht seitenlang diskutiert wird?
    Wir können auch gerne diskutieren Ich bin für alles offen, solange ich es noch ändern kann...


    Hier mal zwei Bilder vom aktuellen Baufortschritt.
    Als Holz habe ich mich für 22er MPX entschieden. Etwas anderes passte für mich nicht so wirklich in den Projektansatz, auch wenn MPX mittlerweile ein halbes Vermögen kostet.





    Gruß, Christoph

  7. #7
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    Standard

    Ich habe den Vormittag genutzt, um die Fräsungen zu machen:



    Wie man erkennen kann, ist der Hochtöner leicht asymmetrisch, um genau zu sein 25mm aus der Mitte heraus, platziert.
    Auch das habe ich im Vorfeld mit VituixCad mit dem Diffraction Tool simuliert. Dabei habe ich festgestellt, dass die Optimierung auf den 0°-Frequenzgang nur bedingt Sinn macht. Denn, wenn man sich dann die Frequenzgänge unter 10° oder 15° anschaut, sind die ähnlich zerklüftet wie bei mittiger Montage unter 0° (was auch kein Wunder ist, da die Weglängen von den Kanten dann wieder ähnlich lang sind).

    Da mir aber die Erfahrungswerte fehlen, unter welchem Winkel ich so eine breite Schallwand abhören werde, machte es für mich wenig Sinn den Frequenzgang auf einen bestimmten Winkel hin zu optimieren. Auch ob es mir mit Hochtöner außen oder innen besser gefällt, kann ich im Vorfeld nicht sagen. Deswegen habe ich die, mit dem Diffraction Tool simulierten, Winkel -30° bis +30° in das Hauptprogramm geladen, mir den Directivity Index angeschaut und dann den Versatz mit dem ausgewogensten Verlauf gewählt. Kurz gesagt: Bei 25mm Versatz aus der Mitte ist die Energieabgabe in den Winkel -30 bis 30° im Bereich von 1500Hz bis 6000Hz am linearsten. Diese Tendenz bleibt auch bestehen, wenn man die größeren Winkel mit einbezieht.

    Hier die Simulation im Vergleich zu mittiger Montage (olive) und 50mm Versatz (grün):


  8. #8
    Erfahrener Benutzer Benutzerbild von Chlang
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    Schick, Christoph!
    Zitat Zitat von Christoph Gebhard Beitrag anzeigen
    Hier die Simulation im Vergleich zu mittiger Montage (olive) und 50mm Versatz (grün):
    das letzte Fitzelchen willst du schon noch mitnehmen?

    Alternativ die Kanten zu bearbeiten ist optisch keine Option?
    Unterscheiden sich bei 25 mm Versatz die Frequentverläufe bei unterschiedlichen Abhörwinkeln nach links und rechts schon deutlich? Ich bilde mir ein, dass Kontrukte von mir, bei denen es so war, Probleme mit der räumlichen Darstellung hatten, sobald man nicht mehr exakt im Sweetspot gehört hat.
    Ah, Edith fragt, ob du die obere Kante auch in deine Überlegungen mit einbezogen hast.

    Grüße
    Chlang



  9. #9
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    Zitat Zitat von Chlang Beitrag anzeigen
    Schick, Christoph!

    das letzte Fitzelchen willst du schon noch mitnehmen?
    Alles eine Frage der Skalierung
    Ich wollte damit nur verdeutlichen, dass der Versatz des Hochtöners nicht auf einen bestimmten Winkel, sondern auf die Energieabgabe optimiert ist. Es ist natürlich eine reine theoretische Überlegung. Fühlt sich für mich aber erstmal so richtig an.

    Zitat Zitat von Chlang Beitrag anzeigen
    Alternativ die Kanten zu bearbeiten ist optisch keine Option?
    Schön, dass du Entwicklungsbericht und Diskussion mischen möchtest

    Und zu deiner Frage: Nein, das ist keine Option.
    Das Projekt ist bewusst ein Gegenentwurf zu dem, was ich zuletzt gebaut habe:

    - Gewebe/Papier statt Hartmembran
    - breite statt schmale Schallwand
    - etwas mehr Bündlung (durch Chassisdurchmesser, Wave, Schallwand) statt maximal breitstrahlend
    - harte statt abgerundete Kanten

    Es geht um Erfahrungen sammeln und Horizont erweitern.

