» über uns

Seite 1 von 6 1 2 3 ... LetzteLetzte
Zeige Ergebnis 1 bis 20 von 110
  1. #1
    Chef Benutzer Benutzerbild von Gaga
    Registriert seit
    27.02.2011
    Beiträge
    1.634

    Standard Wie viele nichtlineare Verzerrungen und IMD sind ok?

    Moin zusammen,

    ich hab' da mal ne Frage: Woran erkenne ich ein gutes TT/MT-Chassis oder auch wie viele nichtlineare Verzerrungen und IMD sind ok?

    Hintergrund: Für die meisten Chassis sind TSPs und Verzerrungsmessungen verfügbar. Natürlich sind weniger Verzerrungen immer vorzuziehen. Aber ab welchem Verzerrungsniveau wird's denn kritisch?

    Gibt es gute Untersuchungen zum Thema nichtlineare Verzerrungen, IMD und Hörbarkeit?

    Was ich bisher zum Thema gefunden habe:
    1. Hifi Selbstbau: Klirrfaktor - wie viel ist zu viel?
    Hier zur Hörbarkeit von nichtlinearen Verzerrungen. Im Artikel ist folgende Abbildung zu finden, die ds ergebnis zusammenfasst:

    Quelle: https://www.hifi-selbstbau.de/index.php?option=com_content&view=article&id=239
    (Die Kollegen von Hifi Selbstbau sind hier ja auch ab und an unterwegs, bitte melden, falls die Verwendung der Abbildung hier nicht ok sein sollte).
    Lieder nur für K2 öffentlich - trotzdem ist dieser Artikel ist schon sehr hilfreich für mich.
    Kennt ihr noch weitere, gute Untersuchungen zur Hörbarkeit von Verzerrungen bei bestimmten Lautstärken?
    2. Kippel: Loudspeaker Nonlinearities
    3. Klippel: Loudspeaker Nonlinearities – Causes, Parameters, Symptoms
    Hier arbeite ich mich gerade durch. Der Meister meint:
    Reliable models have been developed for displacement and current varying nonlinearities in the motor and suspension system. The nonlinear parameters Bl(x), Le(x), Kms(x) and Le(i) can be measured dynamically on loudspeakers, headphones, micro-speakers and other transducers, with and without enclosure.

    Allerdings finde ich Klippel Daten zu angebotenen Chassis sher selten.
    Immerhin lerne ich, dass Kurzschlussringe an Chassis zur Vermeidung nichtlinearer Verzerrungen sinnvoll sind.

    4. Goossens Saller: Neue Messmethode zur Beurteilung der nichtlinearen Verzerrungen von aktiven Lautsprechern
    Den Artikel fand ich spannend, weil er 3 Aktive Lautsprecher vergleicht, bei der Messung nichtlinearer Verzerrungen kaum Unterschiede feststellt, umsomehr allerdings bei IMD-Messungen:
    An drei aktiven Lautsprechern unterschiedlicher Größe und Qualität wurden Untersuchungen zu deren nichtlinearen Verzerrungen durchgeführt. Es zeigte sich, dass zur Kennzeichnung des nichtlinearen Verhaltens von Aktivlautsprechern die Intermodulationsverzerrungen unbedingt berücksichtigt werden müssen. Anhand der üblicherweise angegebenen harmonischen Verzerrungen (Klirrfaktoren) konnten die drei Lautsprecher nicht voneinander abgegrenzt werden.

    5. Forum - Nailhead: IMD, HD, Xmax und Kippel - Vergleich und Bewertung von 3 Chassis
    Ich möchte euch hier mal anhand eines Vergleichs von drei 20cm Tieftönern aufzeigen, dass es durchaus Sinn macht IMD Verzerrungen zu messen und warum Klippel-Daten ebenfalls sehr wichtig sind und nun mal Xmax nicht gleich Xmax ist.

    Den Thread finde ich ebenfalls hilfreich. Siehe z.B. Beitrag #6.
    THD/Klirrfaktor Messungen belasteten den Lautsprecher immer nur mit einem Ton gleichzeitig. Leider ist das bei Musik aber nun mal völlig anders – da kommen viele Töne gleichzeitig. In dem Anwendungsfall hier, also lautes Zwei-Wege-System, kommt es also vor, dass ein Töner Bässe und Mittelton gleichzeitig wieder geben muss. So ein Fall kann man zum Beispiel mit einer Zweiton-Messung versuchen abzubilden: ein tiefer Ton sorgt für Auslenkung (z.B: von einer Bassdrum oder von einem Bass im Allgemeinen) und ein zweiter Ton für die Mitteltonwiedergabe. Wenn dabei der erste Ton gleich bleibt und der zweite verändert wird, reden wir von einer voice-sweep Messung.

    Und genau die sehen wir jetzt hier:

    - Ein 40 Hz Ton mit 10W (8.94V) sorgt für Auslenkung während ein zweiter Ton von 400-2000Hz mit 1W (2.83V) verändert wird
    - Die Auslenkung schwankt zwischen 1.6mm Monacor, 2.4mm Visaton und 3mm Faital
    - Harmonische Verzerrungen werden ausgewertet
    - Aber entsprechend auch Intermodulationsverzerrungen – die erst auftreten, sobald mehr als ein Ton gleichzeitig wieder gegeben wird

    Die Ergebnisse sehen dann so aus:

    Auslenkung in dem Gehäuse bei 8.94V (Monacor: schwarz, Faital: rot Visaton: grün)




    Intermodulationsverzerrungen:

    Monacor:




    Visaton:




    Faital Pro:




    Und siehe da, plötzlich macht der Faital Pro viel viel weniger Verzerrungen als die andern beiden - weniger als die Hälfte. Warum? Zum einen hat er einen Demodulationsring eingebaut, der L(x) lineariserit und zum anderen einfach eine gut abgestimmte Motor- und Federsteifigkeit. Weitere Details gerne zu einem späteren Zeitpunkt, zum Beispiel die entsprechenden BL(x), Cms(x) und L(x) Verläufe einer Klippel LSI Messung.



    Zitat von JFA

    Dafür braucht man nicht unbedingt Klippel.




    Nein und das ist ja das Gute daran

    Mir geht es darum, die Wichtigkeit von IMD-Messungen zu zeigen und das es nun mal eine Erklärung dafür gibt, warum manche Lautsprecher bei höheren Pegeln besser klingen als andere- das geht nun mal mit Einbeziehen von Klippel am besten.

