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  1. #1
    Chef Benutzer Benutzerbild von Christoph Gebhard
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    Standard Ghettoblasterbastelei

    Hallo zusammen,

    parallel zu meinem 4-Wege-Projekt gehe ich schon lange mit dem Gedanken schwanger, einen eigenen mobilen Bluetooth-Lautsprecher zu bauen. Auslöser ist im Ursprung der YouTube-Kanal clavinetjunkie, wo regelmäßig Bluetooth-Lautsprecher über binaurale Aufnahmen vorgestellt werden. Diese Videos schaue ich mir immer mal wieder interessiert an. Tolle Seite und beeindruckende Arbeit übrigens.

    Vor knapp zwei Jahren habe ich mir dann durch die Klangeindrücke auf diesem Kanal auch einen Bluetooth-Speaker zugelegt und zwar den Vava Voom 20 mit zwei 2-Zoll-Breitbändern für damals 59€:

    Der Kaufimpuls wurde wohl eher durch Neugier und den Spieltrieb getriggert, unerwarteterweise ist die Kiste seitdem trotzdem regelmäßig im Gebrauch und verstaubt eben nicht in irgendeiner Ecke. Die fixe und unkomplizierte Möbilität bei brauchbarer Klangqualität ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Die Musikquelle Smartphone hat man ja sowieso immer dabei.

    Trotzdem kratzt das Abhören von Musik über eine Fertiglösung natürlich an der Ehre des Selbstbauers und somit möchte ich mich jetzt mal selbst probieren. Der Speaker soll nicht in direkter Konkurrenz zum Vava Voom stehen, sondern besser und lauter sein. Zu groß dürfen sie dabei nicht werden, sonst leidet die Mobilität, aber in der Größenordnung des Vava Voom sind die Limits durch das Gehäusevolumen einfach zu groß. Deswegen möchte ich von den Abmessungen irgendwo zwischen dem Vava Voom und dem klassischen Radiorecordern/Ghettoblastern des letzten Jahrtausends landen.

    Ein grundsätzliches Problem vieler mobiler Bluetooth-Lautsprecher ist der Kompromiß aus möglichst tiefer Basswiedergabe in möglichst kleinen Volumina. Das geht nur über Membranhub. Und genau der Hub wird zum Problem, wenn das Chassis auch noch die Mitten und Höhen übertragen muss. Das ist auch beim Vava Voom ohrenfällig. Trotz guter Tonalität und ganz passabler Basswiedergabe schwimmt das Klangbild knapp über Zimmerlautstärke auf. Selbst eine klassische 2-Wege-Lösung im Zwergenformat ist da nur bedingt besser. Der (Bass-)Hub killt schon bei gemäßigten Pegeln den Mittenklang. Also ist eine Subwoofer-Lösung für mich der einzigst sinnvolle Weg.

    Passiv möchte ich im Bass eigentlich ungern trennen (zu groß, zu teuer), deswegen habe ich mich nach 2.1 Verstärker-Modulen umgesehen und habe dieses Modell bestellt. Diese Module gibt es im Moment nur direkt aus Asien, Lieferzeit waren in meinem Fall ziemlich fixe 18 Tage und verzollt werden musste nichts. Da die E-Bay-Angebote sich darüber ausschweigen wie die eingebaute Frequenzweiche funktioniert, habe ich dem Modul heute mal auf den Zahn gefühlt. Ausnahmsweise gibt es die Messungen in Form eines Videos (die Diagramme als Bilder liefer ich aber nach):


    Bevor das Modul angekommen ist, habe ich die letzten Tage auch schon ein Prototyp zusammen gezimmert und diesen erstmal mit meiner Aktivelektronik aus dem Hörkeller angesteuert. Ein paar Bilder und Details zu den Erfahrungen mit dem Prototyp folgen in den nächsten Tagen. Das Subwooferchassis steht übrigens zu 90% fest. Es wird ein 13er-Langhuber (mit Passivmembran), im Mittelhochton ist eigentlich noch fast alles offen...