    Es steht außer Frage, dass die Kanten solcher Schallwanddimensionen maximalen Ärger im hörempfindlichen Bereich machen. Aber es gibt halt auch sehr viele Lautsprecher, die diese "Probleme" haben und trotzdem einen guten Leumund besitzen, beispielsweise die im ersten Post erwähnte John Devore, die CT230 oder britische Monitorlautsprecher wie die diversen Rogers, Teilweise könnte man sogar den Eindruck gewinnen, dass Kanten ein bewusste Feature und kein Bug sind, wie z.B. bei Gauder oder den neueren Wilson Audio oder auch der LS3/5. Also dass die Diffraktion genutzt wird, um gewisse Effekte zu erzeugen, die ggf. positiv oder "besonders" wahrgenommen werden, auch wenn man das dann böswillig als Sounding bezeichnen könnte oder es vielleicht nur dazu dient, sich klanglich von der Konkurrenz zu unterscheiden.

    Zitat Zitat von Chlang Beitrag anzeigen
    Unterscheiden sich bei 25 mm Versatz die Frequentverläufe bei unterschiedlichen Abhörwinkeln nach links und rechts schon deutlich? Ich bilde mir ein, dass Kontrukte von mir, bei denen es so war, Probleme mit der räumlichen Darstellung hatten, sobald man nicht mehr exakt im Sweetspot gehört hat.
    Das möchte ich herausfinden. Deswegen war eine asymmetrische Montage auch am spannendsten. So habe ich zwei Richtungen zum Ausprobieren. Wenn alleine der Aspekt, dass der Hochtöner asymmetrisch sitzt, für deinen Eindruck verantwortlich ist, bin ich natürlich gelackmeiert.

    Ich konnte bei meinen 4-Wegern übrigens einen Zusammenhang zwischen Abstrahlverhalten und Räumlichkeitsempfinden nachweisen, hier dokumentiert. Die Relevanz würde ich deswegen niemals leugnen. Eher im Gegenteil.

    Zitat Zitat von Chlang Beitrag anzeigen
    Ah, Edith fragt, ob du die obere Kante auch in deine Überlegungen mit einbezogen hast.
    Der hauptsächliche Fokus lag darauf, für den Tieftöner eine passende Schallwandumgebung zu schaffen. Ich habe auch Simulationen mit Tieftöner am obere Ende der Schallwand durchgeführt (Hochtöner dann darunter und die Abhörposition entsprechend höher). Das war für den Tieftöner aber ungünstiger.

    Des weiteren habe ich meine speziellen Raumgegebenheiten in die Überlegungen einbezogen (niedrige Decke im Hörkeller). Da sind Grund-/Tieftöner mittig im Raum maximal ungünstig, da die gleichen Abstände zu Boden und Decke zu starken Auslöschungen und Überhöhungen im unteren Mittelton führen. Deswegen ist es auch ein denkbare Variante, die Box auf den Boden zu stellen und zur Hörposition zu kippen, vor allem wenn ich die Weiche passiv mache und keine Raumentzerrung möglich ist. Die tiefere Position des Tieftöners würde von der Rauminteraktion besser funktionieren. Das kann man übrigens auch mit VituixCad im Reiter "Room" simulieren .

    Kurz gesagt: Der Abstand zur oberen Kante war bis auf 1-2cm Varianz gegeben.

    Zur Veranschaulichung, was die Kanten veranstalten, hier mal die Simulation 0-90° nach rechts und nach links. Der Frequenzgang ist vom Herstellerdatenblatt getracet.
    Allerdings berücksichtigt die Simulation das flache Waveguide des Revelators nicht. Somit sollten die Diffraktioneffekte in der Praxis etwas harmloser sein, weil die Kanten durch die Bündlung nicht so stark "gesehen" werden. Aber das werden die Messungen zeigen...





    Gruß, Christoph

  10. #10
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    Standard Wohin mit dem Bassreflexrohr?