    Aber natürlich kann jeder solche Messungen selbst durchführen, z.B. mit Arta und Steps (mit Umwegen) oder mit deiner Software - und das sollten wir viel öfter tun! Darum geht es mir hier


    6. Forum - JFA: Aus der Diskussion um Görlich Chassis
    Hier der Beitrag:
    Die Hörbarkeit von Verzerrungen sind dafür an anderer Stelle schon hinreichend untersucht worden. Ergebnis:
    a) K2 und K3 sind kaum hörbar
    b) höhere Klirrkomponenten werden zunehmend hörbarer
    c) IMD ist äußerst leicht hörbar, besonders die nach unten modulierten Komponenten

    a) bekommt man mit Sorgfalt gut in den Griff, b) kommt in Lautsprechern kaum vor, c) macht Probleme, und genau hier wird die Betrachtung von Klippel wichtig. Le(x, i), BL(x, i) usw. muss man halt im Griff haben. BL konnte man schon vor 30 Jahren gut simulieren (da gab es ziemlich clever vereinfachte Modelle), Le eher weniger. Ich habe hier neulich mal IM-Diagramme gezeigt, Vergleich zwischen 20-30 Jahre alter Konstruktion von Seas, einer modernen mit Sparzwang (keine Demodulation, kein T-förmiger Polkern, aber trotzdem geringes Le), und einer modernen wo ich mich austoben durfte (T-förmiger Polkern, doppelt demoduliert). Die Unterschiede zwischen den ersten beiden waren frappierend, die Verzerrungen des modernen Treibers lagen durchgängig um die 20 dB unter denen vom alten Seas-Modell, das cost-no-object Teil nochmal 10 dB weiter unten. Das sind Welten!

    Und da kann die Membran noch so toll sein: wenn der Antrieb nichts taugt, dann nutzt das alles nichts. Denn die Membran selber klirrt nicht (kaum)*. Der Antrieb, der verzerrt.

    Deine Story mit dem Popometer ist ja wirklich zu süß, aber was glaubst Du, wie schnell heute so eine Entwicklung geht, weil man alte Erfahrungen mit neuen Simulationen mischt (und dabei manche Erfahrungen als Humbug abtun kann), dadurch entstehen neue Erfahrungen, die sich auf die Ziele der Simulation auswirken, usw. Das ist moderne Entwicklung. Man kann natürlich auch nur auf seinen Instinkt vertrauen, dann dauert es halt entweder deutlich länger, oder es kommt ein suboptimales Ergebnis heraus.

    Ich kann bei mir auf der Arbeit auch gegen teilweise 30 Jahre alte Modelle hören (cc @Kaspie). Die sehen nicht mal am Horizont Land gegen die neuen Entwicklungen, und wurden zu ihrer Zeit gekauft wie blöd und in den Himmel gelobt. Selbst 10 Jahre alte Lautsprechern machen sich ganz klein, wenn ich mit den neuen Sachen um die Ecke komme. Und warum? Weil ich die Chassis, die Gehäuse, die Abstrahlung vorher SIMULIEREN und OPTIMIEREN kann, und dann eben vorher wie gut es wird, in einem Bruchteil der Zeit und von Material als früher**. Und Du wirst es nicht glauben: da steckt jede Menge Erfahrung drin, an welchen Schrauben ich drehen muss, und auf was ich verzichten kann, sei es weil es zu teuer wird, oder weil die Hörbarkeit eher fragwürdig ist.

    Gib den Görlichen einen ordentlichen Antrieb, dann werden die vielleicht wieder konkurrenzfähig. Ansonsten bleiben sie nur teure Exoten.

    * Ausnahme sind Taumelbewegungen der Membran, da entsteht auch erhöhter Klirr. Da kann der Antrieb zwar nichts zu, streng genommen entstehen die aber trotzdem dort.

    ** Nebenbei konnte ich im Laufe der Zeit einige Altlasten über Bord werfen, die ich lange mitschleppen musste


    Auch wenn ich das Thema selber noch nicht ausreichend überblicke ein paar Fragen zu Auswahlkriterien von Chassis:
    - Wie viel K2/K3 findet ihr bei der Auswahl von Chassis in Ordnung? Warum? Oder ist der Parameter eher zweitrangig?
    - Kurzschlussringe scheinen sinnvoll zu sein - weshalb werden die von ziemlich vielen Herstellern nicht verbaut (Kosten...?)? Ist das für Euch ein Kriterium?
    - Sind die zu Chassis in der Regel veröffentlichten Daten ausreichend, derne Qualität zu beurteilen? Falls nicht, weshalb werden so wenig Klippel-Daten veröffentlicht?
    - Muss ich selber Messungen durchführen (z.B. IMD), um die Qualität von Chassis ausreichend zu beurteilen? falls ja, welche....?

    Ich sehe bei diesem Thema die große Gefahr einer sich im Kreis drehenden Debatte zu 'Mess-Anhänger' vs 'Hören' oder 'früher-war-alles-besser', 'Messungen können eh nict die Qualität eines Chassis erfassen, das muss gehört werden' etc. Klar, macht natürlich Spaß, das zum x-ten Male zu wiederholen - aber ich bitte möglichst am Thema zu bleiben:
    - 'an welchen Daten erkenne ich gute Chassis',
    - 'sind die i.d.R. veröffentlichten Daten zur Beurteilung der Qualität überhaupt ausreichend'.
    - 'was müsste ich messen, um die Qualität eines Chassis gut zu beurteilen'?

    Oder vielleicht schreibt ihr, nach welchen Qualitätskriterien ihr Chassis für eire Konstruktionen auswählt.

    Grüße,
    Christoph

    PS: Und kommt gut rüber in's Neue Jahr!






  2. #2
    Erfahrener Benutzer Benutzerbild von sonicfury
    Registriert seit
    30.03.2010
    Beiträge
    1.113

    Standard

    Viel Lärm um wenig:

    Hörbarster/ empfindlichster Bereich um 1khz.

    Alle Hersteller der AAA Kategorie arbeiten mit Optimierung usw. wie JFA es schön ausführt.

    unterschiede zwischen SB Acoustic 70 Euro Klasse und Seas 70 Euro Klasse sind beinahe irrelevant weil im DIY Bereich so viele andere Sachen klangentscheidender schiefgehen bevor der pöhse k3 überhaupt an der Reihe ist.

    Oder Klartext:

    Insuffizienz der Konstrukteure ist um den Faktor 10 grösser als jegliche vom Antrieb verursachte Verzerrungen.
    (Falsches Konzept von Anfang an, trennfreq. Blöd gelegt, weiche geschlampert). Dank aktiv/Dsp etwas entschärft aber bleiben noch genug Fehlerquellen übrig bevor man den unterschied zwischen SDDrive 2 und Freunden hört.