    Bis dann, Christoph
    Geändert von Christoph Gebhard (08.01.2019 um 10:39 Uhr)

  2. #2
    gibt's das auch von Sica Benutzerbild von Olaf_HH
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    Hallo Christoph,
    vielen Dank für den Test. Punktlandung für mich.
    Hatte mir gestern diverse dieser Module angeschaut, konnte mich aber nicht entscheiden eines zu bestellen.

    Dein Test hat mir die Entscheidung deutlich vereinfacht.
    Tipp, wenn man nicht in China kaufen will, audiophonics in Frankreich hat auch ähnlich aufgebaute Module
    Geändert von Olaf_HH (08.01.2019 um 04:58 Uhr)
    In Hamburg sagt man, Moin

    Olaf_HH

    Meine Lautsprecher Projekte auf IGDH:
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  3. #3
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    Das klingt interessant hier, stelle ich gleich mal meinen Klappstuhl auf.

  4. #4
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    Sollte es zu diesem Thema sogar nicht irgendwann ein Battle geben, das dann in der Versenkung wieder verschwunden ist? Ich glaube an sich hat die Idee schon so ziemlich jeden hier in seinen Bann gezogen...Musik für unterwegs...laut und mit Bass. Und leider auch genauso schnell wie sie kam auch wieder verworfen da man hier doch sehr schnell im "normalen" DIY an seine Grenzen stößt., mit adäquater Stromversorgung nebst Lademöglichkeit, sei nur eine Baustelle genannt.
    Die es aber leider auch in sich hat.

    Ich selbst habe auch zwei von diesen Boards herum liegen, die ich mir irgendwann einmal günstig abgeschossen hatte um damit eine kleine Desktoplösung zu verwirklichen.
    Wenn du (Christoph) im Laufe dieses Thread ausknobelst wie du die Unterwegs mit Strom betreibst, wäre ich ja schon fast geneigt die Desktop Idee noch einmal zu überdenken.

    Gruß Swany.

    P.s.: noch ein kleiner Zusatz, wenn man auf den geposteten Youtubelink geht ist in der Seitenleiste (jedenfalls bei mir) das als nächstes Video ;-).

    https://www.youtube.com/watch?v=AOhqnu7CmTE

    Nicht das es wirklichen Klangansprüchen genügen würde mit den nicht abstimmbaren Passivmembranen und der "sauber" getrennten Hochtonabteilung, aber als Ideengeber taugt das alle male.
    Geändert von Swansteini (08.01.2019 um 09:10 Uhr)

  5. #5
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    Sehr schön, dass sich dem Bereich kompakter, mobiler Lautsprecher mal jemand annimmt. Hatte ich auch schon lang vor.
    Vor allem bei der Passivmembran wird wohl einiges an Try&Error nötig sein. Ein wirkliches Sub-Chassis macht es da aber zumindest etwas einfacher, denn sonst (bei BBs oder einem 2-Weger) hat man oft das Problem, die Passivmembranen nicht hoch genug abstimmen zu können.

    Ich würde aber von vorne herein einen DSP mit ins Konzept integrieren. Die Vorteile vor allem bei sehr kleinen Lautsprechern liegen auf der Hand. Hast du darüber schon nachgedacht?

    Wie planst du denn die Stromversorgung? Der Vorteil von einer 1sXp Lösung ist eben immer, dass man diese Kombi komfortabel über USB laden kann. Platinen dafür gibt es zuhauf aus Fernost. Für eine einigermaßen brauchbare Versorgungsspannung müsste man dann aber noch etwas Hochstellen (Boost-Converter).
    In einer XsXp Konfiguration braucht man zwar keine Spannungserhöhung mehr, aber das Laden im Lautsprecher wird schwieriger, da es da mit Ladeplatinen schwierig wird. Ich überlege mir schon seit einiger Zeit eine Ladeplatine für mehrere serielle Li-Ion-Akkus zu basteln. Könnte man dann bequem z.B. per 12V Steckernetzteil oder Laptopnetzteil bedienen.
    Beste Grüße,
    Markus

  6. #6
    Moderator Benutzerbild von MOD olnima
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    Hallo Christoph, das Modul gefällt mir, ist das erste was ich sehe mit, wenn auch nur schaltbarem HP für die Sats.
    Eine Frage - läuft das Modul auch wirklich mit exakt 12V?
    Ich habe auch ein 3116-Board, aber da passiert bei 12V noch gar nix.

