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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Tony Gee's Black Box


djelton
03.09.2010, 23:11
Guten Tag zusammen,

die besagte Black Box von Tony Gee finde ich von der Bestückung her sehr interessant, nach genau so einem Böxchen suche ich derzeit als Bausatz. ("Regallautsprecher", 3 Wege, wenn möglich Metallmembranen).

Hier mal ein Link zum Bauvorschlag: http://www.humblehomemadehifi.com/Black%20Box.html

Ich weis aber nicht was ich von der Entwicklung halten soll. Mangels Erfahrung und Kompetenz traue ich mir auch kein richtiges Urteil zu, weswegen ich gerne eure Meinung hier lesen würde.

Was mir selbst auffällt:
- Die Messung der Einzelfrequenzgänge zeigt, dass der Einsatzbereich der Mitteltonkalotte nicht allzu breitbandig ist.
- In der Messung ist ebenfalls zu sehen, dass die MT-Kalotte nicht ein Stück weit "selbst für den Summenfrequenzgang verantwortlich ist" - ist das Absicht, dass auch im Mittelton sowohl der Bass als auch der Hochtöner noch so viel zum Summenfrequenzgang beitragen? Oder hat das alles so seine Richtigkeit und ich interpretiere nur falsch?
- Die Weichenschaltung finde ich "komisch" - da komm ich nicht so ganz mit...:(
- Warum liegt das Impedanzminimum trotz Verwendung eines 8-Ohm Basses bei 4,5 Ohm? das sollte doch eigentlich eher etwas höher liegen oder?

Ich bitte euch um ein paar Urteile über den Bausatz bzw würde mich auch sehr über eine Hilfestellung bei meinen Verständnissproblemen freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan

Spatz
04.09.2010, 01:11
Ich weis aber nicht was ich von der Entwicklung halten soll. Mangels Erfahrung und Kompetenz traue ich mir auch kein richtiges Urteil zu, weswegen ich gerne eure Meinung hier lesen würde.

Obwohl ich noch nichts von Tony Gee' Entwicklungen gehört habe, denke ich doch, dass er weiss was er tut (wer so mit Serienweichen umgehen kann, muss wissen was er tut) und dass er sein Ansehen in der DIY-Szene nicht umsonst genießt.

- Die Messung der Einzelfrequenzgänge zeigt, dass der Einsatzbereich der Mitteltonkalotte nicht allzu breitbandig ist.

750 bis 2500 Hz sagt der Text. Das ist der sinnvolle Einsatzbereich, evtl könnte man mit steileren Filtern noch ein bisschen tiefer trennen, nötig ist das aber nicht. Obenrum wird an den HT übergeben, wenn der HT problemlos dabei ist und bevor der MT bündelt. Die Box wird also eher rund strahlen...

- In der Messung ist ebenfalls zu sehen, dass die MT-Kalotte nicht ein Stück weit "selbst für den Summenfrequenzgang verantwortlich ist" - ist das Absicht, dass auch im Mittelton sowohl der Bass als auch der Hochtöner noch so viel zum Summenfrequenzgang beitragen? Oder hat das alles so seine Richtigkeit und ich interpretiere nur falsch?

Solange der Gesamtfrequenzgang passt ist das so in Ordnung. Bei Verwendung steilerer Filter müsste der MT mehr selber machen, aber auch das ist nicht nötig...

- Die Weichenschaltung finde ich "komisch" - da komm ich nicht so ganz mit...:(

Google mal nach "Serienweiche"/"serial crossover" und lies dir durch, was Tony Gee dazu schreibt! Interessantes Konzept, hat auch Vor- und Nachteile, soll angeblich "besser" klingen als ne Parallelweiche mit gleichem schaltungstechnischen Effekt. Meine nächste Box bekommt ne 18-dB-Serienweiche...

- Warum liegt das Impedanzminimum trotz Verwendung eines 8-Ohm Basses bei 4,5 Ohm? das sollte doch eigentlich eher etwas höher liegen oder?


Das liegt vmtl an der schon mitgemessenen Impedanzentzerrung, sollte kein Problem sein...