    Wie wähle ich Treiber aus? Anvisierte Xoverfreq. / Konzept generell (was passt Im Abstrahlverhalten zusammen) und frequenzganzg sind bei mir die Kriterien.
    Es groovt

  3. #3
    Chef Benutzer Benutzerbild von Gaga
    Registriert seit
    27.02.2011
    Beiträge
    1.634

    Standard

    Hallo Sonicfury,

    Hörbarster/ empfindlichster Bereich um 1khz.
    OK, das war auch mein Fazit bisher.

    Alle Hersteller der AAA Kategorie arbeiten mit Optimierung usw. wie JFA es schön ausführt.

    unterschiede zwischen SB Acoustic 70 Euro Klasse und Seas 70 Euro Klasse sind beinahe irrelevant weil im DIY Bereich so viele andere Sachen klangentscheidender schiefgehen bevor der pöhse k3 überhaupt an der Reihe ist.
    Das würde ich gerne genauer klar kriegen. Jetzt gehe ich mal davon aus, dass nicht alle, die im DIY utwerwegs sind klangentscheidende Fehler machen - spielt dann der k3 von Chassis eine Rolle, oder nicht? SB Acoustics Chassis habe ich aus diesem Grund schon ausgewählt (niedriger k3).

    Insuffizienz der Konstrukteure ist um den Faktor 10 grösser als jegliche vom Antrieb verursachte Verzerrungen.
    (Falsches Konzept von Anfang an, trennfreq. Blöd gelegt, weiche geschlampert). Dank aktiv/Dsp etwas entschärft aber bleiben noch genug Fehlerquellen übrig bevor man den unterschied zwischen SDDrive 2 und Freunden hört.
    Ja, klar wird viel falsch gemacht. Aber mal abgesehen davon: Ich gehe mal davon aus, dass Du nicht so viel falsch machst bei Deinen Konstrukten - welcher k3 um 1-2kHz ist für Dich dann ok, oder zu viel?

    Mal ein (beliebiges), aber konkretes Beispiel:
    SB17NAC35-4 , Verzerrung k3 zwischen 1kHz und 2kHz durchgehend unter 0.1% bei 90dB, siehe hier.
    ETON 7-360/37/7HEX/IT, k3 laut Datenblatt um 1% (bei 1W).

    Ist das ein Unterschied, der für Dich relevant wäre?

    Ansonsten...
    Wie wähle ich Treiber aus? Anvisierte Xoverfreq. / Konzept generell (was passt Im Abstrahlverhalten zusammen) und frequenzganzg sind bei mir die Kriterien.
    ...Zustimmung bei diesen Punkten.

    Gruß,
    Christoph

  4. #4
    Erfahrener Benutzer Benutzerbild von sonicfury
    Registriert seit
    30.03.2010
    Beiträge
    1.113

    Standard

    Das einzige Mal dass ich versuch5 habe klirr zu hören hab ich >5% k3 bei 95 dB wahrgenommen... wobei mir die 95db schon viel zu viel sind. 90db und kleiner 5% ist in meinen Augen Safe und praxiststauglich ... aber je nach Projekt (Ultra Referenz oder nur so kiste) kann man das anders sehen. Ich bevorzuge das chassis mit schönerem Korb ggü 1% Punkt mehr klirr.
    Es groovt

  5. #5
    Chef Benutzer
    Registriert seit
    20.11.2008
    Ort
    Hemmingen
    Beiträge
    2.898

    Standard

    Hallo Männer,
    die Ergebnisse überaschen mich nun nicht wirklich.
    Ich bin schon geraume Zeit der Meinung, dass die Klirrmessungen mit Gleitsinus nur begrenzten Wert haben, speziell bei TMT und insbesondere bei später fullrange betriebenen BB's

    Je nach Messpegel sieht man bei den Messungen im unteren Frequenzbereich heftigen Klirranstieg, was ja als Hauptursache hat, dass die Schwingspule durch entsprechenden Hub den liearen Arbeitsbereich verlassen hat, das zeigt sich bei BB's mit ihren aus Wirkungsgradgründen meist sehr geringen Schwingspulenüberhängen dann ganz extrem.

    Und wenn dann zum Tiefton, der die Schwingspule schon aus dem linearen Arbeitsbereich heraustreibt dann noch höhere Frequenzen mit übertragen werden sollen (bei TMT's und BB's wohl der Regelfall) kann mir niemand weismachen, dass das dann keine Auswirkungen auf den Klirr im oberen Frequenzbereich hat.
    Vielleicht ist das ja dann das, was speziell unter BB Fanboys unter "Feinauflösung" läuft.

    Daher finde ich die Multitonanregung mit mit ordentlich Hub produzierendem Tieftonanteil wesentlich aussagekräftiger zur Auswahl geeigneter Treiber.

    Auch die Aussagen zu den Vintage-Pappen unterschreibe ich, die können wirklich mit heutigen, auch durchschnittlichen Konstruktionen nicht mehr mithalten.

    Gruß
    Peter Krips

  6. #6
    Chef Benutzer Benutzerbild von Gaga
    Registriert seit
    27.02.2011
    Beiträge
    1.634

    Standard

    Moin zusammen,

    ich wühle mich immer noch durch's Thema und packe die entsprechenden links hier einfach mal rein. So fällt's mir selber auch leichter dran zu bleiben, als immer wieder neu nach den links zu suchen...

    Hier kommentiert Adi den HSB-Artikel zur Hörbarkeit von nichtlinearen Verzerrungen.
    Leider sind die von HSB zitierten Verfahren nach DIN 45631 und ISO 532 B die falschen (und heute veraltet), weil sie für stationäre Geräusche geschaffen wurden, also Geräusche, die sich über Zeit nicht ändern. Damit könntest zu Beispiel Lärm von Maschinen bewerten, aber nicht Musik.

    Für transiente, also zeitlich veränderliche Geräusche gibt es deshalb neuere Spezifikationen wie die DIN 45631/A1 oder - ganz neu - die ISO 532-1.

    Unser Lautheitsempfinden hängt nicht nur von der spektralen Zusammensetzung eines Geräuschs ab, sondern auch von dessen zeitlichen Verlauf, dessen spektraler Bandbreite. Dazu kommt noch der Effekt der temporalen und simultanen Verdeckung, den du zu berechnen versuchst. Nur hörst Du ja mit Deinen Lautsprechern Musik und keine Sinus-Dauertöne. Also passt die o. g. Methode nicht wirklich.