  7. #7
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    Hallöchen,

    Zitat Zitat von Olaf_HH Beitrag anzeigen
    Dein Test hat mir die Entscheidung deutlich vereinfacht.
    Und die wäre?

    Zitat Zitat von Swansteini Beitrag anzeigen
    Wenn du (Christoph) im Laufe dieses Thread ausknobelst wie du die Unterwegs mit Strom betreibst, wäre ich ja schon fast geneigt die Desktop Idee noch einmal zu überdenken.
    Zitat Zitat von MK_Sounds Beitrag anzeigen
    Wie planst du denn die Stromversorgung?
    Ja, der Strom wird zwangsläufig thematisiert. Ich bin da aber ziemlich ahnungslos und über jeden Tip dankbar.
    Im Moment plane ich ein 12V-Bleiakku, den ich mit einem Step-Up-Wandler auf 24 V ziehe. Laden wollte ich mit einem externen Akkulader. Aber konkret ist da noch nichts...

    Zitat Zitat von MK_Sounds Beitrag anzeigen
    Sehr schön, dass sich dem Bereich kompakter, mobiler Lautsprecher mal jemand annimmt. Hatte ich auch schon lang vor.
    Vor allem bei der Passivmembran wird wohl einiges an Try&Error nötig sein.
    Dazu habe ich schon ein bisschen experimentiert und den ersten Error erfahren Dazu aber bei Gelegenheit mehr.

    Zitat Zitat von MOD olnima Beitrag anzeigen
    Eine Frage - läuft das Modul auch wirklich mit exakt 12V?
    Ich versuche es in Erfahrung zu bringen.


    Hier sind die Messungen nochmal in Diagrammform. Bitte beachtet, dass die Skalierung teilweise anders als im Video ist.

    Einfluss des Höhenreglers bei 4 Ohm Last:

    Einfluss des schaltbaren Hochpass:


    Einfluss der Last auf den Frequenzgang (2 Ohm, 3 Ohm, 4 Ohm, 6 Ohm, 8 Ohm und 12 Ohm von orange (2 Ohm) nach gelb (12 Ohm).


    Einfluss des Tiefpassreglers an 4 Ohm Last (der grüne Graph ist die Mittelposition, am Anfang ändert sich die Frequenz also weniger als am Ende des Regelbereichs):


    Gruß, Christoph
    Geändert von Christoph Gebhard (08.01.2019 um 15:15 Uhr)

  8. #8
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    Ergänzend:

    Die Filterauslegung finde ich eigentlich ziemlich praxisnah. Wenn man das Gehäuse des Mitteltöners passend dimensioniert, kommt zu dem elektrischen Hochpass noch das mechanische Hochpassverhalten durch das geschlossene Gehäuse hinzu, so dass die Flanke zusammen mit 12 dB/Oktave abfällt (ggf. kann man noch einen Passiv-Kondensator ergänzen, dann hat man annähernd 18dB/Oktave).

    Die 18dB/Oktave im Submodul finde ich auch auch gelungen, da die meisten Tieftöner in schmalen Schallwänden einen ansteigenden Verlauf haben. So ergibt sich selbst im schlimmsten Fall ein abfallende Flanke von 12dB/Oktave (meistens natürlich etwas steiler, je nach Tieftöner und dessen Induktivität).

