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Alt 05.12.2017, 00:45   #189
ctrl
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 21.07.2011
Beiträge: 208
Standard

Hallo,

möchte euch hier einen kleinen Vergleich über die Abstrahlung der Standbox mit klassischer Front und der "optimierten" Front mittels Verengung um den HT kredenzen.

Es geht immer noch darum eine gleichmäßige Abstrahlung bei möglichst linearem Achsenfrequenzgang zu erzielen (sags hier nochmal, natürlich mit dem Ziel eines astreinen Klanges und nicht um mich an, zugegebenermaßen saugeilen... ähm..., Abstrahlsonogrammen zu verlustieren).
Verliert sich hier etwas im Detail, finde es aber so interessant, dass ich euch damit belästige.

Im Lautsprecherbau wurde praktisch alles schon unzählige Male "neu entdeckt", doch leider ist mir nicht bekannt wie eine Front mit Verengung ursprünglich genannt wurde, daher wird diese im folgenden wegen ihrer (ausgesägten) Form einfach als X-Front bezeichnet - vielleicht kennt von euch jemand die korrekte Bezeichnung.

Klassische Front: BxH 30x160cm mit breiter 45° Fase auf ca. 23cm
Front.klassisch.jpg
X-Front: Wie klassische Front, aber versehen mit zwei liegenden V-Einschnitten auf der Höhe des HT von ungefähr 45°, die Neigung der Einschnitte beträgt ebenfalls 45°. Der Einschnitt geht bis zum Rand des HT. Entstandene Kanten wurden etwas verrundet.
Hoffe mit Bild kann man es nachvollziehen.
X-Front.verengt_1280px.JPG

In Post #180 und #181 wurde dargelegt welche Überlegungen der Schallwandänderung zugrunde lagen und welche Auswirkungen diese auf die dort verwendeten Chassis hatte.
Am Ende von Post #181 wurde schon vorsichtig angedeutet:
Zitat:
Ob diese Änderung klanglich überhaupt von Vorteil ist, muss sich erst zeigen...
... und es zeigt sich für den 0,75'' ScanSpeak D2100-851100 war die Änderung der Schallwand gut, wegen der Glättung des FG, aber schlecht wegen der zusätzlichen Aufweitung um 5kHz.

Klassische Front HT 851100 normalisiertes Sonogramm 1/12 Glättung, Skalierung 10dB!! (damit werden Schwachstellen besser herausgearbeitet, da nun je Stufe nur 1dB Schalldruckabfall)
851100_Abstrahlsonogramm_deg0-90_normalisiert_10dB.jpg

X-Front HT 851100 normalisiertes Sonogramm 1/12 Glättung, Skalierung 10dB
851100.X-Front_Abstrahlsonogramm_deg0-90_normalisiert_10dB.jpg

Durch die hohe Trennung bei 2,8-3,0 kHz kann bei der klassischen Version das schlimmste an Abstrahlproblematik vermieden werden. Eine Aufweitung bei 5kHz ist zwar vorhanden, nicht optimal, aber noch tolerabel.
Bei der X-Front schlägt die Aufweitung bei 5 kHz voll rein. Das ist hörbar, z.B. werden eng angeschlagene Becken unangenehm aufdringlich.
Könnte jetzt irgendwas von Charakter und Direktheit faseln, noch ein paar blumige Adjektive dazu... klingt Kacke ist aber treffender.
Der ScanSpeak D2100-851100 mag die X-Front und deren Waveguide ähnliche Wirkung unter Winkel überhaupt nicht.

Ist damit der Ansatz mit 0,75'' HT auf der Schallwand gescheitert?

Bevor ihr euch mental auf die Schulter klopft und ein "Ich wusste es schon immer" jauchzt, schauen wir uns einfach noch einen anderen 0,75'' HT auf den beiden Schallwänden an.

Klassische Front Seas 19TAFD-G normalisiertes Sonogramm 1/12 Glättung, Skalierung 10dB
19TAFD-G_DirectivityPattern_10dB_normalized.jpg
Das sieht auf der klassischen Front ziemlich klassisch aus und würde bei klassischer Trennung um 2,2-2,5 kHz eine klassische "BBC-Senke" benötigen - nicht so klass..e.
Bei Trennung um 3kHz läuft man kurz darauf in die Einschnürung um 4kHz - eher nicht.

X-Front Seas 19TAFD-G normalisiertes Sonogramm 1/12 Glättung, Skalierung 10dB
19TAFD-G.LS-2.X-Front_Abstrahl-Sonogramm_hor_deg0-90_normalisiert_10dB.jpg
"Now we are talking!" Das sieht schon deutlich besser aus. Bei Trennung um 3kHz könnte man die sprunghafte Aufweitung um 3,1kHz entschärfen.
Falls der neue 6'' MT (SB17NAC35-8) bis 3kHz geht wäre das eine mögliche Kombination.


Warum der Seas-DXT auf der klassischen Front nicht funktioniert!

Wie sehr die Abstrahlung des HT von der richtigen Wahl der Schallwand abhängt, zeigt sehr eindrucksvoll der Seas-DXT.
Klassische Front Seas-DXT normalisiertes Sonogramm 1/12 Glättung, Skalierung 10dB
27TBCD.LS-1_Abstrahlsonogramm_10dB_normalisiert.jpg
Das Abstrahlverhalten ist so vergurkt, da schämte sich sogar mein Mikrofon für die Abtastung (Quelle: Kompendium der Fasnacht-Kalauer S.463). Schlechte Scherze beiseite, wenn da um 2kHz getrennt wird hilft auch die beste Aktiv-Weiche nicht.

Also packen wir den Seas-DXT doch einfach mal in die X-Front
X-Front Seas-DXT normalisiertes Sonogramm 1/12 Glättung, Skalierung 10dB
27TBCD.X-Front.Ch-1_Abstrahl-Sonogramm_hor_deg0-90_normalisiert_10dB.jpg
Nicht schlecht! Man sieht zwar eine leichte Stufe um 3,5kHz (Übergang Ladung Waveguide zu Schallwand?), aber sonst ist die Welt bis ca. 2kHz in Ordnung.
Die Kombination X-Front Peerless 830990 6,5'' + Seas-DXT höre ich seit einer Woche und bin ziemlich angetan. Die Abstrahlung ist unter Winkel nicht mehr konstant (wie beim 0,75'' HT realisierbar), sondern fällt gleichmäßig ab.
Messungen dazu kommen später.

Den X-Front Einsatz bei großen, schlanken LS deren HT vertikal nicht am oberen Ende der Front platziert werden kann, ist sehr interessant**, da damit das Abstrahlverhalten des HT fast unabhängig vom MT verändert werden kann.
Damit kann man eine ähnlich gute Abstrahlung wie bei den schräg "abgefasten" 2-Weger erreichen.
Falls die Zeit dafür vorhanden, wird dies noch genauer betrachtet werden.

Gruß Armin

** bevor sich sich jemand gedrängt fühlt ein "Nein, ich finde es total banal" zu posten, denkt euch ein IMHO dazu ;-)

Geändert von ctrl (05.12.2017 um 00:57 Uhr).
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