    Was weiter dazukommt: Musik besteht aus Klängen, also viele, viele Frequenzen, die gleichzeitig wiedergegeben werden und Intermodulationen bilden, also Differenz- und Summenfrequenzen, die alles andere als harmonisch sind und weit mehr ins Gewicht fallen als die "albernen" THD. Dafür gibt es dann auch entsprechende Messverfahren wie IMD- und Multiton-Messung.

    Nochmal zur Hörbarkeit der nichtlinearen Verzerrungen: Darüber hatte ein Hr. Henze mal mit Unterstützung der Professoren Weinzierl und Klippel seine Masterarbeit verfasst.
    https://www2.ak.tu-berlin.de/~akgrou...Henze_MasA.pdf

    Daraus ist dann der Hörtest auf der Klippel-Website entstanden - sicher etwas fortgeschrittener als der von HSB.
    http://www.klippel.de/education/listening-test.html

    Und zum Schluss, weil die Berechnung der zeitabhängigen Lautheit nicht trivial ist, hier ein kostenloses Tool von HEAD acoustics, das die Bewertung nach ISO 532-1 erlaubt.
    https://www.head-acoustics.de/de/pre...ant_sounds.htm
    JFA meint dazu hier:
    Bei denen ging es ja um stationäre Signale, also für die Anwendung schon richtig. Allerdings ist der Ansatz nicht unbedingt falsch, aber überdenkenswert. Wie Du richtig sagst ist Musik nicht stationär, also sollte man die Hörbarkeit von Klirr auch nicht mit stationären Signalen prüfen. Und dann wird die Geschichte deutlich komplizierter, weil:
    - die Maskierung nicht nur pegel- sondern auch zeitabhängig ist
    - sobald man einem transienten Klirr beimischt erhält man nicht nur Oberwellen, sondern auch IM-Produkte, weil das transiente Signal schon ein Tongemisch ist*

    Für die reine Hörbarkeit von reinem Klirr ist das Verfahren von HSB gut. Es hat nur mit der Realität nichts zu tun.

    Allgemein würde ich mir um den Klirr von Lautsprechern keine Sorgen machen. Die meisten produzieren nur K2 und K3 nennenswert, und die werden in der Realität maskiert**.

    Allerdings kann man aus dem Klirr bestimmte Sachen ablesen. Z. B. ist ein gleichmäßig hoher K2 im Grund- und unteren Mittelton ein ziemlich sicheres Zeichen für ein nicht demoduliertes Magnetsystem (hoher K2 entsteht durch Flussmodulation, und die ist unabhängig von der Frequenz). So ein Magnetsystem wird immer hohe IMD erzeugen, und die sind wirklich furchtbar.

    Defekte zeigen sich auch, zumindest einige, durch schmale Klirrspitzen mit Komponenten hoher Ordnung.

    Man kann mit Klirrmessungen etwas anfangen, aber der Weisheit letzter Schluss sind sie sicherlich nicht.

    *es kann allerdings lokal stationär sein, z. B. ein Sinusburst

    **ich habe hier im Forum ein Messprogramm für Frequenzgänge und auch Klirr veröffentlicht. Der Klirr lässt sich auch bewertet darstellen, z. B. linear oder quadratisch mit der Frequenz. Das heißt, dass die Komponenten mit (n/2) bzw. (n/2)^2 multipliziert werden, n ist dabei die Ordnung. K2 wird dadurch nicht angetastet (2/2=1), aber K3 wird mit 3/2 bzw 9/4, K4 mit 2 bzw. 4, K5 mit 5/2 bzw. 25/4 usw. multipliziert. Dadurch wird die eventuelle Hörbarkeit besser dargestellt, vergl. die Verläufe der Maskierungskurven
    ...was mich daran erinnert, dass ich sein Messprogrammm testen sollte. Ich glaube außer Nils hat das niemend hier aufgegriffen.

    Es gab ja auch mal einen Thread zur Durchführung / Vereinheitlichung von IMD Messungen, IMD-Messungen - Einfacher "Standard" für's Forum?.
    Hier der Eingangsbeitrag von Armin:
    Hallo,

    vor einiger Zeit kam in Christophs Thread "PC-Lautsprecher mit AMT- und Balanced Drive-Technologie" die Frage auf, ob es nicht Sinn machen würde hier im Forum eine Art Standard für IMD-Messungen festzulegen.
    Diese könnten dann bei den Eigenentwicklungen mit angefügt oder/und in einem eigenen Thread gesammelt werden, um dem Betrachter ein "Gespür" für IMD-Messungen zu vermitteln und verschiedene LS-Konzepte unter dem Gesichtspunkt der IMD vergleichen zu können.
    Daher das Fragezeichen hinter dem Thread-Titel bitte eher "sozial-kosmetisch" betrachten, hier soll es nicht um das "ob", sondern um das "wie" gehen

    Ab Post#60 haben Christoph und später auch Theo IMD-Messungen präsentiert. Besonders krass der Vergleich des PC-Lautsprechers (und auch eines TML-Breitbänder) mit einem 3-Wege LS.
    Danach startet die Diskussion darüber was IMD-Messungen überhaupt sind, ob dazu noch Multiton-Verzerrungen unterschieden werden müssen und was die gängige Mess-Software an Möglichkeiten bietet. Dazu noch viele Links um das Thema IMD.

    Die Links zum Thema IMD, aus dem erwähnten Thread, werden hier nochmal aufgeführt um den Einstieg etwas zu erleichtern:

    PS: Hier sieht man auch schön, wie jeder weitere Zweig die Intermodulation senkt.


    Dabei sollten IMD-Messung und Verzerrungsmessung mit Multiton-Anregung nicht in einen Topf geworden werden. Für IMD-Messungen werden zwei Sinustöne mit definiertem Abstand und Pegel eingesetzt, von denen dann noch - je nach Zweck - der höhere oder tiefere gesweept werden kann.
    http://www.klippel.de/know-how/measu...istortion.html

    Die Anregung mit dem Multiton-Signal liefert ein Abbild aller harmonischen wie auch nichtharmonischen Verzerrungen, die verschiedenste Ursachen wie Nichtlinearitäten des Antriebs, Dopplereffekt und Membranresonanzen haben können. Um das Eine von dem Anderen unterscheiden zu können, also aus dem Gemessenen auch etwas deuten zu können, werden bei Klippel gleichzeitig Schalldruck, Strom und Membranauslenkung gemessen und verglichen.
    http://www.klippel.de/know-how/measu...istortion.html


    Hier noch ein Link auf den Aufsatz von Steve Temme und Pascal Brunet, der tiefer ins Detail geht (falls das jemand wissen will):
    A New Method for Measuring Distortion using a Multitone Stimulus and Non-Coherence


    Doch, doch, es gibt Standards! Einige davon sind auch in ARTA und CLIO implementiert. Diese wären nach DIN, SMPTE und CCIF (siehe die Handbücher zu STEPS und CLIO 11). Hierzu können STEPS und CLIO gestufte Messungen (also bei schrittweise sich erhöhender Spannung) machen und darstellen.