    Ein Bild von der Seite in die Box. Gehäuseteiler bzw. -versteifung ist nur reingelegt und noch nicht ausgeschnitten und auch die Schallwand ist fürs Foto nur hingestellt:



    Ich habe mich nun doch entschieden ein Bassreflexrohr zu verwenden. Verschließen kann man das ja immer noch. Überlegungen mit einem im Keller liegende W69-Passivmembran habe ich verworfen -> zu hohe Verluste.
    Als Rohr werde ich ein HP70 von Monacor nehmen. Das ist im ungekürzten Zustand 21,5cm lang, was eine Abstimmfrequenz von etwa 25Hz ergeben sollte. Angestrebt ist 28Hz, wofür das Rohr etwa 5cm gekürzt werden müsste. Kurz gesagt, das Rohr wird abzüglich der Wandstärke etwa 15-20cm weit in die Box ragen. Es würde in jeder Gehäusewand Platz finden: oben, unten, hinten, vorne und an beiden Seiten.

    An welcher Seite und in welcher Höhe würdet ihr es einbauen und warum?

  11. #11
    Vorsicht Ironie ...
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    Standard

    Falls das Rohr am TT vorbei passt, würde ich das Rohr a la Timmermanns nach unten vorne setzen. Die beiden Vorteile: Mitteltonmüll und Resonanz nicht nach vorne und Phasenversatz zum Treiber gering. Klingt logisch.
    Gemacht habe ich das noch nicht, aber symmetrische "Kiemen" links und rechts auf den Seiten, nahe am Chassis.
    Gruß Klaus

    Wer nicht bis drei zählen kann, muss es halt digital lösen !

  12. #12
    hört-zu Benutzerbild von Joern
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    Standard

    Zitat Zitat von Christoph Gebhard Beitrag anzeigen
    An welcher Seite und in welcher Höhe würdet ihr es einbauen und warum?
    Moin

    unten.
    Warum: Aurum Diskussionen und daraus abgeleitet: https://www.diy-hifi-forum.eu/forum/...l=1#post337447
    Und das Rohr erstmal in voller Länge lassen.
    Beste Grüße
    Jörn

    what the bleep do we ... - listen to ?

  13. #13
    Wenig Wissen viele Fragen Benutzerbild von SimonSambuca
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    Standard

    Schwierig mit dem BR Rohr da die Länge ja noch ein bisschen unklar ist. Da geht es von den Höhen/Tiefen Resos eng zu.

    Klicke auf die Grafik für eine größere Ansicht

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    Du hast ja jetzt das Volumen schon festgelegt, sonst hätte man auch im Notfall über "mehr Querschnitt / mehr Länge" auch in eine eventuell tiefere Region steuern können? (Wobei falls das überhaupt besser wäre). Und schräg einbauen ist bei so einem fertigen Rohr wohl auch nicht so leicht möglich. Unten wäre zumindest gar nicht schlecht wenn die 16,5cm passend wären.
    Grüße
    Simon

  14. #14
    Chef Benutzer Benutzerbild von Christoph Gebhard
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    Standard

    Moin,
    vielen Dank für eure Antworten

    Meine Überlegungen haben sich bis jetzt fast ausschließlich um die Effekte im Inneren gedreht.

    1. Ich würde gerne ein "Sichtschutz" zwischen Rohr und Chassis haben und dafür die Versteifung nutzen, so wie hier, weil sich die unerwünschten mittleren Frequenzen nicht so leicht darum beugen können wie der erwünschten tiefen. Für die Relevanz dieser Überlegung fehlen mir aber auch Belege.
    2. Ich möchte gerne die untere Hälfte (oder wenigstens das untere Drittel) ziemlich dicht bedämpfen, um die tiefste Stehwelle bei ca. 250Hz effektiv unterdrücken zu können (siehe Simu von Simon). Die Box ist von den Abmessungen zwar keine Standbox, aber halt doch etwas größer als normale Kompaktboxen, so dass ich die Gefahr einer dominanten Stehwelle schon gegeben ist. Einen IRR möchte ich nur im Notfall verwenden.
    3. Zudem soll das Rohr möglichst unempfänglich für die Stehwellen im Gehäuse sein und das dürfte am besten im Bereich minimalen Schalldrucks, also mittig im Gehäuse sein, vergleiche die Simulationen hier. Leider habe ich das Martin King Sheet nicht mehr (war auf dem alten Rechner). Kennt jemand eine aktuelle Quelle?