Ciao,

Spatz

Christoph Gebhard
04.09.2010, 09:58
Hallo,

also ich finde die Abstimmung des Mitteltöners auch etwas "unglücklich". Er wird ja fast nur als Filler und zur Verbreiterung der Abstrahlung "missbraucht".
Das soll natürlich nicht heißen, dass die Box nicht gut klingen kann, aber wenn man einen Spezialisten einsetzt, sollte man seine Qualitäten auch nutzen.
Außerdem wundern mich die starke Welligkeiten des Dayton zwischen 1 und 2kHz, die er in einer unendlichen Schallwand eigentlich nicht zeigt.

Zudem sollte man bei einer solchen Kiste auch höchste Ansprüche an Raum und Aufstellung stellen. In diesem Zusammenhang kann ich nur auf einen - wie ich finde - sehr gelungenen Post von Sleepwalker (http://www.diy-hifi-forum.eu/forum/showpost.php?p=24058&postcount=16) hinweisen.

Gruß, Christoph

Sleepwalker
04.09.2010, 11:24
Hallo,

das mit der MT-Kalotte nur "gefillert" wird hat imo 2 Effekte:
1. Der "Energiefrequenzgang" wird dadurch glatter. Kannst du in Boxsim mal testen. Ein scharf getrenntes 3 Wege-System mit 2" MT-Kalotte weisst im Energiefrequenzgang zwischen 1-2 khz einen Buckel auf. Dadurch das die Kalotte nur zum füllen genutze wird, kann der Pegel abgesenkt werden, HT und TT tragen zum Schalldruck in dem Bereich bei, und der "Energiefrequenzgang" wird gerader. Es gibt nicht wenige Leute die darauf sehr viel Wert legen.
2. Durch die grosse Überlappung beeinflusst man das vertikale Abstahlverhalten. Das kann durchaus auf Achse auch positiv sein, selbst wenn die Einbrüche unter Winkel breiter werden. Je nach Fußboden + Hörabstand könnten sich so durchaus Vorteile ergeben.

Nur IMO..

Torsten

Christoph Gebhard
04.09.2010, 13:02
Hallo Torsten,

interessante Aspekte, die ich - zumindest den ersten Punkt betreffend - nicht so auf dem Schirm hatte.
Beim zweiten Punkt kann man auch weniger von gezielter Entwicklung sprechen.
Da ist eher Zufall, ob eine flache Filterung die Schallabstrahlung zu Boden und Decke "verbessert" bzw. zu besserem Klang führt. Es kann auch anders herum sein.

Ähnliche Effekte habe ich auch bei unterschiedlich stark bündelnden Chassis gemacht (in meinem Fall 17er Tieftöner und PA-Horn). Auch da hat die flachere Filterung energetisch besser funktioniert bzw. wurde die Sprungstelle im Übergangsbereich abgeschwächt.

Generell finde ich es auch etwas fraglich, wenn man mit solchen "Tricks" arbeiten muss. Da wurde ja schon im Vorfeld bei der Konzeptplanung (Chassis, Schallwand, Position, Trennfrequenz etc.) geschlampt.

Aber nochmal: Ich will damit nicht abstreiten, dass die Box in der Praxis gut klingt. Ich will nur mein Bedauern mitteilen, dass die Mitteltonkalotte lediglich als Filler eingesetzt wird. Da hätte man ja auch fast 2-Wege bauen können :idea: :rtfm: :eek: :denk: :D

Gruß, Christoph

Sleepwalker
04.09.2010, 13:19
Generell finde ich es auch etwas fraglich, wenn man mit solchen "Tricks" arbeiten muss. Da wurde ja schon im Vorfeld bei der Konzeptplanung (Chassis, Schallwand, Position, Trennfrequenz etc.) geschlampt.

Gruß, Christoph

Tja, das ist ja genau das "blöde" an den 2" Kalotten. Dieses Verhalten bekommt man sonst nur mit WG weg. Beim HT ist es ja im Prinzip genau so, nur ist es da ja "normal", und man darf nicht vergessen das so dann auch oft abgehört wird. Vielleicht sorgt da der Tontechniker gleich dafür das es trotzdem nicht zu schräg klingt.

Auch über die Schallwandbreite lässt sich das n.m.M. nicht beeinflussen, auch wenn gerne was anderes anhand von gefensterten Messungen behauptet wird. Nur weil ichs ausblende (Messfenster) ist es ja trotzdem noch da. Beim guten Raum ist es dann wieder nicht so wichtig, aber...siehe Kommentar im anderen Thread... ;)

Torsten

Christoph Gebhard
04.09.2010, 14:40
Hallo Torsten,

Vielleicht sorgt da der Tontechniker gleich dafür das es trotzdem nicht zu schräg klingt.