    Das Klippel-System macht die IMD-Messung noch ausführlicher: Eine der beiden Frequenzen bleibt konstant, während die andere schrittweise verändert wird. Für jede Frequenzkombination werden dann noch verschiedene Pegel gefahren, so dass eine Auswertung über Frequenz und Spannung bzw. Leistung möglich wird. Abhängig vom Zweck der Messung wird dazu entweder die tiefere Frequenz verändert (bass sweep) oder die höhere (voice sweep).

    https://klippel.de/know-how/measurem...istortion.html


    ganz viele gute und wichtige Aussagen! Leider aber auch ein paar falsche, denn zum Beispiel sind Verzerrungsmessungen mit Multiton-Signalen auch IMD-Messungen - nur halt mit einer anderen Anregung. Sogar noch besser: Mit Multitone Signalen kann man HD und IMD gleichzeitig und getrennt (!) voneinander messen und auswerten. Dazu dürfen nur die Anregungssignale nicht mit den harmonischen zusammenfallen. Siehe dazu auch hier:

    http://www.ifaa-akustik.de/files/tmt-2012-ag-2s.pdf
    (ab Seite 7)

    oder auch hier:

    https://www.irt.de/IRT/FuE/ak/pdf/Go...%20TMT2006.pdf


    Gruß Armin
    In diesem Thread - der leider letztlich versandet ist - ist auch das Prog von JFA zu finden. Jetzt lese ich erstmal und melde mich danach wieder mit Fragen...

    Gruß,
    Christoph

  7. #7
    Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    10.12.2012
    Ort
    OWL
    Beiträge
    1.415

    Standard

    Gutes Neues,

    Zitat Zitat von Gaga Beitrag anzeigen
    - 'an welchen Daten erkenne ich gute Chassis',


    Das Problem hieran ist, dass

    - 'sind die i.d.R. veröffentlichten Daten zur Beurteilung der Qualität überhaupt ausreichend'.
    meistens nicht so richtig zutrifft, man aber aus den vorhandenen Daten sich einige Sachen herleiten kann. Was wiederum das nächste Problem aufzeigt, nämlich dass der geneigte DIYler nicht in der Lage ist, ein Chassis auf Herz und Nieren zu prüfen, und wenn es nicht den Spezifikationen entspricht einfach zurück zu schicken. Also muss er vorher eine geeignete Auswahl treffen.

    Also, was haben wir (an wichtigen Sachen): Schwingspulenlänge, Polplattenstärke (oder von diesen beiden Längen abgeleitete Parameter), Frequenzgang, Impedanzgang, weitere Beschreibungen (die anderen TSP sollten natürlich den Anforderungen entsprechen).

    Schwingspulenlänge und Polplattenstärke bestimmen BL(x) und auch Le(x), wobei beides noch durch die meistens nicht näher spezifierte Geometrie (Seas scheibt z. B. was von T-förmigem Polkern, oder Wavecor mit "Balanced Drive"), und letzteres noch durch zusätzliche Kurzschlussringe an der richtigen Stelle verbessert werden kann (wenn man schon einen T-förmigen Polkern hat dann kann man den Kurzschlussring auch gefälligst an die die richtige Stelle setzen; bei der Kombination dieser beiden Merkmale gehe ich einfach mal davon aus). Ein breites, symmetrisches BL(x) (und damit auch schon ordentliches Le(x)) bringt schon einmal ein tüchtig verzerrungsärmeres Klangbild, wenn dann noch Kurzschlussringe dazu kommen wird es meistens schon ziemlich gut, und der Sprung zur nächsthöheren Qualitätsstufe schon ziemlich groß.

    Frequenzgang: der sollte natürlich glatt oder zumindest beherrschbar um Übertragungsbereich und angrenzenden Regionen sein. Keine Resonanzen oder so. Das wars dann aber auch schon.

    Impedanzgang: Aus dem Impedanzgang kann man einige tolle Sachen ablesen. Mit dem richtigen Mess- bzw. Analyseprogramm lassen die sich sogar ziemlich intelligent darstellen. Man kann (durch Vergleiche) feststellen, ob ein Chassis (besonders TT), eine zwei- oder vierlagige Schwingspule haben, wobei ich persönlich, außer bei Subwoofern, zweilagig vorziehe. Es läst sich z. B. erkennen, ob ein Chassis in irgendeiner Form demoduliert ist, also Kurzschlussringe hat (Notiz für mich: Beispiele bereit stellen). Es sind Resonanzen erkennbar, die aus den verschiedensten Gründen im Frequenzgang nicht auffallen. Also ein tolles Werkzeug - nur nicht um die TSP zu messen. Dafür ist es scheiße.

    - 'was müsste ich messen, um die Qualität eines Chassis gut zu beurteilen'?
    IMD bzw. Multiton. Doof dabei ist, dass es (noch) keine verlässlichen (bzw. etablieten) Metriken gibt, aber wenn man zwei Chassis hat und die bei der Messung vergleicht, dann stellt sich das bessere ganz schnell heraus.

    Möchte man das nicht bleibt einem noch Klirr. Metriken gibt es zu Hauf, außerdem kann man einige Sachen ablesen. Z. B. deutete ein breites, bis in den Mitteltonbereich reichendes hohes Plateau von K2 auf deutliche Probleme im Antrieb hin (BL(i) und/oder Le(i)). Finger weg!, selbst wenn der Klirr selber unter der eigentlichen Hörschwelle liegt. Klirr höherere Ordnung macht sich auch nie gut, kommt zwar vor, ist aber selten. Mit einer Membranresonanz korrespondierender Klirr (Resonanz z. B. bei 3 kHz, K3 Spitze bei 1 kHz) hängt auch nicht selten mit einem nicht (ausreichend) demodulierten Antrieb zusammen, wenn man eine Alternative hat lieber die nehmen. Bei Tieftöneren, die man eh bei 300 Hz trennt, darf man da aber auch 5 gerade sein lassen.

    So ungefähr geht das. Als DIYler ist man nunmal etwas aufgeschmissen, weil man auch nur bedingt die feinen Sachen bekommt. Die schönen, dabei aber schnöden Pappen sind meistens mit einem lausigen Antrieb hinterlegt, und die guten Antriebe gleich mit einem unsinnigen, dabei aber teurem Membranmaterial verknüpft. Also muss man genauer schauen wo es was Feines gibt.