    Hinzu kommen die Überlegungen außerhalb der Box, die Klaus und Jörn aufgegriffen haben. BR-Rohr nach vorne ist für mich bei einer audiophilen Box sowieso tabu. Und jeder Zentimeter Tiefenversatz kostet (im Freifeld) durch den Phasenversatz Pegel, so dass an den vier Seiten effektiver als hinten sein sollte. Jörn möchte den Strahlungswiderstand des Bodens für eine Wirkungsgradsteigerung nutzen (wenn ich das richtig verstanden habe).

    Also habe ich fünf Argumente, die ich leider nicht alle unter einen Hut bekomme. Irgendeinen Kompromiss muss ich wohl eingehen...

    Gruß, Christoph

  15. #15
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    Den Sumpf kann man genauso gut oben machen und ein Rohr, was unten mündet, beginnt wahrscheinlich nahe der Höhenmitte. Soviel zu zwei deiner Argumente ...
    Gruß Klaus

    Wer nicht bis drei zählen kann, muss es halt digital lösen !

  16. #16
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    Zitat Zitat von mechanic Beitrag anzeigen
    Den Sumpf kann man genauso gut oben machen und ein Rohr, was unten mündet, beginnt wahrscheinlich nahe der Höhenmitte. Soviel zu zwei deiner Argumente ...
    Eben !
    ggf. doch einen Tick mehr Durchmesser ?
    Und Sumpf ist dann um das BR-Rohr "drumrum" sozusagen ...

    Das schöne ist: wenn Du unten ein Loch hast und das doch anders haben möchtest, klebst DU ein Brett drunter und deklarierst den als Fuß
    Viel Erfolg - werde das weiter verfolgen.
    Beste Grüße
    Jörn

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  17. #17
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    Zitat Zitat von Christoph Gebhard Beitrag anzeigen
    Hinzu kommen die Überlegungen außerhalb der Box, die Klaus und Jörn aufgegriffen haben. BR-Rohr nach vorne ist für mich bei einer audiophilen Box sowieso tabu. Und jeder Zentimeter Tiefenversatz kostet (im Freifeld) durch den Phasenversatz Pegel, so dass an den vier Seiten effektiver als hinten sein sollte
    Das ist der Punkt. Da der Lautsprecher ja vermutlich nicht für die Montage am Duisburger Fernmeldeturm vorgesehen ist, gerne ignorieren.

    Ansonsten: Spiel doch mal mit Akabak und variier die Position des Ports auf der Front. Wenn ich die Modenverteilung so sehe könnte das interessant werden.

  18. #18
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    Moin,

    ich habe mich schlussendlich entschieden das Rohr auf die Seite zu legen.
    So bekomme ich den Eingang des Rohres in allen drei Dimensionen am mittigsten ins Gehäuse und habe noch ein bisschen mehr Platz für den Sumpf.
    Zudem bekomme ich das Rohr sehr nah an den Teiler, der so aussieht:



    Hier mit angestellter Schallwand:



    In der Mitte des Teilers habe ich etwas "Fleisch" gelassen. Die Idee ist, dass das Rohr direkt dahinter endet und somit den direkten Weg zum Treiber blockiert. Der Effekt wird (in welchem Rahmen auch immer) nur bei kurzen Wellenlängen bzw. hohen Frequenzen funktionieren. Die langen Wellenlängen im Bass werden sich problemlos um den Teiler beugen.



    Das Rohr ist noch nicht gekürzt. Wenn ich es auf die simulierte Länge kürze, wird es direkt mittig hinter dem Teiler enden.