Das sollte man sich viel öfter vor Augen halten. Die Abstimmmung erfolgt auch meist über "fehlerhafte" Lautsprecher. Deswegen macht es nur bedingt Sinn einen Lautsprecher stur nach reinen technischen Aspekten zu entwickeln.
Timmi wird ja oft vorgeworfen, dass er den raumbedingten Anstieg zu tiefen Frequenzen (bedingt durch die dort kugelförmige Abstrahlung) ignoriert und stattdessen stur im Freifeld abstimmt.
Diese Kritik ist rein technisch gesehen natürlich richtig. Die meisten CDs sind aber so abgestimmt, dass es dann trotzdem im Raum tonal passt (eben weil der Tontechniker meist auch über "normale" - im Bass rundstrahlende - Lautsprecher hört) und man einen Anstieg zu tiefen Frequenzen im Raum braucht, um die Aufnahmen nicht blutleer klingen zu lassen (wobei die Wahrheit wohl in der Mitte liegt und ein leichter Anstieg zu hohen Frequenzen bei der Freifeldabstimmung durchaus vorteilhaft ist).

Aber zurück zum Thema: Ich habe die Dayton-50er-Kalotte ja auch schon mehrfach getestet. Zuerst ganz ähnlich wie Tony Gee mit einer 19er Kalotte und einem 20er Bass in einer Kompaktbox.
Das klang einfach nicht. Viel zu präsent, anstrengend und aufdringlich im oberen Mittelton, auch wenn man den Pegel der Kalotte zurücknahm.
Das war dabei aber nicht dieser analytisch-plastisch-direkte Sound, den man z.B. auch bei D´Appos oder eng strahlenden Konzepten kennt, sondern einfach nur unangenehm. Man hätte fälschlicherweise fast auf die Idee können, dass DAS der oft zitierte unangenehme Metallklang ist ;)

Im Wave war von diesem Sound aber nix mehr zu spüren. Zwar immer noch sehr sauber und ohne jeden Schmelz, aber viel natürlicher und homogener.

Wasser auf die Mühlen all deiner Aussagen.

Gruß, Christoph

djelton
05.09.2010, 17:51
Guten Tag zusammen,

vielen Dank für eure Antorten. Also wird durch die flache Filterung der Übergänge der Frequenzgang unter Winkel beeinflusst - es wird quasi nicht das volle Rundstrahlverhalten der 2" Kalotte genutzt um den Energiefrequenzgang zu glätten?

Aber hier mal zum Vergleich einmal der Energiefrequenzgang der Symphonie von Visaton:
http://s7.directupload.net/images/100905/a9kk4qw4.jpg (http://www.directupload.net)
Hier sieht man im Übergangsbereich zwischen den beiden AL170 und der G50 ein Loch.

Und hier als Vertreter der 17/25-Fraktion die Alto1:
http://s10.directupload.net/images/100905/8ixlh69q.jpg (http://www.directupload.net)
Hier sieht man doch unterhalb der Trennung auch eine Senke (bedingt durch die Bündelung des TMTs oder)

Ich verstehe nicht, warum die 3-Wege deutlich höhere Ansprüche an die Hörumgebung stellen als der typische 2-Wege Regallautsprecher, der ja auch eher rund strahlt oder?

Es ist leider kein spezieller Hörraum mit sonderlichen akustischen Maßnahmen vorhanden. Eher eine typische 20m² Studentenbude, kein Teppichboden, sondern Parkett, aber dafür steht ein Bett und eine kleine Couch im Raum und ein Paar Platten Basotect habe ich auch nett verpackt an die Wand gehängt.

Grüße Stefan

Sleepwalker
05.09.2010, 20:26
Hi,
nein ein typischer 2 Weger bündelt im Mittelton. Wir sind im Mittelton besondes empfindlich. Wärend 5 db mehr an beiden Enden (also Bass, Höhen) noch als Geschmackssache durchgehen, ist das um 1 khz rum total nervend. Kannste ja mal mit nem EQ testen.

Torsten

Edit: Guck dir mal die Einzelfrequenzgänge der Symphonie bei Visaton an. von 2 bis fast 10 khz sind MT und HT im Einsatz. Der TT ist ein (2) 17ner, wie man sie auch bei einem "typischen" 4 Weger einsetzen würde. Mit 20cm oder noch grösseren TT sähe das deutlich schlechter aus.