  8. #8
    Chef Benutzer Benutzerbild von Gaga
    Registriert seit
    27.02.2011
    Beiträge
    1.634

    Standard

    Hallo JFA,

    gutes Neues! Und tausend Dank für Deinen extrem nützlichen Beitrag. Damit kann ich etwas anfangen und komme ein ganzes Stück weiter. Natürlich kommen da noch Fragen....

    Gruß,
    Christoph

  9. #9
    Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    21.07.2011
    Beiträge
    577

    Standard

    Hallo,

    Es läst sich z. B. erkennen, ob ein Chassis in irgendeiner Form demoduliert ist, also Kurzschlussringe hat (Notiz für mich: Beispiele bereit stellen). Es sind Resonanzen erkennbar, die aus den verschiedensten Gründen im Frequenzgang nicht auffallen.
    Das könnte dann auch die Erklärung sein für ein Phänomen, dass der von mir verwendete Dayton RSS390HF-4 zeigt.
    Bei der Impedanzmessung zeigt sich um 170Hz eine kleine Störung im Impedanzgang für die ich bisher keine Erklärung hatte und die sich im Frequenzgang nicht niederschlägt.
    Da bei dem Chassis drei Kurzschlussringe zum Einsatz kommen, könnte die kleine Störung dadurch verursacht sein. In der Freifeldmessung taucht die kleine Störung, zu tieferen Frequenzen hin verschoben, ebenfalls auf.

    Impedanzverlauf und Achsen-FG in CB. Klirr bei ca. 106dB und Vergleich Freifeld zu CB Impedanzgang
    RSS390HF4_BaseA_Impedanz.jpg RSS390HF4_BaseA_d100cm_h100cm_FG-deg0.jpg RSS390HF4_BaseA_d31cm_Klirr-106dB.jpg RSS390HF4_BaseA_Vergleich_Impedanz_Freiluft_Fein.jpg

    @JFA
    Wäre dies ein Beispiel für die Anwesenheit von Kurzschlussringen und deren Auswirkung auf den Impedanzgang?

    Falls nicht, werde ich das Post als irrelevant wieder löschen.

    Gruß Armin

  10. #10
    Chef Benutzer Benutzerbild von Gaga
    Registriert seit
    27.02.2011
    Beiträge
    1.634

    Standard

    Hallo Armin,

    vielen Dank für Deinen Beitrag.

    Falls nicht, werde ich das Post als irrelevant wieder löschen.
    Nee, bloß nicht. Ist auf jeden Fall erhellend, auch falls die These nicht hinhauen sollte!

    Gruß,
    Christoph

  11. #11
    Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    20.05.2017
    Beiträge
    278

    Standard

    Zitat Zitat von JFA Beitrag anzeigen
    .. .

    Möchte man das nicht bleibt einem noch Klirr. Metriken gibt es zu Hauf, außerdem kann man einige Sachen ablesen. Z. B. deutete ein breites, bis in den Mitteltonbereich reichendes hohes Plateau von K2 auf deutliche Probleme im Antrieb hin (BL(i) und/oder Le(i)). Finger weg!, selbst wenn der Klirr selber unter der eigentlichen Hörschwelle liegt........ Die schönen, dabei aber schnöden Pappen sind meistens mit einem lausigen Antrieb hinterlegt, und die guten Antriebe gleich mit einem unsinnigen, dabei aber teurem Membranmaterial verknüpft. Also muss man genauer schauen wo es was Feines gibt.
    Hi,
    auch von mir ein herzliches Dankeschön für die tolle Zusammenfassung!
    Kannst du ein paar Beispiele nennen?
    Evtl. auch per PM, verständlicherweise.
    ----der private Nick von MOD eltipo------

  12. #12
    Aktiv LS Bastler Benutzerbild von Lauscher
    Registriert seit
    07.03.2016
    Ort
    Oldenburg
    Beiträge
    473

    Standard

    Zitat Zitat von Jonies Papa Beitrag anzeigen
    Hi,
    auch von mir ein herzliches Dankeschön für die tolle Zusammenfassung!
    Kannst du ein paar Beispiele nennen?
    Evtl. auch per PM, verständlicherweise.
    Vielen Dank für die wertvollen Beiträge.

    und ja - Beispiele mit Bildern wären natürlich sehr hilfreich - sonnst interpretiert jeder die Aussagen anders.

    viele Grüße
    Jens

  13. #13
    Und so beginnt es... Benutzerbild von FoLLgoTT
    Registriert seit
    04.05.2009
    Ort
    Hannover
    Beiträge
    1.400

    Standard

    Zitat Zitat von JFA Beitrag anzeigen
    Möchte man das nicht bleibt einem noch Klirr. Metriken gibt es zu Hauf, außerdem kann man einige Sachen ablesen. Z. B. deutete ein breites, bis in den Mitteltonbereich reichendes hohes Plateau von K2 auf deutliche Probleme im Antrieb hin (BL(i) und/oder Le(i)). Finger weg!, selbst wenn der Klirr selber unter der eigentlichen Hörschwelle liegt.
    Das finde ich besonders interessant. Kann man aus hohen Harmonischen automatisch auf höhere Intermodulation schließen? Ich bin bisher immer davon ausgegangen, habe es aber nie qualitativ untersucht. Mir ist so ein hohes Plateau damals beim Monacor SP-4/60Pro aufgefallen, als ich diverse 4"-Mitteltöner verglichen habe.

  14. #14
    Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    11.09.2017
    Beiträge
    129

    Standard

    Als erstes auch ein gutes neues Jahr an alle.

    Auf der Homepage von Klippel gibt es eine Art Blindtest, wo man diverse Arten von nichtlinearen Lautsprecherverzerrungen mit Kopfhörer anhören, im Pegel verändern und testen kann, ob man sie denn hört. Ich konnte erstaunlich tiefe Verzerrungswerte feststellen, muss aber sagen, dass mich die Verzerrungen mit den niedrigen Werten häufig absolut nicht gestört hätten. Wer hat diesen auch schon einmal probiert ?

    Bezüglich IMD wäre es noch interessant zu erfahren, wie es sich mit der "Transparenz" (Durchhörbarkeit) der Wiedergabe verhält bei komplexen Signalen (also viele verschiedene Instrumente, über einen grossen Frequenzbereich verteilt etc, also das Gegenteil von "A girl and a guitar"). Mein Bauchgefühl sagt mir, dass niedrige IMD Werte bei solchen Signalen wichtig wären. Zwicker/Zollner kommen aber genau zum gegenteiligen Schluss, dass es auf Grund der IMD, welche durch das Gehör selber verursacht werden bei solchen Signalen auf tiefe IMD Werte bei der Wiedergabekette gerade nicht drauf ankommt.