    Bei der Bedämpfung habe ich alle Wände mit Schwerschaum (davon hatte ich noch einiges im Keller liegen) bedeckt. Der Schaum ist vollflächig verklebt, was die Wände zusätzlich beruhigt bzw. deren Resonanzen zu tieferen Frequenzen drückt:



    Darauf dann Noppe:



    Die Sümpfe (unter dem Rohr und hinter dem Hochtöner) werden anhand von Messen und Hören am fertig verklebten Lautsprecher dimensioniert.
    Im Moment klebt die Schallwand. Ich denke, ich komme noch diese Woche dazu die ersten Messungen durchzuführen.

    Bis dahin...

  19. #19
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    Moin,

    heute morgen ein bisschen gemessen:





    Das Gehäuse ist so wie auf dem Bild in Beitrag 18 nur mit Schwerschaum und Noppe gefüllt. Das Rohr ist die ungekürzten 21,5cm lang.

    Impedanz:



    Simulation:



    Frequenzgang im Nahfeld:



    Simulation:



    Die Störung bei knapp unter 1000Hz kommt vom Chassis.
    Der Mitteltonmüll aus dem Reflexrohr ist schon angenehm gering. Die prägendste Störung bei 630Hz liegt knapp 20dB tiefer. Das dürfte die Stehwelle des Rohres sein.

    Impedanz stark gezoomt:



    Man sieht leichte Welligkeiten bei 150Hz, 240Hz und knapp unter 400Hz.

    Ausschwingen im Nahfeld direkt vor dem Chassis gemessen:



    Hier ist neben der 1000Hz-Chassisstörung eine Resonanz knapp unter 500Hz zu erkennen.

    Die 240Hz-Störung in der Impedanz ist die Stehwelle längs im Gehäuse. Die 480Hz-Resonanz im Ausschwingen dürfte deren Vielfache (1/4 Gehäusehöhe) sein. Da die Ausprägung harmlos ist, wird es keinen dichten Sumpf brauchen, um sie ruhig zu stellen. Da kann ich lieber etwas sparsamer bedämpfen. IRR oder IHA sind auch entbehrlich.

    Die Stehwellen in die anderen zwei Richtungen (Tiefe und Breite, siehe Simulation von Simon in Beitrag 13) spielen keine Rolle und sind schon ausreichend stark bedämpft.

    Große Boxen - große Probleme. Kleine Boxen - kleine Probleme.

    Die Herkunft der anderen zwei Welligkeiten im Impedanzgang erschließt sich mir nicht direkt. Die können extern (Ständer) oder vom Chassis kommen. Sie sind auch in der akustischen Ausprägung so harmlos, dass ich mich (erstmal?) nicht darum kümmern werde.

    Interessant ist natürlich noch die (nicht änderbare) Störung des Chassis knapp unter 1000Hz, die im Nahfeld und in der Impedanz ziemlich heftig (im Vergleich zu den Stehwellen im Gehäuse) durchschlägt.

    Im Fernfeld (ca. 50cm Abstand) schwingt das bei einer gefensterten Messung so aus:



    Das sieht schon viel harmloser aus.

    Der Frequenzgang im Fernfeld in verschiedenen Abständen (immer gleicher Pegel, gefenstert):



    Die Senke im Frequenzgang wird mit steigendem Abstand immer kleiner. Das liegt daran, dass die Schallwanddimensionen von mir so gewählt wurden, dass sie die Lücke bzw. Stufe im Frequenzgang auffüllen.
    Die Diffraction-Simulation habe ich auf Hörabstand 2,40 Meter durchgeführt. Ungefensterte Messungen im Raum zeigen ein sehr lineares Verhalten vom Grundton bis zu den Membranresonanzen.

    Gruß, Christoph
    Geändert von Christoph Gebhard (30.01.2024 um 15:07 Uhr)

  20. #20
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    Ich habe mal ein paar Messungen 0-60° für erste Frequenzweichensimulationen gemacht.
    Messabstand war 1 Meter, 2,83V, Mikro mittig genau an dem Punkt, wo sich die Körbe von Hoch- und Tieftöner berühren.

    Beide Treiber auf 0°:



    Hochtöner von 30° bis -30° in 10°-Schritten:



    Tieftöner von 30° bis -30° in 10°-Schritten:


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