    Der Höhenregler gleicht ganz gut die typischen Problem der Digitalverstärker durch die Spule im Ausgang aus (siehe Frequenzgang an verschiedenen Lasten). So bekommt man lastunabhängig eigentlich immer einen relativ ausgewogenen Frequenzgang hin und kann - bei Bedarf (z.B. wenn man außerhalb der Achse hört oder die Aufnahme stumpf ist) noch etwas Hochtonglanz hinzufügen. Die leichte Präsenzsenke dürfte selten stören, sondern meistens dem Ohr schmeicheln.

    Im Bass kann man durch Erhöhen der Trennfrequenz ebenfalls noch etwas Druck im Oberbass hinzufügen. An dieser Stelle muss ich auch noch einen weiteren Vorteil der 2.1-Lösung erwähnen. So Bluetooth-Lautsprecher werden ja ständig an anderen Positionen, Räumen und Hörabständen betrieben. Freistehend draußen in 3 Meter Entfernung klingt es tonal völlig anders als im Nahfeld in einer Ecke auf einem Tisch stehend. Gerade der Einfluß auf die Basswiedergabe ist erheblich. Mit der Aktivlösung kann man da schnell den Pegel (und ggf. die Trennfrequenz) anpassen.

    Gruß, Christoph

  9. #9
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    Hallo Matthias,

    Zitat Zitat von MOD olnima Beitrag anzeigen
    Ich habe auch ein 3116-Board, aber da passiert bei 12V noch gar nix.
    Bei mir läuft es sogar mit 10,5V. Ich habe das mal in einem Video dokumentiert:



    Leider war das Netzteil mit 36W zu schwach, so dass bei 24V eigentlich noch mehr drin gewesen wäre. Das Rappeln bei 24V kommt nicht vom Chassis oder Verstärker, sondern von mitschwingenden Dingen im Raum. Der Bassdruck wird leider bei der Aufnahme durch das Mikrofon der Kamera stark beschnitten.
    Bei 10,5V hört man aber klar die Verzerrungen des Verstärker-Moduls. Kein Wunder, bei dieser Spannung sind mathematisch vielleicht so gerade 10W Leistung möglich...

    Schönen Gruß, Christoph

  10. #10
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    Dankeschön, also sind 12V bei natürlich begrenzter Leistung durchaus möglich. Wäre ja auch 'ne Option - 12V mobil (Batterien / Akku) und stationär mit nem 60W Universal-Netzteil (12V - 24V).

    P.S.: ich vergess' immer , mich umzuloggen, sorry !
    Wohlklingende Grüße,
    Matthias

  11. #11
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    Hallo Christoph,
    in der Tat hatte ich am Vortag einiges an Zeit mir diverse Module und das für und wieder für eines der Module angeschaut.
    Ich will für den Dynavox Battle eine Teilaktive Lösung testen. Leider sind bei den China Modulen die Infos zum Bereich der Regelungen, Möglichkeiten insbesondere bei den Verbauten "Weichen" mehr als ungenügend.
    Dein Beitrag zeigte sehr gut was mit den internen Einstellmöglichkeiten so alles geht.

    Meine Idee ist eine 3 Wege Lösung mit dem SUB Bereich für den TT und dann jeweils ein Kanal für TMT/MT und HT, jeweils passiv angekoppelt, die Eingänge per Y Adapter parallel geschaltet, wobei aber leider auch passive Bauteile benötigt werden, wobei die großen Spulen für den Tiefton Bereich für Trennung und Linearisierung entfallen können und ich nur Kondensatoren und kleine Induktivitäten benötige.

    Alternative dazu wären dann eine Vollaktive DSP Lösung mit den Wondom/Sure TP3116d2 Boards, wobei wir da dann bei knapp 80-100€ pro Box sind, das ganze aber besser einstellbar wäre.