    Gruss

    Charles

  15. #15
    Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    10.12.2012
    Ort
    OWL
    Beiträge
    1.415

    Standard

    Zitat Zitat von ctrl Beitrag anzeigen
    Das könnte dann auch die Erklärung sein für ein Phänomen, dass der von mir verwendete Dayton RSS390HF-4 zeigt.
    Bei der Impedanzmessung zeigt sich um 170Hz eine kleine Störung im Impedanzgang für die ich bisher keine Erklärung hatte und die sich im Frequenzgang nicht niederschlägt.
    Da bei dem Chassis drei Kurzschlussringe zum Einsatz kommen, könnte die kleine Störung dadurch verursacht sein. In der Freifeldmessung taucht die kleine Störung, zu tieferen Frequenzen hin verschoben, ebenfalls auf.
    Es wäre mir neu, dass Kurzschlussringe solche Impedanzspitzen verursachen. Mögliche Ursachen könnten kleine Volumen zwischen/unter diesen oder auch schlechte Verklebungen (schwingen mit) sein. Das ist aber ganz weit hergeholt, und die Ursache für die kleine Störung sollte besser woanders gesucht werden.

    Z. B. im Messaufbau: ist das Chassis fest eingespannt oder schwingend gelagert, schwingt irgendwas anderes mit? Das würde ich nämlich aus Deiner Free-Air-Kurve herauslesen. Die in CB sieht "sauberer" aus.
    Das Chassis selber könnte an der Stelle auch selber ein kleiner Helmholtz-Resonator sein, gebildet z. B. durch das Volumen hinter der Dustcap und der Polkernbohrung, und dieser Resonator wird dann wiederum durch das Gehäusevolumen nach oben verstimmt (daher verschiebt sich die Spitze nach oben).
    Oder eine Gehäusewand schwingt ein wenig vor sich hin, das kann auch solche Spitzen geben.
    Leider lassen sich manche dieser Effekte nicht gut im Frequenzgang messen, zumindest nicht mit Hausmitteln. Das letztere würde man z. B. in der Nahfeldmessung kaum bemerken.

    @JFA
    Wäre dies ein Beispiel für die Anwesenheit von Kurzschlussringen und deren Auswirkung auf den Impedanzgang?
    Jein. Die kleine Impedanzspitze sicher nicht, aber der Verlauf ganz klar. Typisch für Chassis mit Demodulation ist ein anfangs linearer Anstieg der Impedanz über der logarithmischen Frequenzachse, während eine reine Induktivität (das wäre es sonst) exponentiell ansteigt (aber bei linearer Frequenzachse wieder linear wäre).

    Zitat Zitat von FoLLgoTT
    Das finde ich besonders interessant. Kann man aus hohen Harmonischen automatisch auf höhere Intermodulation schließen?
    Auch hier Jein
    Es kommt eher auf den Verlauf denn auf die Höhe an. Ein ordentlich demoduliertes Chassis zeigt von tiefen Frequenzen an fallenden Klirr (wegen der ebenfalls fallenden Auslenkung), während bei einem nicht demodulierten Chassis besonders K2 nur wenig fällt bzw. sogar die Höhe hält. Hintergrund ist, dass der Strom durch die Spule das Magnetfeld moduliert (BL wird vom Strom abhängig => BL(i)), das ergibt einen (hauptsächlich) quadratischen Term und damit K2.
    Die absolute Höhe ist dagegen nicht so ausschlaggebend. Ich hatte z. B. mal ein Chassis (ich meine es wäre aus der KEF Reference gewesen), das zeigte ziemlich hohes K2 und K3 im Bass (so um die 30% bei 95 dB (?), sehr progressive Aufhängung), beides fiel aber konstant stark ab, teilweise auf <0,1%, und Modulationsverzerrungen waren extrem niedrig.

    Zitat Zitat von phase_accurate
    Zwicker/Zollner kommen aber genau zum gegenteiligen Schluss, dass es auf Grund der IMD, welche durch das Gehör selber verursacht werden bei solchen Signalen auf tiefe IMD Werte bei der Wiedergabekette gerade nicht drauf ankommt.
    Wo genau steht das bei denen?

  16. #16
    Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    11.09.2017
    Beiträge
    129

    Standard

    Wo genau steht das bei denen?
    Ich werde das Buch am WE mal hervorkramen und nachschauen.

    Es ist noch interessant zu sehen, dass z.B. auch ziemlich teure High-End Produkte relativ viel Klirr aufweisen, wie z.B. hier die Kef Blade 2 mit ca 3 % im Mittelton bei 95 dB Schalldruck.

    Nachtrag: Gemessen wird allerdings in 2 m Abstand, was den Wert auch wieder etwas relativiert.

    Gruss

    Charles

  17. #17
    Chef Benutzer Benutzerbild von Gaga
    Registriert seit
    27.02.2011
    Beiträge
    1.634

    Standard Hörtest bei Klippel

    Hallo Charles,

    Auf der Homepage von Klippel gibt es eine Art Blindtest, wo man diverse Arten von nichtlinearen Lautsprecherverzerrungen mit Kopfhörer anhören, im Pegel verändern und testen kann, ob man sie denn hört. Ich konnte erstaunlich tiefe Verzerrungswerte feststellen, muss aber sagen, dass mich die Verzerrungen mit den niedrigen Werten häufig absolut nicht gestört hätten. Wer hat diesen auch schon einmal probiert ?
    Ich habe den Hörtest eben mal angetestet (Kopfhörer am Audio-Ausgang Labtop).

    Für Musik hatte ich folgende Hörschwelle gefunden:


    Für ein Zweiton-Signal (70Hz / 800 Hz) diese:


    Ist ganz spannend, um die Frage nach der Hörbarkeit für sich selber zu beantworten.

    Für die Frage nach der Beurteilung der Chassis-Qualität aufgrund der verschiedenen Messdaten suche ich gerade Chassis, für die sowohl die üblicherweise zugänglichen Parameter vorliegen (Frequenzgang, k2 und k3 Verzerrungswerte, Impedanz), als auch Klippel-Messungen - und bevorzugt noch IMD-Messungen. Wenn möglich, für ein eher 'gutes' und ein eher 'schlechtes' Chassis. Vielleicht lässt sich die Diskussion anhand dieser Datensätze gut und für mich verständlich weiterführen.

    Ggf. messe ich zu Hause ein Chassis (ARTA, REW), für das möglichst auch irgendwo Klippel-Daten vorliegen.