    Entscheidung dazu ist bei mir noch offen. Erst mal schauen wie ich den Bassbereich mache.
    In Hamburg sagt man, Moin

    Olaf_HH

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  12. #12
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    Moin, hab' mir gerade aufgrund von Christophs 12V-Erfahrung
    das gleiche Board bestellt, gibt's in der Bucht auch für 17€nochwas. Daraus wird eine, schon länger auf dem Plan stehende mobile Box auf einem Trolley gebaut. Also noch mobil, aber schon etwas grõßer (20-25 Ltr.).
    Zum Einsatz kommen 2 uralte, parallel geschaltete 4" von Nokia
    gepaart mit 2 Sharp-Breitis. Diese Kombi hatte ich beim Coax-Battle in Hannover schon vorgestellt.
    Nochmals danke an Christoph für's teilen.
    Wohlklingende Grüße,
    Matthias

  13. #13
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    Mahlzeit,

    hier mal ein Bild von einem Prototyp (den ich vorläufig mit der Aktivelektronik aus meiner Kelleranlage betrieben habe):


    Die Abmessungen sind mehr aus dem Zufall heraus entstanden. Ich habe die Kiste spontan an einem Vormittag mit Bretterreste aus dem Keller zusammengezimmert. Ich wollte einfach mal ein Gefühl dafür bekommen, wie so eine Anordnung abbildet und den Raum anreget (Chassis ggf anwinkeln?), wie die Passivmembran und das Gehäuse dimensioniert werden müssen und ob die Moral-Koaxe aus dem Kellerbestand in die engere Auswahl kommen.

    Innen gibt es zwei schräge Teiler, die das Bassgehäuse vom Mitteltongehäuse (~ 1 Liter) trennen:


    Das Basschassis steht seit den Prototypversuchen eigentlich fest. Es wird ein Tang Band W5-1138SM.
    Das Chassis gibt es mit Ferrit- und Neodym-Magnet. Aus Gewichtsgründen habe ich die (teurere) Neodym-Variante genommen, die wegen des stärkeren Magnetfeldes weniger Schwingspuleninduktivität für die gleiche Antriebskraft braucht und dadurch (hauptsächlich im Mittelton) deutlich weniger klirrt. Kriegsentscheidend werden beide Aspekte (Gewicht und Klirr) ganz sicher nicht sein, aber da ich das Chassis gebraucht bekommen habe, war der Mehrpreis eigentlich keiner.

    Ich stand diesen "Schlammschiebern" immer sehr gleichgültig und uninteressiert gegenüber, muss aber zugeben, dass mir das Chassis mittlerweile sehr viel Freude bereitet und für den Zweck optimal ist. Es ist wirklich an allen erdenklichen Stellen belüftet (Polkern, Schwingspulenträger, Membran hinter der Staubschutzkalotte, zweifach hinter der Zentrierspinne). Das Chassis kann rechnerisch 9,25mm Hub und macht diesen auch klaglos ohne irgendwelche Nebengeräusche - beeindruckend. Natürlich muss die relativ große bewegte Masse (ca. 30g) durch eine dickwandige Sicke (mit entsprechenden Verlusten) geführt werden, aber dafür geht`s halt auch schon in kleinen Gehäuse schön tief und aufgrund des Hubes auch ausreichend laut.

    Im Prototyp sitzt der TB in relativ beengten 3,5 Liter (Timmermann empfiehlt mit "seinen" TSP fast 10 Liter) und soll mit den von mir gemessenen TSP so laufen:


    Eine schnelle Impedanz-Kontrollmessung nach dem Zusammenbau sah so aus:


    Passt! Die Abstimmfrequenz von unter 50Hz in 3,5 Liter geht in der Praxis natürlich nicht mit BR-Rohr. Das würde viel zu eng werden und prusten wie ein Helikopter beim Start. Deswegen musste eine Passivmembran her. Hierfür habe ich im Prototyp einen - bestens bekannten, da in den 90er-Jahren in unzähligen Lautsprechern verbauten - Westra 16er benutzt. Er wurde seines Magnet gewaltsam entledigt und die Staubschutzkalotte von hinten mit reichlich Heißkleber gefüllt. Der Kleber diente nicht nur zu Masseerhöhung, sondern fixierte gleichzeitig eine Schraube, an der man Muttern zur weiteren Masseerhöhung anbringen kann. Wenn ich mich nicht irre, lag die Gesamtmasse ohne Muttern so um die 90g. In diesem Zustand ist auch die obige Messung entstanden. Die Passivmembran wurde in die Rückwand gesetzt:


    Erstmal mit Gewinde nach außen, um schnelle Änderungen an der Abstimmung vorzunehmen:


    Der Hörtest brachte dann eine wirklich sehr erwachsene und ausreichend tiefe Basswiedergabe. Es klang so gar nicht nach 3,5 Liter, sondern nach ausgewachsenem 16er in Standbox. Ich hatte parallel eine KEF Cresta aus dem Jahr 1970 (ein LS3/5-Variante) im Hörraum und die klang trotz mehr Volumen und doppelter Membranfläche (es sind ja zwei 13er, wenn auch in CB) um Welten druckloser, zarter und einfach weniger nach einem kompletten Lautsprecher. Einzig am klar erkennbaren Hub konnte man erahnen, dass das Fundament des TB mit einer gewissen Arbeit verbunden war. Klanglich hörte man dem Chassis diesen "Stress" nicht an. Es klang wirklich ziemlich sauber und knackig. Wie laut das Chassis wirklich kann, konnte ich bis jetzt noch nicht herausfinden. Limitierender Faktor war ganz klar die Passivmembran, die zwar die 1,75-fache Membranfläche mitbrachte, aber irgendwann mechanisch begrenzte und dann laut knallend die weiße Fahne hisste.

    Aber es kam noch besser. Als ich während eines Hörtestes in einem unbedachten Moment von audiophiler Musik auf tiefbassstarkem HipHop gewechselt bin und vergaß die Lautstärke anzupassen, zerlegte die Aktivmembran die Passivmembran, indem sie so starken Druck erzeugte, dass die Verklebung zwischen Sicke und Membran auf 1/4 des Umfanges riss (oben auf dem Bild kann man ganz leicht den Kleber am unteren Teil der Sicke erkennen, womit ich die Passivmembran wieder reparierte).

    Somit steht fest, dass die Passivmembran in der endgültigen Box entweder mehr Membranfläche oder mehr Hub braucht, um die Aktivmembran angemessen zu unterstützen.

    Zum Mittelhochton schreibe ich später was...

    Gruß, Christoph
    Geändert von Christoph Gebhard (11.01.2019 um 17:15 Uhr)

  14. #14
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    Tja das ist doch mal eine BUMM Box ;-). Schau doch ml nach Reckis 16'ner Passivmembran falls die dir optisch zusagt. Preislich ist die jedenfalls sehr annehmbar.

    Gruß Swany.

    P.s.: ist ja interessant wie sie bei den Car Chassis die Hochtöner anordnen, da schneiden sie ja ordentlich den TT ab.... Hast du zufällig Messungen zu denen?


    https://reckhorn.com/lautsprecher/la...16-cm/6.5-quot

  15. #15
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    Mein höchster Respekt! Das ist echtes Hobby! Ich versuche mir gerade die Zeit für meine Hauptlautsprecher zusammen zu stehlen.....

  16. #16
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    Zitat Zitat von Swansteini Beitrag anzeigen
    Schau doch ml nach Reckis 16'ner Passivmembran falls die dir optisch zusagt.
    Ja, der Reckhorn war schon vor dem Westra-Experiment meine 1.Wahl. Trotzdem bleiben Zweifel, ob er genug Hub kann. Der TB verschiebt schon einiges an Luft und die Sicke des Reckhorn scheint in Sachen Sickenradius irgendwo zwischen Westra und TB zu liegen. Ich werde ihn aber erstmal probieren. Ein großes Risiko stellt er bei dem Preis nicht dar.