    Grüße,
    Christoph

  18. #18
    Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    21.07.2011
    Beiträge
    577

    Standard

    Hallo,

    Es wäre mir neu, dass Kurzschlussringe solche Impedanzspitzen verursachen.
    Arghh, da hatte ich dein vorheriges Post#7 falsch verstanden...
    Impedanzgang: Aus dem Impedanzgang ...Es läst sich z. B. erkennen, ob ein Chassis in irgendeiner Form demoduliert ist, also Kurzschlussringe hat (Notiz für mich: Beispiele bereit stellen). Es sind Resonanzen erkennbar, die aus den verschiedensten Gründen im Frequenzgang nicht auffallen.
    ... und zwei Sätze gedanklich verbunden die als Aufzählung gemeint waren - bin unterm Stein...


    Z. B. im Messaufbau: ist das Chassis fest eingespannt oder schwingend gelagert, schwingt irgendwas anderes mit? Das würde ich nämlich aus Deiner Free-Air-Kurve herauslesen. Die in CB sieht "sauberer" aus.
    Bei der Free-Air-Kurve lag das Chassis auf dem Holzboden (mit freier Polkernbohrung), das schwere Gehäuse der CB-Messung wird stabilisierend wirken, daher dürfte deine Schlussfolgerung zutreffen.


    Wäre dies ein Beispiel für die Anwesenheit von Kurzschlussringen und deren Auswirkung auf den Impedanzgang?
    Jein. Die kleine Impedanzspitze sicher nicht, aber der Verlauf ganz klar. Typisch für Chassis mit Demodulation ist ein anfangs linearer Anstieg der Impedanz über der logarithmischen Frequenzachse, während eine reine Induktivität (das wäre es sonst) exponentiell ansteigt (aber bei linearer Frequenzachse wieder linear wäre).
    Das lässt sich als Qualitätsmerkmal für ein "besseres Chassis" leicht erkennen, wenn man ein nicht demoduliertes Chassis im Vergleich betrachtet.
    Free-Air habe ich gerade nicht zur Hand, daher der Vergleich in CB mit ähnlicher Abstimmung.
    In grün der Impedanzverlauf des RSS390HF ( 3 Kurzschlussringe) und im Vergleich dazu gelb der Verlauf des OmnesAudio MW 8W (gehe mal davon aus, ohne Kurzschlussringe):
    Vergleich_Impedanz_in_CB_Dayton-RSS390Hf_vs_OmnesAudio-MW8W.jpg

    Ein ordentlich demoduliertes Chassis zeigt von tiefen Frequenzen an fallenden Klirr (wegen der ebenfalls fallenden Auslenkung), während bei einem nicht demodulierten Chassis besonders K2 nur wenig fällt bzw. sogar die Höhe hält. Hintergrund ist, dass der Strom durch die Spule das Magnetfeld moduliert (BL wird vom Strom abhängig => BL(i)), das ergibt einen (hauptsächlich) quadratischen Term und damit K2.
    Die absolute Höhe ist dagegen nicht so ausschlaggebend.
    Das lässt sich mit dem Dayton RSS390HF ( 3 Kurzschlussringe) nachvollziehen - zumindest bis 500Hz, dann steigt K2 und K3 wieder an. Klirr bei ca. 96dB Schalldruck:
    RSS390HF4_BaseA_d31cm_Klirr-96dB.jpg

    Im Gegensatz dazu zeigt das MW 8W schon ab 100Hz einen ansteigenden Klirrverlauf von K2 und K3 bis etwa 1.2kHz (danach fällt K2 und K3 ab) - siehe HH-2010-2.


    Gruß Armin

  19. #19
    Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    11.09.2017
    Beiträge
    129

    Standard

    Hallo Armin

    Wenn man die Klirrmessung dieses Dayton Chassis betrachtet, fällt auf, dass k3 fast überall deutlich über k2 liegt. Man liest oft , dass das nicht so ideal sei. Wie verhält sich denn das Chassis so rein subjektiv zum Anhören ?


    Bezüglich der Kef Blade hatte ich den Link mit den Messungen glatt vergessen:

    https://www.soundstagenetwork.com/in...nts&Itemid=153

    Ist noch interessant, dass z.B. auch andere High-End Boliden wie z.B. YG Anat "anständige" Klirrspitzen aufweisen (dafür aber einen sehr linearen Amplitudenfrequenzgang):

    https://www.soundstage.com/measureme...f_main_module/

    Gruss

    Charles
    Geändert von phase_accurate (04.01.2019 um 17:16 Uhr)

  20. #20
    Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    21.07.2011
    Beiträge
    577

    Standard

    Hallo,

    Wenn man die Klirrmessung dieses Dayton Chassis betrachtet, fällt auf, dass k3 fast überall deutlich über k3 liegt. Man liest oft , dass das nicht so ideal sei. Wie verhält sich denn das Chassis so rein subjektiv zum Anhören ?
    Als "deutlich" würde ich das noch nicht bezeichnen , aber du hast natürlich Recht, dass K3 meist über K2 liegt.

    Zufälligerweise habe ich gestern mit einem Freund einen kleinen Hörtest gemacht. Dabei wurde der Tieftonzweig meiner großen Stand-TL mit zwei Dayton RS225-8 abgeklemmt, die Troll-CB daneben gestellt und entsprechend beschaltet. Gehört wurde weit über Zimmerlautstärke.

    Der Wirkungsgrad der TL war gefühlt ein wenig höher und ist mit einer mittleren Lauflänge von 320cm sehr tief abgestimmt.

    Der klangliche Unterschied war gewaltig. Mag sein, dass sich der Klang wieder etwas annähert wenn die CB näher an einer Seitenwand steht, aber gestern war frappant wie wenig die CB den Raum anregt und wie schnell Impulse wieder ausschwingen.
    Auch war der Tiefton unter 40Hz "weniger hörbar" als bei der TL (fast nur fühlbar) - ob da der höhere Klirr der TL hörbar wurde?

    Höre sonst kein Pop, aber bei Kungs - Don't you know war die Bass-Drum bei der CB wie ein Schlag ins Gesicht, bei der TL deutlich schwabbliger.

    Ansonsten ist bei diesen ersten Versuchen der RSS390HF nicht negativ aufgefallen. Aber es sollte klar sein, dass eine so tief abgestimmte CB (f3 ca. 31Hz) kein Wirkungsgrad-Wunder ist.

    Gruß Armin

Forumregeln

  • Es ist dir nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
  • Es ist dir nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
  • Es ist dir nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
  • Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.
  •  
Powered by vBadvanced CMPS v4.3.0