    Zitat Zitat von Swansteini Beitrag anzeigen
    Hast du zufällig Messungen zu denen?
    Ja, die sind zwar nicht von dem aktuellen Projekt, aber um sich ein Urteil zu bilden, reichen sie, denke ich...

    Hier einmal beschaltet und unbeschaltet (mit der damaligen Passivweiche) bei ca. 15°:


    ...und hier unter Winkel mit der Passivweiche:


    Die aktuelle Abstimmung sieht tendenziell ähnlich aus, allerdings messen sich die beiden Chassis stark unterschiedlich. Wie man an der Farbe der Mitteltonmembran sehen kann, sind die Treiber nicht ganz gleich. Das eine Chassis war ca. 2 Jahre als Center im Betrieb, das andere lag ungebraucht über zehn Jahre im Karton. Der ungebrauchte macht die Probleme, da sich das Ferrofluid im Hochtöner anscheinend verhärtet hat. Auch die Mitteltöner laufen etwas anders. Ich habe das so ein bisschen mit der Aktivweiche durch Entzerrung und die Filterung ausgeglichen, aber für die endgültige Box mit Passivweiche kommt das nicht in Frage, weswegen ich die beiden nicht einsetzen werde.

    Klanglich hat das schon Laune gemacht und auch nach richtigem HiFi getönt. Etwas problematisch war vielleicht der Hochtonbereich, der immer so ein bisschen eigen und aufgesetzt musizierte. Gerade weil die beiden Chassis einen definierten Abstand und Winkel zueinander haben ist ein Koax mit seinen Unstetigkeiten in der Abstrahlung für mein Empfinden keine optimale Wahl. Bei getrennten Gehäuse kann man da durch Aufstellung und Anwinklung immer noch etwas am Sound schrauben, in einem gemeinsamen Gehäuse erscheint mir ein klassischer Aufbau von Mittel- und Hochtöner aber geeigneter.

    Die Bühne war übrigens überraschend breit und gut gelöst, aber natürlich deutlich schmaler als bei richtigen Stereolautsprechern. Ich könnte mir vorstellen, dass ein leichtes Anwinkeln des Hochtöners nach außen und oben diesen Umstand vielleicht etwas verbessert und den Raum weiterräumiger anregt.

    Gruß, Christoph

  17. #17
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    Hi Christoph,

    Da du jetzigen Koaxe nicht verwenden willst....
    ich hab mir letztens bei Ebay folgende Tangband-Koaxe gekauft.
    https://www.ebay.de/itm/Tang-Band-2-...d=223231876146
    Haben schon eine Weiche eingebaut die, nach ersten reinhören, ganz passabel funktioniert.
    Die Originale, die ich auch habe, sind sowieso sehr gut.
    Eigentlich hatte ich ein ganz ähnliches Projekt geplant. Mit nem 4-Kanal Autoradio. Zeitlich komme ich aber nicht voran.

    Jedenfalls schöne und ausführlich dokumentierte Umsetzung. Lese weiterhin gespannt mit.

    Grüße
    Steffen

  18. #18
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    Danke für die Messungen!

    Ich bin ja ein wenig erschüttert gewesen als ich gestern mal nach den Treibern gegoogelt hatte und sah dass das Pärchen mal eben über 500 Euro kosten soll beim Carhifihändler meines Unvertrauens....

    An sich aber ein sehr interessantes Treiberlein.

    Ehrlich gesagt habe ich beim Recki die selben Befürchtungen, als ich den zum ersten Mal gesehen hatte dachte ich das der auf Basis von dem Subtreiber ist nur mit anders gestanzter Membran. Aber irgendwie...so gar keine Angaben auch auf seiner Seite nicht, war schon ein wenig ulkig. Ansonsten würde in der Preisklasse und Größe der hier vielleicht noch passen können... Denn irgendwo sehe ich es persönlich nicht ein für einen Treiber wo sie mal eben "nur" meistens den Magnet weggelassen haben Mondpreise zu bezahlen das ich diesen als PM verwenden kann.

    Gruß Swany

    https://www.soundimports.eu/de/dsa175-pr-79201187.html


  19. #19
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    Zitat Zitat von Swansteini Beitrag anzeigen
    Ich bin ja ein wenig erschüttert gewesen als ich gestern mal nach den Treibern gegoogelt hatte und sah dass das Pärchen mal eben über 500 Euro kosten soll beim Carhifihändler meines Unvertrauens....
    Ja, komplett überteuert das Teil. Einzig die Korb-/Antriebkonstruktion mit Neodym und 50er-Schwingspule sind technologisch einzigartig. Ansonsten viel Durchschnitt: Klirr, Amplitude, Abstrahlen. Die Auslegung des Mitteltöners ist trotzdem für ein Sub-Sat-Ansatz ziemlich passend.

    In der ersten Evolutionsstufe dieses Chassis, saß der Hochtöner übrigens bündig in der Mitteltonmembran. Der Hochtöner ist eingeklebt. Wenn man ihn gewaltsam entfernt, kommt eine zusätzliche Magnetscheibe zum Vorschein, die den Hochtöner um die entsprechende Distanz aus der Membran heraushebt. Jetzt ist die Frage, wieso die da sitzt. Ich habe zwei Theorien: Entweder haben sich die Magnetsystem der beiden Treiber ungünstig beeinflusst oder der Hochtöner hat sich bündig noch schlechter gemessen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass bündig in tiefe Konusse eingelassene Hochtöner immer schlimme Einbrüche auf Achse im oberen Hochton haben. Das klingt dann auch ziemlich seltsam. Nun ja, der Moral ist ja sowieso raus...


    Im Moment mache ich mir Gedanken, um den richtigen Mitteltöner. Ich habe bei der Sichtung möglicher Kandidaten viele interressante Kandidaten in der 2,5 bis 3,5-Zoll-Klasse gefunden. Viele Chassis sind als Breitbänder ausgelegt, laufen im Mittelton ausreichend glatt, haben oft Impedanzkontrollen im Antrieb, klirren deswegen nicht zu viel und kosten auch nicht die Welt.

    Trotzdem ist mir aufgefallen, dass die wenigsten Chassis unter 4 Zoll mehr als 2mm Hub können (ausgenommen reine Sub-Spezialisten) und oft ungünstig hohe Q-Werte haben. Einer der wenigen hubstarken 3-Zöller (also Sd um 35cm²) ist der Dayton RS100-4, den ich auch ziemlich attraktiv finde (der aber im Wirkungsgrad, Gewicht und Wasserempfindlichkeit (Phase Plug) Schwächen hat). Ob ich dessen 4mm Hub überhaupt brauche oder ob ein Breitbänder mit ~2mm Hub auch passt, möchte ich jetzt erstmal testen.

    Deswegen habe ich für zwei Chassis, die ich im Keller liegen hatte, einen Schallwandaufsatz gefertigt:


    Verbaut sind als Hochtöner der Carpower DT284S (der auch ein Kandidat für die endgültige Lösung ist) und als Mitteltöner ein typischer Vertreter der 3-Zoll-Breitbänder-Klasse, der Vifa/Peerless/Tymphany TC9FD. Alles weitere dann in den nächsten Tagen...

    Gruß, Christoph

  20. #20
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    Hi Cristoph,

    wie hoch wolltest du denn den Bass eigentlich laufen lassen, respektive wie tief die kleinen Breitis/TmT's...denn davon hängt ja die Hubfähigkeit eher ab. der Tangband macht doch bestimmt so mit ach und krach bis 150-170 sauber mit oder?
    Weil dann könnte man auch ganz klassisch (falls der dir optisch zusagt) auch einen W100S4 oder auch den S8 nehmen. Wenn es höherwertiger sein soll auch den neuen dreier Breitbänder von denen, den B80?!

    :-)

    Gruß Swany.

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